Real Life Guy – Der Youtuber, der Tod und die Hoffnung

Real Life Guy – Der Youtuber, der Tod und die Hoffnung

Philipp bearbeitet sein eigenes Foto

„The Real Life Guys“ machen bei ihren Videos alles selbst. Philipp bearbeitet ein Foto von sich, das später das Titelbild des Videos werden soll: Wie schwer ist es, sich selbst in Szene zu setzen, wenn es um die eigene schwere Krankheit geht?

Mit dem YouTube-Kanal „The Real Life Guys“ erreichte Philipp Mickenberger ein Millionenpublikum. Im Juni starb er mit 23 Jahren an einer Krebserkrankung. Der Film begleitet ihn und seine Freunde über mehrere Wochen nach der Diagnose. „Ich glaube, dass es in meinem Leben Zeiten gab, in denen ich viel zu viel Wert auf Anerkennung gesetzt habe und auf das, was unsere Abonnenten von uns erwarten.“ Philipp Mickenbecker ist 23 Jahre alt, als er mit seinem YouTube-Kanal „The Real Life Guys“ 1,25 Millionen Menschen erreicht. Auf dem Kanal baut er gemeinsam mit Zwillingsbruder Johannes die verrücktesten Konstruktionen: von der fliegenden Badewanne bis hin zur Wasserrutsche vom eigenen Hausdach. Die Videos laufen überall – sogar in China und Amerika. Den beiden Jungs aus einem kleinen 5.000-Seelendorf in Hessen scheint die ganze Welt zu Füßen zu liegen. Doch der Erfolg wird begleitet von schweren Schicksalsschlägen: Bei Philipp wird mit 16 Jahren zum ersten Mal Lymphdrüsenkrebs entdeckt. Er kann ein Jahr lang nicht in die Schule gehen, schafft es jedoch, den Krebs mit Hilfe einer Chemo-Therapie zu besiegen. Vorerst.

Youtuber Philipp

“Ich glaube, meine größte Angst momentan ist, dass ich Personen mit meinem Zustand belaste”, sagte Philipp.

Drei Jahre später der erneute Schock: Wieder Krebs, Philipp lehnt eine erneute Chemo ab und liegt schon bald im Sterben. Kurz darauf verunglückt seine 18-jährige Schwester bei einem Sportflugzeugunfall. Für die Familie bricht eine Welt zusammen.

Schwerer Schicksalsschlag durch Tod der Schwester

„Wir sind in unserer Gesellschaft gar nicht darauf vorbereitet, mit dem Tod umzugehen. Man hört es. Aber es ist immer weit weg. Und man denkt, ja, okay, das trifft die, aber es wird mich eh nicht treffen. Und wenn es dann eben doch kommt, dann sind wir komplett überfordert mit dem Tod“, so Johannes, Philipps Bruder. Doch die Familie erlebt einen Lichtblick: Philipp wird wieder gesund, die Ärzte bezeichnen es als medizinisches Wunder.

Philipp beim Arzt

“Ehrlich gesagt macht mir das überhaupt keine Angst, wenn mir jemand sagt, medizinisch gesehen, kannst du jederzeit tot umfallen”, beschreibt Philipp seine Gefühle nach der Untersuchung bei seinem Hausarzt. Auch wenn dieser ihm gerade die Nachricht überbrachte, dass er jeden Tag an einem Herztod sterben kann.

„Ich glaube, dass die Seele weiterlebt“ 

Im Sommer 2020 dann die dritte Krebsdiagnose: erneut Lymphdrüsenkrebs, im Endstadium. Es besteht keine Hoffnung auf Heilung, die Ärzte geben ihm maximal zwei Monate zum Leben. Doch Philipp möchte seine Zeit nicht damit verbringen, auf seinen Tod zu warten: Er macht weiter wie bisher, dreht Videos für den YouTube-Kanal, geht auf Reisen, trifft seine Freunde: „Es kommt gar nicht drauf an, was man zusammen macht, sondern eher, wie man es macht.“ Die größte Kraft zieht er aus einem starken persönlichen Glauben, den er während seiner schweren Krankheitsphase entwickelt: „Ich glaube, dass nach dem Tod die Seele weiterlebt.“

Die Filmemacherinnen Domenica Berger und Stefanie Gromes gehen der Frage nach, wie eine junge Generation mit dem Thema Sterben umgeht. Sie zeigen, wie Philipp und seine Freunde versuchen, mit der schwierigen Situation umzugehen, sich gegenseitig zu stützen und an dieser Erfahrung zu wachsen.

Philipp Mickenbecker ist am 9. Juni 2021 an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben.

Eine Übernahme des NDR (Redaktion: Florian Müller)

Autorinnen: Domenica Berger und Stefanie Gromes

Redaktion WDR: Christiane Mausbach

Stand: 16.09.2021, 22:45

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