Ihr habt uns im Stich gelassen! Kinder in der Corona-Krise

Ihr habt uns im Stich gelassen! Kinder in der Corona-Krise Menschen hautnah 04.11.2021 43:35 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Rebecca Kirkland, Jörg Laaks und Tanja Reinhard

Ihr habt uns im Stich gelassen! Kinder in der Corona-Krise

Drei junge Männer sitzen auf Park Bank und unterhalten sich.

Die Bochumer Abiturienten Müslüm, Saif und Fynn machen sich Sorgen um ihre Zukunft.

„Wir müssen raus aus dem Zimmer zuhause, da schlafe ich ja schon, lerne, mache Hausaufgaben, zocke und esse und trinke. Das war wie ein Knast im Lockdown“, sagt Leon. Für ihn und seine Freunde Saif, Fynn, Dzenis und Müslüm aus Bochum geht es in diesem Jahr um alles. Die 18-Jährigen stecken mitten im Abi, ihre Nerven liegen blank. Früher, da haben sie mit anderen Schülern gemeinsam in der öffentlichen Bibliothek gelernt – vor Corona. „Die meisten von uns machen Abi in Mathe und Englisch. Wir brauchen die gegenseitige Motivation und die der Lehrer. Die Schule gibt Struktur, wir haben einen Grund, morgens aufzustehen.“

Leons kleiner Bruder Lorenz sitzt gerade in der Klasse 3a der Bochumer Gertrudis-Grundschule bei seiner Lehrerin Vivian Ahrends – Deutschunterricht. Die zweite Woche nach den Sommerferien ist angebrochen und schon ist eine vierte Klasse komplett zuhause ist in Quarantäne. „Ich will nicht zuhause bleiben“, sagt Lorenz, „ich habe hier meine Freunde, ich will auch nicht wieder zuhause lernen.“ – „Die Erwachsenen haben sich nicht geändert, aber wir Kinder“, sagt der 11-jährige Michel zuhause in seinem Zimmer. Vor den Sommerferien hatte Michel sein erstes Jahr auf dem Gymnasium. Im Lockdown sind seine Noten schlagartig schlechter geworden. Mit dem Homeschooling kam er überhaupt nicht klar, kam kaum noch aus seinem Zimmer. Erst in den Sommerferien hatte er das erste Mal wieder das Gefühl, ein bisschen freier zu sein.  

Kleiner Junge mit Maske sitzt an Tisch und schreibt in einem Heft.

Der 8-jährige Mattheo Schlotterhose an seinem ersten Schultag nach den Ferien.

Seit gut einem Jahr herrscht Ausnahmezustand für alle Schüler, die Eltern, die Lehrkräfte – mit Homeschooling und Wechselunterricht, dafür oft ohne Sportverein und Freunde. Statt Rückkehr zur Normalität: Quarantäne-Chaos an den Schulen, verunsicherte Eltern, Kinder und Jugendliche. Kinder- und Jugendärzte wie Axel Gerschlauer aus Bonn schlagen Alarm, gerade hat er in seiner Praxis wieder eine Jugendliche in die Psychiatrie überwiesen. „Eine zweite Chaoswelle, das packen die nicht mehr.“ Die Kinder- und Jugendpsychotherapeuten werden mit Anfragen überhäuft, lange Wartelisten sind die Folge, dabei wird ihre Hilfe jetzt gebraucht.

Wie gehen die Kinder und Jugendlichen mit der Situation um? Was denken und fühlen sie?

Die Grundschüler Lorenz und Matti können zentimetergenau erklären, wo sie und ihre dritte Klasse sich in den Pausen auf dem Schulhof aufhalten dürfen und können das Hygienekonzept herunterbeten. Aber sie haben Stoff nachzuholen. Michel ist mit neuem Mut in die sechste Klasse gestartet – aber ein mulmiges Gefühl ist geblieben – muss er jetzt bald wieder zuhause bleiben? Und dann? Im Bochumer Westendpark hat die Clique um Leon einen festen Treffpunkt. Hier chillen sie, hören Musik und nehmen uns mit in ihren Alltag, der für ihre Generation so völlig anders ist als alle Generationen vorher. Es gibt wenig Stabilität in ihrem Leben, alle haben Angst davor, in eine weitere Ausnahmesituation zu rutschen – und das wird passieren.

Kleines Mädchen sitzt an Tisch. Neben ihr ein Musik Spieler.

Dem 10-jährigen Michel haben die Lockdowns zugesetzt. Es gab Tage, an denen er nur noch auf dem Sofa lag und die Decke anstarrte.

Was also macht Corona mit unseren Kindern und Jugendlichen?

Dieser Film taucht ein in ihr Leben.

Ein Film von Rebecca Kirkland, Jörg Laaks und Tanja Reinhard
Redaktion: Sophie Schulenburg

Stand: 23.09.2021, 12:52

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