Unter Nackten - Tantra und die Suche nach Veränderung

Unter Nackten: Tantra und die Suche nach Veränderung

Menschen hautnah 11.07.2019 43:48 Min. UT Verfügbar bis 11.07.2020 WDR Von Ulf Eberle, Katharina Gugel

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Unter Nackten - Tantra und die Suche nach Veränderung

Vor Wildfremden nackt dastehen, die letzten Hüllen fallen lassen – das wird für die meisten Tantraneulinge eine große Hürde sein. Für Gudrun aus Hamburg, die nach einer Brustamputation und Gebärmutterentfernung auf der Suche nach ihrer Weiblichkeit ist. Für den Finanzberater Peter aus Köln, der mit seiner Freundin schon Tantra-Berührungsabende durchgeführt hat, aber eben nur zu zweit. Und für Michael und Ellen aus Schleiden. 60 Jahre alt, seit zwei Jahren ein Paar und nach dem Zusammenziehen nun in der ersten Krise. „Wir hoffen, dass wir uns durch Tantra wieder näherkommen“, erzählen die Beiden vor dem Seminar.

Sexuelle Energie als göttliche Lebenskraft

Es sind völlig normale Menschen, die sich beim Tantra-Seminar einer Kölner Anbieterin angemeldet haben. Viele verbinden Tantra zunächst mit Gruppensex, Superorgasmus oder einer esoterischen Art von Prostitution. „Genau diese Vorurteile hatte ich, als ich zu einer ersten Tantra-Massage gegangen bin“, erzählt Visagistin Gudrun, „doch danach hat sich bei mir etwas Neues geöffnet.“ Sie wollte mehr über Tantra erfahren und entdeckte eine jahrtausendealte, indische Entspannungslehre, die sexuelle Energie als göttliche Lebenskraft betrachtet und Liebe als Basis des Lebens. Das Motto: Lernt euren Körper ganz neu kennen und lieben, indem andere Menschen ihn wertschätzen. Keine Häme, keine komischen Blicke, sondern gegenseitige Berührungen und Streicheleinheiten auch an erogenen Zonen. Das Ziel: Zufriedenheit und neue Leichtigkeit.

Eine Frau liegt mit geschlossenen Augen und nackt in den Armen eines nicht bekleideten Mannes.

Gudrun hatte nach schweren Operationen ihr Körpergefühl verloren. Sie erhofft sich von Tantra neue Energie.

Veränderung durch Tantra

Mehrere Tage lang tauchen die Teilnehmer immer tiefer in die tantrische Begegnung ein. Zuerst nur mit den Augen, dann vorsichtig mit den Händen bis zum Höhepunkt am letzten Tag: Die gegenseitige Massage im Genitalbereich. „Ich fühle mich irgendwie unter Erfolgsdruck“, meint Peter, dessen Partnerin Anjali schon viel mehr Erfahrung hat als er. „Ich dachte, ich berühre Frauen richtig, aber nun bin ich mir nicht mehr so sicher.“ Gudrun scheint von Tag zu Tag glücklicher zu werden. Ganz im Gegensatz zu Michael und Ellen, die so optimistisch in den Workshop starten und dann ein einziges Gefühlskarussell durchleben.

Kann Tantra helfen, dem Alltagstrott etwas entgegenzusetzen, kranken Menschen ein neues Körpergefühl zu geben oder ein Paar wieder zu vereinen? Werden die Teilnehmer mit neuer Leichtigkeit oder mit neuen Problemen in ihren Alltag zurückkehren? Menschen hautnah: „Unter Nackten“.

Ein Film von Ulf Eberle und Katharina Gugel
Redaktion: Jessica Briegmann

Stand: 12.06.2019, 15:42

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