Wenn "Systemsprenger" erwachsen werden: Emil zieht aus

Menschen hautnah Teil 2 von 2 20.01.2022 28:00 Min. UT Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Katharina Wolff


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Wenn „Systemsprenger“ erwachsen werden

Stand: 06.12.2021, 13:08 Uhr

Als wir Emils Eltern kennenlernen, sind sie völlig verzweifelt: Sie suchen dringend einen Platz, wo ihr 17jähriger Sohn leben kann. Zuhause geht es nicht mehr. Das ist zu gefährlich. Emil kam mit einer hirnorganischen Anomalie auf die Welt. Deshalb ist seine geistige Entwicklung verzögert, reagiert er von klein auf impulsiv und aggressiv. Rastet wegen Kleinigkeiten aus und greift auch seine Geschwister oder Eltern an. Je größer und kräftiger er wird, desto weniger schaffen es seine Eltern Anette und Stefan, die Situationen selbst in den Griff zu bekommen. An blaue Flecken haben sie sich gewöhnt, doch eines Tages müssen sie die Polizei rufen. Die Situation ist eskaliert.

Eine Frau und Ihr Sohn stehen vor einer Wand.

Emil und seine Mutter Anette.

Was soll aus Emil werden, wenn er volljährig wird? Es ist sehr schwierig, einen richtigen Ort zu finden, wo Emil als Erwachsener bleiben kann. Bisher ist er aus sämtlichen möglichen Betreuungssystemen rausgeflogen.

Genauso geht es der 17jährigen Mercedes, einer ehemaligen Klassenkameradin von Emil. Deren Mutter Katarzyna hatte sie vor 3 Jahren in die Betreuung des Jugendamtes gegeben, weil sie als Mutter einfach keine Kraft mehr hatte, die ständigen Wutausbrüche zuhause zu heftig waren. Seitdem musste Mercedes von Einrichtung zu Einrichtung ziehen und soll jetzt, da sie 18 Jahre alt wird, wieder umziehen. Doch einen neuen Platz zum Leben für sie gibt es noch gar nicht. Noch am Tag vor ihrem Geburtstag weiß ihre Familie nicht, wo Mercedes hin kann, fürchtet, dass sie, trotz ihrer geistigen Beeinträchtigung, wohnungslos wird. Denn für solche so genannten „Systemsprenger“ wie Emil und Mercedes gibt es kaum geeignete Einrichtungen, in denen sie dauerhaft geschützt leben und sich positiv entwickeln können.

Das Team von Menschen hautnah begleitete beide Familien mit der Kamera für ein Jahr und wird Zeuge eines kleinen Wunders…

Ein Mini-Serie von Katharina Wolff

Redaktion: Gudrun Wolter

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