Vom Desaster zum Erfolg – die EU als Retterin der Fische

Vom Desaster zum Erfolg – die EU als Retterin der Fische

Die Fischbestände in den europäischen Meeren waren lange Zeit gefährdet. Doch nach vielen erfolglosen Jahren hat die EU eine Trendwende geschafft: Mit verbindlichen Fangquoten auf wissenschaftlicher Basis wird eine nachhaltige, kommerzielle Fischerei ermöglicht.

Der Inhalt eines Fangnetzes auf dem Förderband eines Schiffes

Einer der 60 Fänge des Forschungsschiffs SOLEA, auf deren Grundlage die Fangquoten der EU ermittelt werden.

Quarks & Co hat den Biologen Kay Panten auf dem Forschungsschiff SOLEA begleitet. 17 Tage sind die Forscher vom Thünen-Institut für Seefischerei auf der Nordsee unterwegs: Im Auftrag der EU untersuchen sie, wie viele Fische es in der Nordsee gibt, wie alt sie sind, wo sie vorkommen und ob es genügend Elterntiere gibt, um die Fischbestände langfristig zu sichern.

Forschung für die Fangquote

Ein Fisch wird vermessen

Alle gefangenen Fische werden gewogen, vermessen und von einigen wird auch das Alter bestimmt.

Im Fischlabor an Bord der SOLEA werden alle gefangenen Fische bestimmt und sortiert. Danach werden sie gewogen, vermessen und von einigen wird auch das Alter bestimmt. Aus den über 60 Fängen können die Forscher ablesen, wo die Fische vorkommen, wie sie verbreitet sind und welchen Zustand die Fischpopulationen haben. Auch die kommerziellen Fischer müssen das Gewicht jedes Fangs für alle quotierten Arten melden. Aus diesen Daten wird der Zustand der Fischbestände errechnet – ähnlich wie es Demografen zur Untersuchung der Bevölkerungsentwicklung machen. So kommen die Forscher zu verlässlichen Schätzungen über die Gesamtmenge an Fischen und können prognostizieren, wie sich die Bestände entwickeln werden; die Grundlage für die Fangempfehlungen der EU.

Scholle gerettet – Kabeljau auf dem Weg der Besserung

Der Schollenbestand in der Nordsee wurde durch den übermäßigen Fischfang in den Jahren von 1995 bis 2004 gefährlich dezimiert. Dann griffen die Fangquoten und Managementpläne der EU. Heute geht es der Nordseescholle besser als jemals zuvor. Doch der Kabeljau ist nach wie vor bedroht. Durch jahrzehntelange Überfischung ist sein Bestand in der Nordsee zusammengebrochen und konnte sich bis heute nicht ausreichend erholen.

Diagramm, auf dem die Entwicklung der Bestände von Scholle und Kabeljau von 1970 bis 2015 dargestellt ist

Die Scholle hat sich in der Nordsee prächtig entwickelt; der Kabeljau erholt sich langsam.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist die neue EU-Beifang-Regelung. Seit 2014 dürfen die Fischer unerwünschte Arten, die ihnen aus Versehen ins Netz gehen nicht mehr – meistens tot – über Bord werfen. Wenn ein Schollenfischer auch Kabeljau fängt, was häufig vorkommt, dann muss jetzt auch der Kabeljau an Land gebracht und auf die Quote angerechnet werden. Fängt ein Schollenfischer zu viel Kabeljau und erreicht die erlaubte Höchstmenge, darf er auch keine Schollen mehr fischen. So werden die Fischer angehalten, gezielter zu fischen, zum Beispiel mit größeren Maschen. Zudem hält sich der EU-Ministerrat seit 2014 bei der jährlichen Fangmengenvergabe in der Regel an die Empfehlung der Wissenschaftler. Das ist sowohl für die Fische als auch für die Fischer gut: Da jetzt alle Mitgliedsstaaten nachhaltiger fischen, steigen auch die Profite der Fischereien.

43 Prozent der Fischbestände sind noch immer überfischt

Fische und Seesterne

Ohne gemeinsame Regeln könnte jedes einzelne Land die Nordsee leerfischen.

Trotzdem sind etwa 43 Prozent der europäischen Fischbestände noch immer überfischt. Der Biologe Kay Panten regt an, "andere Maschen zu nutzen, andere Fangmethoden anzuwenden und man sollte es teilweise auch ein bisschen mehr kontrollieren! Es gibt nach wie vor schwarze Schafe, die versuchen, diese Regularien zu umgehen und nach wie vor mit kleineren Maschen zu fischen". Doch insgesamt sind die EU-Regeln deutlich effektiver geworden. Damit wir in Zukunft Fische aus gesunden Beständen genießen können, haben sich die Mitglieds-Staaten der EU verpflichtet, bis 2020 für eine hundertprozentig nachhaltige Fischerei zu sorgen.



Filmautorin: Kristin Siebert

Stand: 11.10.2016, 12:00