Jung, obdachlos, sucht Familie - Pinkys schwerer Weg von der Straße

Pinky ist wohnungslos

Jung, obdachlos, sucht Familie - Pinkys schwerer Weg von der Straße

„Mit zwölf Jahren am Essener Hauptbahnhof, da wo die ganzen Alkoholiker und die ganzen harten Junkies abgehangen haben und diese Möchtegern-Coolen, da war ich halt immer bei. Bis ich dann irgendwann auf Drogen gesagt habe zur Polizei: Nein, ich will nicht nach Hause.“

Wir treffen Pinky zum ersten Mal mit 19 in einer Notschlafstelle für obdachlose Jugendliche in Essen. Der Junge mit blondierten Haaren und großen Ohrringen wühlt im Kleider-Spendenschrank nach neuen Schuhen. Er will noch einen Anlauf starten, noch einmal einen Drogen-Entzug beginnen. „Eine eigene Wohnung haben, eine Familie gründen, Kinder bekommen. Das wäre schon mein absoluter Lebenstraum.“

Pinky in der Notschlafstelle

Pinky in der Notschlafstelle bei Leiterin Manuela Grötschel

37.000 junge Menschen leben in Deutschland ohne feste Unterkunft. Viele sind vollkommen aus dem Sozialsystem gefallen: keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld. Welche Chance haben die Straßenkinder, zurück ins System zu finden?

Zwei Jahre lang begleiten wir Pinky und treffen ihn mit 21 Jahren wieder. Er ist wie verwandelt: Er hat die Therapie hinter sich, bemüht sich um einen Job, hat eine Freundin – und er wohnt die meiste Zeit bei ihrer Familie, fast wie ein Adoptivkind. „Ich habe ja meine ganze Kindheit über nicht geweint. Ich habe meine ganze Jugend ein einziges Mal geweint. Als der Vater meiner Freundin zu mir gesagt hat: ‚Du bist für mich wie ein Sohn‘, da war Ende. Ich habe bestimmt zweieinhalb Stunden geweint. Das war das Schönste in meinem Leben“.

Ein Leben mit festen Regeln und vielleicht einer Ausbildung: Kann Pinky das nach fast zehn Jahren auf der Straße schaffen?

Autor: Patrick Stijfhals

Redaktion: Christiane Mausbach

Stand: 19.03.2020, 22:40

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