Ich, ich, ich - Narzissmus und seine Opfer

Ich, ich, ich: Narzissmus und seine Opfer

Menschen hautnah 28.11.2019 43:02 Min. UT Verfügbar bis 28.11.2020 WDR Von Beate Greindl

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Ich, ich, ich - Narzissmus und seine Opfer

Sie sind meistens dominant, egomanisch, eitel, manipulativ und wenig empathiefähig: Narzissten. Donald Trump ist wohl der bekannteste unter ihnen und auch der neue britische Premier Boris Johnson wird in der Presse immer wieder als Narzisst bezeichnet. Narzissten begegnen uns im Alltag in Form von Politikern, Chefs, Kollegen, Partnern. Narzissmus kann auch krankhafte Züge annehmen: Der 35 jährige Leonard hat nach einem Test die Diagnose narzisstische Persönlichkeitsstörung erhalten und ist einer der ganz wenigen, die in die Öffentlichkeit gehen. Im Arbeitsleben hatte er jahrelang Schwierigkeiten, sich unterzuordnen. „Ich konnte keine Kritik annehmen, ich wusste immer alles besser“, sagt er. Immer wieder verlor er deshalb seinen Job. Auch seine Beziehungen zu Frauen sind problematisch. Erst als er Manuela trifft, glaubt er, dass nun alles anders werden könne. Er versucht, seine Wutausbrüche im Zaum zu halten, Probleme vernünftig zu diskutieren, aber er fällt manchmal in die alten Muster. Leonard glaubt, auch seine Mutter sei Narzisstin. Deshalb empfindet er sich selbst als Opfer, hat ein Buch über seine Krankheit geschrieben und leitet heute mehrere Selbsthilfegruppen.

Das Bild zeigt die Protagonistin Maria.

Protagonistin Maria: "Ich war vier Mal in einer Beziehung mit Narzissten."

Mehr Narzissmus in unserer Gesellschaft

Maria hat jahrelang unter narzisstischem Missbrauch gelitten, ohne das Muster dahinter zu erkennen, sagt sie. Vier verschiedene Beziehungen habe sie gehabt, in denen sie extrem gedemütigt worden sei. Als sie einem ihrer Partner akribisch nachweist, dass er sie regelmäßig betrogen hat, erklärt er sie für verrückt. Erst durch ihre Recherche im Internet lernt sie, dass dies eine typische Manipulationsmethode von Narzissten ist, die ihre Opfer schließlich an sich selber zweifeln lassen. Mit ihrem neuen Wissen befreit sich Maria schließlich. “Ich hab meine Grenzen nicht früh genug aufgezeigt“, sagt sie heute. Auch sie sieht viele Gründe dafür schon in ihrer Kindheit. Sie habe immer „Leistung bringen“ müssen und Gewalt erlebt. Inzwischen ist Maria vorsichtiger geworden. Ob sie nochmal eine enge Beziehung zu einem Mann eingehen und zu ihm ziehen würde, lässt sie offen, auch wenn es da jemanden gäbe. Der Psychotherapeut Eckhard Roediger sagt, er sehe insgesamt eine Zunahme narzisstischer Problematiken, weil immer mehr Selbstverwirklichung in unserer Gesellschaft die Bereitschaft zur Rücksichtnahme einschränke. Und: Menschen im Umfeld von pathologischen Narzissten bekämen viel zu wenig Unterstützung.

Menschen hautnah hat Leonard und Maria mehrere Monate begleitet und zeigt, was hinter der Diagnose „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“ steht und wie schwierig der Umgang mit Narzissten ist.

Ein Film von Beate Greindl
Redaktion: Jessica Briegmann

Stand: 18.10.2019, 15:16

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