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Gartenzeit: Pflanzaktion für Bäume

Lokalzeit aus Köln vom 08.10.2019

Gartenzeit: Pflanzaktion für Bäume

Herbstzeit ist traditionell Pflanzzeit. Das gilt ganz besonders für Laubbäume. Denn die nutzen die kalte, feuchte Jahreszeit, um erstmal gründlich Wurzeln zu schlagen. Heute zeigt unser Lokalzeitgärtner einer Eigentümergemeinschaft in Hagen, wie man Bäume richtig in die Erde bringt.

Hitzetolerante und schattenspendende Bäume

Was früher jeder Hobbygärtner wusste: Herbstzeit ist traditionell Pflanzzeit. Das gilt ganz besonders für Laubbäume. Denn die nutzen die kalte, feuchte Jahreszeit, um erstmal gründlich Wurzeln zu schlagen. Heute zeigt unser Lokalzeitgärtner einer Eigentümergemeinschaft in Hagen, wie man Bäume richtig in die Erde bringt. Genau die fehlen nämlich auf dem zum Haus gehörenden Spielplatz. Ohne schattenspendende Laubbäume aber war es da in den letzten beiden Sommern einfach viel zu heiß. Nur, welche Bäume sind heutzutage noch die richtigen. Im letzten Jahr haben viele im Sommer bekanntlich arg unter Hitze und Trockenheit gelitten. Unsere Zuschauer hatten da viel Beratungsbedarf.

Die neuen grünen Schattenspender:

Klimawandel, Hitze im Sommer, zunehmende Trockenheit und auch das Bienensterben und Rückgang der Artenvielfalt spielen bei der Auswahl aller Gartenpflanzen inzwischen eine große Rolle. Das gilt auch und besonders für die Auswahl neuer Laubbäume im Garten. Denn die sollen schließlich jahrzehntlang dort wachsen, gedeihen und Schatten spenden.

Das wichtigste neue Kriterium bei der Auswahl: Die Bäume müssen allen Prognosen zufolge in Zukunft vor allem gut mit extremen Temperaturen und Trockenheit im Sommer zurecht kommen. Von hitzetolerant sprechen die Profis. Die Bäume müssen aber dennoch natürlich absolut winterfest, heißt frosthart sein. Ökologisch sind sie immer dann wertvoll, wenn sie Insekten mit ihren Blüten Nektar und Pollen spenden, sowie Vögeln im Spätsommer und Herbst noch Futter bieten und überhaupt Rückzugsmöglichkeiten im dichten Geäst für Tiere bieten.

Das gilt vor allem für viele heimische Gehölze. Eine zunehmend größere Rolle spielen aber auch fremdländische Bäume, die an Hitze und Trockenheit aus ihren natürlichen Herkunftsgebieten schon gewöhnt sind; aus Nord-Amerika, einigen Wüstenregionen in Asien oder dem Mittelmeerraum zum Beispiel. Gerade in bergigen Regionen dort ist es im Sommer oft heiß, im Winter aber kalt. Diese Bäume zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie über ein tiefgehendes Wurzelsystem verfügen, mit dem sie auch in tiefen Bodenschichten noch Wasser finden. Außerdem haben sie einige Strategien entwickelt, wie sie trotz dichter Belaubung nur wenig Wasser verdunsten; durch Wachsschichten – die Cuticula - auf den Blättern etwa.

Einige Beispiele hitzetoleranter Laubbäume:

  • Japanische Zelkove (Ulmaceae), asiatische Herkunft, weit ausladende, schattenspendende Krone, wird bis zu 20 Meter hoch, stadtklima- und windfest, schöne Herbstfärbung, frostfest 
  • Zerr-Eiche (Quercus/Fagaceae), Herkunft Steppenregionen Kaukasus,  weit ausladende, schattenspendende Krone, wird bis zu 25 Meter hoch, rötliche Herbstfärbung, stadklima- und windfest, frostfest
  • Chinesische Wildbirne (Pyrus calleryana Chanticleer), asiatische Herkunft, wird ca. 12 Meter hoch, ausladende Krone, frostfest
  • Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia), Herkunft Mittelmeerraum/Kaukasus, verwandt mit heimischer Kulturbirne, beliebter Zierbaum für kleine Gärten, kommt – einmal angewachsen – auch mit langen Trockenperioden problemlos zurecht, erinnert mit kleinen Blättern und Wuchs an Olive, mediterraner Charakter, absolut winterhart, breit ausladende, überhängende Krone, wird fünf bis sechs Meter hoch, insektenfreundliche, unscheinbare, weiße Blüten im April/Mai, kleine Früchte ab Spätsommer zum Verzehr geeignet; auch als Vogelfutter, sehr pflegeleicht und frostfest, kein Schnitt nötig
  • -       Kornelkirsche (Cornus mas), robuster heimischer Baum/Strauch, wird vier bis sieben Meter hoch. Auch als Hecke geeignet. Verträgt auch Trockenheit gut. Große breitrunde Krone mit überhängenden Zweigen. Frühe Blüte  schon im Februar/März. Gelbe, insektenfreundliche Blüten, im Herbst glänzend rote, essbare Früchte. Wichtig für heimische Vogelwelt.
  • Zierapfel (Malus),  besonderes Merkmal: je nach Sorte tiefrote, goldgelbe oder orangerote Früchte ab Spätsommer, hängen dekorativ am Baum bis in den Winter hinein, zur Gattung der Zieräpfel (Malus) gehören zahlreiche Arten und Sorten, deren Wildarten ursprünglich aus Europa, Asien und Amerika stammen. Baum wird je nach Züchtung zwischen einem und zwölf Meter hoch, sonniger Standort, hitzetolerant, lockt mit Blüten Bienen und Hummeln. 
  • Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier), schöner, kleinkroniger Baum. Besonderes Merkmal: intensive Herbstfärbung. Insektenfreundliche Blüte im Frühjahr, Früchte locken im Herbst Vögel in den Garten. Frostharter Baum, sehr robust gegenüber Krankheiten, stadtklimafest und sehr hitzeverträglich. Geringe Ansprüche an den Boden, sonniger Standort.
  • Weißdorn (Crataeguslaevigata) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae), rotblühende Sorte ‘Paul’s Scarlet’, als kleinkroniger Garten- und Straßenbaum beliebt. Sonniger Standort, sehr hitze- und trockenheitsrestistent, sehr pflegeleicht. Neben den heimischen Arten und ihren Gartenformen sind fünf weitere Arten und Hybriden in Mitteleuropa als Gartenpflanzen verbreitet. Werden fünf bis sieben Meter hoch, ausladende Krone, dichte Verzweigung, intensive Herbstfärbung, viele weiße bis rosafarbenen Blüten im Mai und Juni, wertvolles Gehölz für heimische Tierwelt: Nektarreiche Blüten, dornige Krone bietet vielen Vogelarten einen sicheren Brutplatz, Früchte sind wichtige Winternahrung.

Einen Baum fachgerecht pflanzen:

  • mit dem Ausheben des großzügigen Pflanzlochs geht es los.  Etwa doppelt so breit und nur wenig tiefer als der Wurzelballen hoch ist, muss es sein.
  • den  Boden unten noch zusätzlich auflockern
  • der Aushub wird zunächst mit guter Blumenerde und Kompost oder Dünger vermischt
  • damit der Wind den jungen Baum im Herbststurm nicht umwehen kann, braucht er in der Anwachsphase stabile Stützen in Form eines sogenannten Dreibocks.  Schlagen Sie dafür drei Baumpfähle an den äußeren Rändern des Pflanzloch ein
  • dann wird der junge Baum gerade ins Pflanzloch dazwischen gestellt
  • die gemischte Aushub-Erde wieder einfüllen und gut antreten, Vorsicht dabei: den Stamm nicht beschädigen
  • die drei Holzpfähle nun mit Querlatten oben verschrauben, damit sie stabil um das jungen Bäumchen stehen
  • den Stamm dann mit Baumband oder Kokosstrick an allen drei Pfählen gut festbinden
  • ganz wichtig in der Anwachsphase: Regelmäßig wässern, selbst wenn es regnet 

Gießrand, Gießkragen oder neu: Bewässerungs-Säcke:

Frisch gepflanzte Bäume, selbst wenn sie später mit Trockenheit gut klar kommen, benötigen in der Anwachsphase in den ersten zwei bis drei Jahren regelmäßig viel Wasser, um möglichst schnell tiefgründige Wurzeln zu bilden. Viele Schäden an jungen Gehölzen sind auf Wassermangel zurück zu führen. Viele Trockenschäden bei ausgewachsenen Bäumen sind auf ein flaches Wurzelsystem zurück zu führen.

Um die jungen Bäume gut mit Wasser zu versorgen, gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Gießrand: Rund um den frisch gepflanzten Baum legen Sie mit dem Spaten einen kleinen Erdwall an, einen sogenannten Gießrand. So kann das Gießwasser, aber auch Regenwasser gezielt zu den Wurzeln dringen und läuft nicht an den Seiten einfach weg.
  2. Gießkragen: Rund um den jungen Stamm stellen Sie eine feste, knapp 30 cm hohe Kunststoffmatte auf, drücken diese leicht im Boden fest und schütten das Gießwasser einfach in dieses hohe Gefäß. Auch so läuft das Wasser langsam und gezielt zu den jungen Wurzeln.
  3. Bewässerungs-Säcke: Recht neu sind sogenannte Bewässerungs-Säcke, die mit Hilfe eines Reißverschlusses um die Bäume befestigt und dann mit Wasser aufgefüllt werden, sind da ein neues Hilfsmittel, das man inzwischen auch in vielen Städten in NRW bei frisch gepflanzten Bäumen sieht. Sie funktionieren wie ein hoher, mit Wasser aufgefüllter, undichter Reifen. Je nach Größe des grünen Kunststoff-Sackes passen 50 bis sogar 100 Liter Wasser hinein. An der Unterseite befinden sich winzige Löcher, die tröpfchenweise und sehr, sehr langsam Wasser direkt und ganz gezielt zu den Wurzeln führen. Also genau da hin, wo der junge Baum das Wasser auch benötigt. Je nach Wassermenge dauert es vier bis neun Stunden, bis der Bewässerungssack wieder leer ist. So ist sichergestellt, dass kein Gießwasser ins Erdreich einfach wegsickert. Und dem Gärtner erleichtert und verkürzt es das Gießen, denn aufgefüllt ist der Sack in wenigen Minuten. Ein Bewässerungs-System etwa für Urlaubszeiten ersetzt der Sack allerdings nicht.

Stand: 08.10.2019, 14:06