zwei Kinder hand in hand

Kurzzeitschwester

Stand: 14.02.2022, 10:39 Uhr

Stell dir vor, du hast eine Schwester und von einem auf den anderen Tag ist sie verschwunden. In deiner Familie wird seitdem nicht mehr über sie gesprochen. 17 Jahre lang. So erging es dem jungen Dokumentarfilmer Philipp Lippert mit seiner Pflegeschwester Vanessa. Sie wurde zum Tabuthema. Bis sich Philipp schließlich auf die Suche nach ihr begibt und Fragen stellt: Warum ist Vanessa damals verschwunden? Und was ist aus ihr geworden?

Die dreiteilige Doku-Serie „Kurzzeitschwester“ zeigt den Filmemacher bei seiner aufwühlenden Suche nach seiner verlorenen Schwester und gewährt dabei tiefe Einblicke in das bewegende Gefühlsleben einer Familie, die bis heute mit einer schicksalhaften Entscheidung zu kämpfen hat.

Familie arbeitet gemeinsam handwerklich an einem Balken , Mutter und Vater, sowie zwei Kleinkinder

Philipps Mutter Heike (Zweite von rechts) hat sich schon immer eine große Familie gewünscht. Nach einigen Fehlgeburten entscheidet sie sich, ein Pflegekind aufzunehmen. Mit Vanessa scheint das Familienglück perfekt.

Rückblende. 2002 ist Philipp fünf Jahre alt, seine Schwester Vanessa vier. Sie spielen zusammen, streiten zusammen, laufen Händchen haltend durch den Garten. Sie sind Geschwister und doch irgendwie nicht: Sie verbringen gemeinsame Urlaube in Frankreich, feiern Karneval mit den Eltern, basteln mit dem Großvater. Bis zu dem Moment, in dem Vanessa plötzlich aus Philipps Leben verschwindet. Sechs Jahre ist Philipp damals alt. Genaueres weiß der heute 24-Jährige nicht. Das Thema wurde zum Tabu in seiner Familie, denn Vanessa, die als Pflegekind zu den Lipperts kam, wurde nach zweieinhalb Jahren wieder abgegeben – entgegen aller guten Vorsätze der Familie, Vanessa bei sich aufwachsen zu lassen.

Zwei Kinder auf dem Schiff

Vanessa und Philipp verstehen sich blendend und entwickeln ein inniges Bruder-Schwester-Verhältnis.

In „Kurzzeitschwester” begibt sich Philipp Lippert 17 Jahre nach Vanessas Verschwinden auf die Spuren seiner Familiengeschichte. Er versucht, die Beweggründe zu verstehen, warum seine Eltern Vanessa damals zurückgegeben haben. In intensiven und emotionalen Gesprächen arbeitet Philipp die Familiengeschichte mithilfe seiner Eltern und Großeltern auf. Dabei begegnet er den Traumata seiner Eltern und erfährt zum ersten Mal von ihren (Selbst-)Vorwürfen und Ausflüchten – und ihrer Angst vor Kritik von außen.

„Kurzzeitschwester“ zeigt seltene und intime Einblicke in das soziale Konstrukt Familie: Es geht um generationsübergreifende Traumata, unterbewusste Wünsche, Schuldgefühle und Versagensängste. Und um Philipps großen Wunsch, seine eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten und Vanessa nach all den Jahren wiederzufinden. Wird es ihm gelingen?

Mutter und Sohn sitzen zusammen an Computer und recherchieren.

Philipps Mutter Heike unterstützt ihn bei seinem Vorhaben. Gemeinsam suchen sie im Netz nach Anhaltspunkten zu Vanessas Aufenthaltsort. Werden sie Erfolg haben?

Eine Mini-Serie von Philipp Lippert

Redaktion: Domenica Berger (NDR) / Sophie Schulenburg (WDR)

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