Aufräumen- was ist daran bitte cool?

Aufräumen: Was ist daran bitte cool?

Menschen hautnah 23.09.2021 29:40 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Ulf Eberle


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Aufräumen- was ist daran bitte cool?

Wenn ich aufräume, habe ich das Gefühl, mein Leben unter Kontrolle zu haben“, sagt Julian Schwirtz (31). Im Küchenschrank steht kaum Geschirr, auf einer Stange hängen wenige, akkurat gefaltete Kleidungsstücke. Julian Schwirtz lebt allein in einer Zweizimmerwohnung in Köln. Alles hat seinen Platz und jedes Zimmer hat ein Farbthema. Er liebt es minimalistisch und ordentlich und liegt damit voll im Trend: Auf Social Media Kanälen tummeln sich Aufräum-Coaches. Pubertierende filmen sich beim Putzen oder machen „Minimalismus Challenges“. Woher kommt dieser neue Drang zur Ordnung?
Wir erleben die Welt um uns herum gerade als sehr brüchig und uns selbst als ohnmächtig“, sagt Psychologin und Marktforscherin Birgit Langebartels. „Vielen hilft die Ordnung zu Hause gegen das Chaos da draußen.

Finnja Öhl zeigt ein Mäppchen in die Kamera.

Finnja Öhl versucht sich an einer Minimalismus Challenge: Jeden Tag trennt sie sich von mehr Dingen.

Zu denen gehört Nicole Jacobs (46) allerdings nicht. „Ich könnte zwar aufräumen, aber ich finde immer Besseres zu tun,“ sagt sie. Im Wohnzimmer ihrer fünfköpfigen Familie stapeln sich Bücher, Spiele, Bastelsachen. Der Kamin wurde seit 18 Jahren nicht benutzt, weil er zugestellt ist. Für die Mutter ist es wichtiger, dass sie mit den Kindern Hausaufgaben macht oder spielt, als dass sie Ordnung hält. „Und wem das nicht gefällt, der kommt eben nur einmal zu Besuch und dann nicht mehr. Ich muss niemanden beeindrucken mit einem aufgeräumten Haus.“ Ihr Mann hat sich ein paar Ordnungs-Inseln im Haus erobert, wo niemand etwas abstellen darf. Aber er stört sich nicht am heimischen Durcheinander. „Das war noch nie ein Streitthema zwischen uns, dazu ist es einfach zu unwichtig“, findet er. Professionelle Aufräumer:innen lehnt die Familie ab.

Mutter und Tochter schauen sich Unterlagen an.

Mutter und Tochter Jakobs tun sich schwer, auszumisten. Unordnung stört sie nicht.

Familie Vogel aus Köln sieht das ganz anders. Sie wohnen noch zu dritt auf 64 Quadratmetern, bald zu viert. Die Wohnung ist voller Dinge, die keinen Platz haben, das soll sich vor der Geburt des zweiten Kindes ändern. Weil sie sich keine größere Wohnung in Köln leisten können, haben sie eine Wohnungs-Optimiererin beauftragt, die für mehr Stauraum und Klarheit sorgen soll.

Herr und Frau Vogel sitzen mit ihrem Baby auf ihrem Bett und lachen.

Familie Vogel hat ihre kleine Wohnung optimieren lassen und jetzt mehr Platz und Ordnung.

Ein Film von Ulf Eberle
Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 10.09.2021, 15:53

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