Meine Tochter und ihre Peiniger - Das Horrorhaus von Höxter

Meine Tochter und ihre Peiniger - Das Horrorhaus von Höxter

Fast jeden Dienstag sitzt Sigrid K. im Saal 205 des Landgerichts Paderborn und blickt in die Gesichter der mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter. Seit über einem Jahr. Sie ist Nebenklägerin im Prozess gegen Wilfried und Angelika W., die im sogenannten „Horrorhaus von Höxter“ Sigrids Tochter Anika gequält und misshandelt hatten. Anika ist nicht das einzige Opfer. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord durch Unterlassen und gefährliche Körperverletzung in weiteren Fällen.

Die Aussagen der Angeklagten sind für die 76-jährige Sigrid K. oftmals kaum zu ertragen. Doch sie will wissen, was ihrer Tochter zugestoßen ist und Erklärungen finden, wie es dazu kommen konnte. Und sie will wissen, was das für Menschen sind, die ihrer Tochter Anika so etwas angetan haben. Das, so glaubt sie, ist sie ihrer Tochter schuldig.

In den Nachrichten hatte Sigrid Ende April 2016 durch Zufall das Haus im Saatweg in Höxter-Bosseborn gesehen und erfahren, dass dort Frauen brutal misshandelt worden sein sollten. „Mein Gott, “ dachte sie, „das ist doch das Haus, in dem Anika lebt.“ Sie rief die Polizei an und erfuhr das Unfassbare: Ihre Tochter lebte nicht mehr - zu Tode gequält, die Leiche zersägt und in einem Ofen verbrannt.

Anika war 33, als sie starb. Als sie Wilfried durch eine Zeitungsannonce kennenlernte, lebte sie mit ihrer Mutter in einem Haus im Uslar. Die beiden hatten ein inniges Verhältnis, bis Wilfried Anika drängte, zu ihm nach Höxter zu ziehen. Danach verlor Sigrid nach und nach den Kontakt zu ihrer Tochter. Sie erfuhr nicht einmal von der Hochzeit mit Wilfried und erhielt nur noch sporadisch SMS. Darin beteuerte Anika immer wieder, wie glücklich sie mit ihrem Mann sei. Wie Sigrid K. erst lange nach ihrem Tod erfuhr, kamen die SMS gar nicht von ihrer Tochter, sondern von der Angeklagten Angelika W.

Sigrid quält die eine Frage: Hätte sie den Tod ihrer Tochter verhindern können? War es richtig, das Recht der Tochter auf ihr eigenes Leben zu respektieren? Menschen hautnah hat die Mutter während des Prozesses begleitet.

Ein Film von Justine Rosenkranz
Redaktion: Britta Windhoff

Stand: 27.11.2017, 09:44

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