Was radioaktive Substanzen im Körper bewirken und wie die Japaner sich dagegen schützen

Tödliche Strahlung

Was radioaktive Substanzen im Körper bewirken und wie die Japaner sich dagegen schützen

Die beim Atomunglück in Fukushima freigesetzten radioaktiven Substanzen sind kaum sichtbar. Es sind Staubpartikel, die sich in Regentropfen oder Schneeflocken verteilt haben. Die Menschen in dem radioaktiv belasteten Gebiet werden vor allem von der weitreichenden Gammastrahlung getroffen, ähnlich wie beim Röntgen. Besonders gefährlich wird es, wenn sie radioaktive Partikel einatmen oder schlucken. Die Partikel können sich dann in körpereigene Zellen einlagern und bleiben dort für lange Zeit. Dadurch werden die Körperzellen dauerhaft der Radioaktivität ausgesetzt. Außerdem können so auch die radioaktiven Substanzen Schäden anrichten, die eigentlich nur eine kurze Reichweite haben. Die Menschen in Japan versuchen mit enormem Einsatz, die radioaktive Belastung so gering wie möglich zu halten – zum Beispiel durch die strenge Kontrolle der Lebensmittel.

Japaner essen häufig Produkte aus dem Meer und haben dadurch einen natürlichen Schutz vor Schilddrüsenkrebs.

Beim Atomunglück sind mehrere radioaktive Substanzen freigesetzt worden – eine Gefahr für die menschliche Gesundheit.

Die radioaktiven Substanzen
In Fukushima wurde unter anderem radioaktives Jod 131 freigesetzt - eine große Gefahr für die Menschen. Denn auch wenn es eine relativ geringe Halbwertszeit von acht Tagen hat (das bedeutet, alle acht Tage hat sich die vorhandene Menge halbiert), kann radioaktives Jod schwere Schäden im menschlichen Körper anrichten. Es lagert sich in die Schilddrüse ein und durch die Strahlung können sich dort Zellen verändern und zu Krebszellen mutieren. Neben Jod 131 wurde in Fukushima auch radioaktives Strontium 90 freigesetzt. Es hat eine Halbwertzeit von 29 Jahren, lagert sich in die Knochen und kann von dort aus die körpereigenen Zellen schädigen. Vier Jahre nach dem Unglück ist Caesium 137 die größte Bedrohung, weil es in vergleichsweise großem Umfang freigesetzt wurde und sehr langsam abgebaut wird. Es hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren und wird vom Muskelgewebe aufgenommen.

Japanerin steckt Fischstücke in Glas

Die Japaner kontrollieren ihre Lebensmittel seit dem Atomunglück sehr gründlich auf radioaktive Strahlung.

Die Kontrolle der Lebensmittel
Um zu verhindern, dass radioaktive Substanzen in den Körper gelangen, ist die Kontrolle von Trinkwasser und Lebensmitteln wichtig. Im Vergleich zu den Untersuchungen in Deutschland nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist das Kontrollnetz in Japan viel dichter. Die japanischen Grenzwerte sind außerdem streng, sogar strenger als bei uns:

Grenzwert f. Cäsium in Trinkwasser
Japan: 10 Bequerel/kg
EU-Verordnung: 100 Bequerel/kg
EU-Notverordnung bei einem Atom-Unglück: nicht einheitlich

Grenzwert f. Cäsium in Säuglingsnahrung
Japan: 50 Bequerel/kg
EU-Verordnung: 370 Bequerel/kg
EU-Notverordnung bei einem Atom-Unglück: 400 Bequerel/kg

Grenzwert f. Cäsium in Milcherzeugnissen
Japan: 50 Bequerel/kg
EU-Verordnung: 370 Bequerel/kg
EU-Notverordnung bei einem Atom-Unglück: 1000 Bequerel/kg

Grenzwert f. Cäsium in anderen Nahrungsmitteln
Japan: 100 Bequerel/kg
EU-Verordnung: 600 Bequerel/kg
EU-Notverordnung bei einem Atom-Unglück: 1250 Bequerel/kg

Bei Reis testen sie in der Präfektur Fukushima die gesamte Ernte. Bei Obst und Gemüse sind es Stichproben. Seit der Reaktorkatastrophe wurden in Japan fast eine Million Lebensmittel-Proben untersucht. 2014 haben weniger als ein Prozent der Proben den zulässigen Grenzwert überschritten. Auch wenn das im ersten Moment überraschend klingt, gibt es dafür eine plausible Erklärung: In den Sperrzonen wird keine Landwirtschaft mehr betrieben und in anderen kontaminierten Bereichen wurde der Boden abgetragen und die Belastung dadurch gesenkt.

Autor: Reinhart Brüning


Lesetipp

Fukushima. The Story of a nuklear Disaster
Autor: David Lochbaum et al.
Verlagsangaben: The New Press, New York, 2014
ISBN: 978-1-59558-927-9
Sonstiges: 310 Seiten, auch als E-Book erhältlich
Dieses Buch ist mit Unterstützung der „Union of Concerned Scientists“ entstanden und präsentiert und bewertet sehr anschaulich und detailgenau die derzeit verfügbaren Fakten. Wer einen unabhängigen kritischen Blick auf die Geschehnisse ergänzend zu den offiziellen Reports möchte, ist mit diesem Buch gut beraten – allerdings auf Englisch.

Stand: 03.03.2015, 14:00

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