Arm trotz Arbeit: Frauen in der Krise

Menschen hautnah 17.11.2022 44:58 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Susanne Jäger


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Arm trotz Arbeit - Frauen in der Krise

Stand: 20.09.2022, 14:06 Uhr

Prekäre Arbeit ist weiblich. Besonders in Deutschland. Etwa jede zweite berufstätige Frau verdiente im vergangenen Jahr höchstens 2100 Euro brutto im Monat. Oft reicht der Lohn nicht aus, um sich das kaufen zu können, was man braucht. Wie bei Susanne: Sie arbeitet als Reinigungsfachkraft in einem Bochumer Krankenhaus, ein harter Job. 2018 haben wir sie und drei weitere Frauen in ihrem schwierigen Alltag begleitet. Das war noch vor Corona, dem Krieg in der Ukraine und der steigenden Inflation. Jetzt wollen wir wissen, was aus den Frauen geworden ist, wie es ihnen ergangen ist, wie sie versuchen die Krisen zu bewältigen.

Nach unserer ersten Dokumentation sah es für Susanne zunächst so aus, als würde sich ihre Situation verbessern. Sie wurde in die Talkshow „Hart aber fair“ eingeladen und diskutierte dort mit Politiker:innen über ihre drohende Altersarmut. Anschließend tauschte sie für einen Tag mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ihren Job und veröffentlichte ein eigenes Buch zum Thema Rente. Dann kam Corona. Seitdem ist Susannes Arbeit als Reinigungskraft noch viel anstrengender geworden. Sie wird als einfache Springerin auf den Stationen eingesetzt. „Wir arbeiten mit dem Mundschutz unter schwersten Bedingungen. Während draußen Corona gar nicht mehr so präsent ist, steht man hier jeden Tag mit einem Bein in der Gefahr. In verkeimten Zimmern trage ich Isolationskleidung. Da wird die Arbeit zu einer körperlichen Höchstleistung.“ Obwohl ihr Beruf Susanne tagtäglich an ihre Grenzen bringt, überlegt sie noch einen weiteren Job anzunehmen, um die steigenden Preise stemmen zu können.

Susanne guckt in die Kamera

Susanne arbeitet als Reinigungskraft in einem Bochumer Krankenhaus. Da ihr Lohn bei den steigenden Preisen nicht reichen wird, überlegt sie noch einen weiteren Job anzunehmen.

Ulrike aus Neuss hatte neun verschiedene Jobs in drei Städten. Corona traf die freiberufliche Sängerin besonders hart. Sie durfte längere Zeit ihren Job nicht mehr ausüben. Damals rettete sie die NRW-Soforthilfe, mit der Bund und Länder wirtschaftliche Notlagen aufgrund der Corona-Maßnahmen verhindern wollten. Mittlerweile darf sie zwar wieder singen und unterrichten, verdient aber immer noch weniger als vor der Corona-Krise.

Viele Sachen laufen erst gar nicht mehr an, da man nie weiß, ob Konzerte wirklich stattfinden können und singen ist für viele immer noch bedenklich“, erzählt Ulrike. 

Nun droht ihr auch noch die Teilrückzahlung der Soforthilfe in Höhe von 7000 Euro.

Nur Janinas Situation hat sich in den letzten 4 Jahren verbessert. War sie damals noch arbeitslos, hat die Alleinerziehende mittlerweile zwei Jobs angenommen, mit denen sie ihre kleine Familie ernähren kann.  Da sie die meiste Zeit im Homeoffice arbeitet, lässt sich die Betreuung der Kinder gut mit ihrem Beruf vereinbaren. Sorgen macht ihr aber die Rente. Wenn sich in den nächsten Jahren ihr Einkommen nicht drastisch erhöht, droht ihr später die Altersarmut.

Menschen hautnah Autorin Susanne Jäger hat die drei Frauen über mehrere Jahre bei ihrem täglichen Existenzkampf begleitet.

Ein Film von Susanne Jäger
Redaktion: Jessica Briegmann

Frauen sind in Deutschland besonders stark von Armut betroffen. Schätzen Sie selbst, wie sich die Situation von Arbeitnehmerinnen in den letzten Jahren entwickelt hat:
https://data.wdr.de/arm-trotz-arbeit/

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