Eltern hinter Gittern

Eltern hinter Gittern

„Manchmal stehe ich nachts auf und wein‘ mich tot“, sagt Cristina leise. Seit über einem Jahr sitzt sie in der Untersuchungshaft der JVA Köln – und vermisst ihr Kind. Zusammen mit ihrem Mann wurde sie bei einem ihrer zahlreichen Einbrüche erwischt. Da war sie schon schwanger. Im Gefängnis schließlich entbindet sie ihre kleine Tochter, die heute bei der Großmutter aufwächst. Nur zwei Tage konnte Cristina ihr Baby behalten, dann musste sie es abgeben.

Christian, der wegen Raub, Waffenbesitz und Körperverletzung zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde, darf seine beiden Kinder alle zwei Monate sehen. Dann spielt er in einem vorbereiteten Besucherraum mit den Kleinen. Zwei Stunden sind erlaubt, so lange dürfen sie basteln und zeichnen. Wie versuchen Eltern im Gefängnis ihrer Aufgabe gerecht zu werden?

Cristina N. (24) in ihrer Zelle.

Cristina N. wurde für Bandenkriminalität zu vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Rund 100.000 Kinder in Deutschland haben laut Schätzungen ein Elternteil in Haft. Meist ist es der Vater. Die „draußen“ lebenden Mütter brechen den Kontakt zu den inhaftierten Partnern in aller Regel nach etwa zwei Jahren ab. Die Häftlinge hinter Gittern verlieren dann schnell jegliche Beziehung zu den Kindern, die oft meinen, Papa sei auf Montage, im Krankenhaus oder im Ausland.

Für den Film „Eltern hinter Gittern“ besuchten die Autorinnen Sylvia Nagel und Sonya Winterberg inhaftierte Mütter und Väter, die über ihre Verbrechen, ihre verpassten Chancen und über ihre Sehnsucht nach den Kindern erzählen. Im Gespräch mit Seelsorgern und Gefängnismitarbeitern wird deutlich, wie schwierig es ist, im Gefängnis die Bedürfnisse derer in den Mittelpunkt zu stellen, um die es eigentlich geht: die Kinder.

Autorinnen: Sylvia Nagel und Sonya Winterberg

Redaktion: Claudia Heiss und Andrea Ernst

Stand: 02.10.2018, 12:24

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