Der 20-jährige Yaar steht in TelAviv am Strand und guckt in die Ferne

Meine Oma, der SS-Mann und ich

Yaar ist Anfang 20 und hält sich für den unjüdischsten Juden der Welt. Seine Leidenschaft sind Raumschiffe und Computerspiele. Das Judentum beschreibt Yaar mit einem einzigen Wort: nervig. Er verbindet damit nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen – eine Rolle, mit der er sich nicht identifizieren will. Im Gegenteil: Er wirft seinem Vater vor, am Holocaust zu leiden, den er selbst nicht einmal erlebt hat. So wie er will Yaar auf keinen Fall werden.

Drei animierte Figuren aus dem Computer-Spiel, welches Yaar entwickelt hat

Die Shoah als Game?

Aus Rebellion beginnt Yaar, ein Computerspiel zu entwickeln: „SHOAH. ALS GOTT SCHLIEF“. Die Spieler sollen in verschiedene Rollen schlüpfen - die der Opfer, der Täter und scheinbar Unbeteiligter. In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 ist alles möglich: Juden können sich wehren, Nazis können menschlich handeln.

Yaars Vater ist schockiert - den Holocaust nachzuspielen, erscheint ihm geschmacklos - nach allem, was Yaars Großeltern durchgemacht haben. Der Vater-Sohn-Konflikt spitzt sich zu.

Yaar beginnt Gamedesign zu studieren und lernt seine Freunde Sarah und Marcel kennen. In ihnen findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für eine junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem Vorfahren von Marcel inspiriert. Yaar, Sarah und Marcel reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau und machen sich mit Feuereifer an die Entwicklung des Spiels. In einer alten Villa arbeiten sie an den Charakteren der jungen Jüdin und des SS-Offiziers.

Dann kommt Yaars Vater nach Krakau, und gemeinsam besuchen sie die Orte, die das Leben von Oma Rina für immer geprägt haben. Yaar erfährt, was sie als Elfjährige erlebte, und was mit ihrem kleinen Bruder passierte. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Nachfahren der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

„Meine Oma, der SS-Mann und ich“ zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden  bis in die dritte Generation fortsetzt und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines jungen Erwachsenen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

Ein Film von Jana Matthes und Andrea Schramm
Redaktion: Britta Windhoff

Alle Sendungen