Die Unperfekten - Saskia, Pia und Kevin

Die Unperfekten - Saskia, Pia und Kevin

Saskia, Pia und Kevin - normalerweise lernen sich junge Menschen zwischen 15 und 20 Jahren auf Partys, in Clubs oder auf Festivals kennen. Bei ihnen war es das Krankenhaus. Drei junge Menschen, deren Körper und Seelen schon früh  durch Krankheit und Unfall verletzt wurden. Die nicht mehr perfekt sind - in Zeiten, in denen auf Facebook und Instagram mit Millionen Selfies der perfekte Körper gefeiert wird. Aber Saskia, Pia und Kevin wollen sich nicht mehr verstecken.

Warum soll ich mein Leben einschränken, warum soll ich mich verstecken und zurückziehen, nur weil ich Narben habe, und nur, weil es manchen Menschen nicht passen könnte?“ Saskias Bauch ist voller Narben. Ihr Schicksal: eine chronische Darmerkrankung. Als sie 16 war, musste der Dickdarm entfernt werden. Doch der künstliche Darmausgang funktionierte nicht und es folgten zwölf weitere Operationen. Ihre Jugend verpasste sie im Krankenhaus: keine Partys, keine Festivalbesuche, kein Zelten am See. Stattdessen Infusionen und Wasser in der Lunge. Sie verlor ihren Ausbildungsplatz, ihren Freund und stand mit 20 Jahren vor dem Nichts. Lange Zeit hat sie ihre Narben versteckt, aber dann hat der Gedanke gesiegt, dass auch ein unperfekter Körper schön sein kann und Würde ausstrahlt. Dass die Narben (auch) eine Geschichte erzählen, von einem Kampf, den sie überstanden hat. Sie hat das Fotoprojekt „grenzenlos“ ins Leben gerufen, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Ihre Freunde Pia und Kevin machen bei den Shootings mit.

Saskia steht in Unterwäsche vor dem Spiegel.

Saskia wurde mit 16 Jahren der Dickdarm entfernt. Sie hat akzeptiert, dass die Narben zu ihrem Leben gehören.

Saskia (23) und Pia (20) haben sich lange Zeit ein Zimmer im Krankenhaus geteilt. Auch Pia hat keinen Dickdarm mehr. Dazu kommt noch eine sehr seltene Autoimmunerkrankung der Leber. Im Rucksack, den sie immer bei sich tragen muss, steckt die künstliche Ernährung, die sie zum Überleben braucht.

Ihr Traum, das durch die Krankheit verpasste Abitur nachzuholen, liegt in weiter Ferne. Sie  leidet unter dem Fatigue Syndrom, einem Zustand permanenter Erschöpfung. Die meiste Zeit ihres jungen Lebens verbringt sie im Bett - sie verschläft ihr Leben. Aber an Tagen, an denen es ihr gut geht, wagt sie alles.

Kevin in einer Werkstatt mit einem Motorrad.

Kevins linker Arm ist seit dem Motorradunfall gelähmt.

Kevin hat von den Eltern sein Faible für Motorräder geerbt. Er war gerade 19, als er frontal mit einem Auto zusammen stieß. Er selber kann sich an den Tag des Unfalls nicht mehr erinnern, er ist komplett ausradiert. Seitdem Unglück ist sein linker Arm gelähmt und sein Rücken voller Narben. Er war ursprünglich Linkshänder und musste nun mit rechts alles neu lernen. In seinem alten Beruf als Metzger kann er nicht mehr arbeiten.

Auf seinem gelähmten Arm hat er das Datum des Unfalls tätowiert. Auf  seinem Rücken einen Flügel und das Wort Freiheit, die das Motorradfahren nach wie vor für ihn bedeutet. Sein Traum: wieder Motorrad fahren.

Ein halbes Jahr lang begleiten wir Saskia, Pia und Kevin: Wie schwer fällt es ihnen, sich selbst und ihre Träume einfach auszuprobieren? Wie unbeschwert kann ihr Leben sein - in einer Welt, in der nur das Perfekte geliked wird?

Ein Film von Birgit Quastenberg
Redaktion: Anna Herbst und Britta Windhoff

Stand: 06.04.2018, 14:22

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