Schwiegermütter

Menschen hautnah 07.10.2021 44:53 Min. UT Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Wolfgang Minder


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Schwiegermütter

Stand: 28.09.2021, 11:46 Uhr

Schwiegermütter haben keinen guten Ruf: Sie hätten immer etwas zu nörgeln und ließen kein gutes Haar an ihren Schwiegertöchtern. Die könnten ihnen nichts recht machen und würden verdächtigt, einen unheilvollen Einfluss auszuüben auf die geliebten Söhne. Was ist dran an diesen Klischees? Und wie sehen sich Schwiegermütter eigentlich selbst?

Mit leidgeprüfter Miene gab sie ihr Rezept für ein gelingendes Zusammenleben mit der Schwiegertochter unter einem Dach zum Besten: Schweigen, Schlucken, Beten. Leider hielt sie sich selten an ihre erste Zutat“, erinnert sich Elvira an ihre eigene Schwiegermutter, mit der sie 30 Jahre unter einem Dach gelebt hat. So will sie selbst auf keinen Fall werden. Doch seit ihr einziger Sohn mit seiner Frau in ihr Kleinstädtchen gezogen ist, entdeckt sie immer mehr Seiten an sich, die sie nicht für möglich gehalten hätte. Ihr größter Horror ist, dass sie gar nicht merken könnte, wie sie sich einmischt. Dabei hat ihre aus Brasilien stammende Schwiegertochter sie eigentlich ganz gerne um sich herum - und versteht nicht, warum die Schwiegermutter sich so zurückhält.

Zwei Frauen vor einer Wiese. Die Jüngere von ihnen trägt ein Baby in einem Tuch vor dem Bauch.

Elvira mit ihrer Schwiegertochter Diana beim Spaziergang.

Auch Brigitte hat ein sehr enges Verhältnis zu Ihrem Sohn und dessen Frau Claudia. Die beiden haben von ihr eine Traditionswäscherei in Bonn übernommen, Brigitte wohnt noch im Geschäftshaus. Mittags kocht sie für die ganze Familie, im Betrieb hilft sie mit ihren 72 Jahren, wann immer „Not am Mann ist“. Ihre Schwiegertochter musste lernen, dass sie nicht nur einen Mann, sondern einen Familienbetrieb geheiratet hat. Am Anfang war es hart für Claudia: „Das habe ich sehr schnell gemerkt, wenn ich meinen Mann sehen will, muss ich hier arbeiten.“ Schon länger wollen sie und ihr Mann mehr Abstand zur Firma, finden, dass ein bisschen mehr Distanz ihnen auch als Paar gut tut. „Das muss jeder selbst wissen, was gut für ihn ist, es muss nur funktionieren“, sagt Brigitte dazu. Ob sie damit das Lebensglück der Schwiegertochter oder doch eher die Zukunft des Familienbetriebs meint, darauf will sie sich nicht festlegen lassen.

Zwei Frauen in einer Wäscherei.

Brigitte und Schwiegertochter Claudia (r) arbeiten Hand in Hand in der Wäscherei.

Was bin ich für eine Schwiegermutter? Eigentlich gar keine, denn ich habe ja keine Chance, eine zu sein“, sagt Marion. Sie hat den Kontakt zu ihrem Sohn und seiner Frau fast vollständig verloren. Dabei war das Verhältnis eigentlich ganz normal, bis der Sohn und seine Frau ein Kind bekamen. Warum es dann zum Bruch kam? Sie weiß es nicht. Den Enkel darf sie nicht sehen und kämpft gegen das Gefühl, nicht gebraucht und ausgestoßen zu sein.

Eine Frau in einer Fußgängerzone.

Marion fühlt sich als Schwiegermutter verlassen.

Menschen hautnah begleitet drei Schwiegermütter, die sich im Umgang mit der Frau an der Seite ihres Sohnes ganz unterschiedlich behaupten.

Ein Film von Wolfgang Minder
Redaktion: Gudrun Wolter

Dieser Film wurde im Jahr 2021 produziert. Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem damaligen Stand und wurden seitdem nicht aktualisiert.

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