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Gartenzeit: Eine Zerr-Eiche als Gedenkbaum für Corona-Tote

Eine Zerr-Eiche als Gedenkbaum für Corona-Tote 04:17 Min. Verfügbar bis 13.04.2022

Lokalzeit Köln vom 13.04.2021

Gartenzeit: Eine Zerr-Eiche als Gedenkbaum für Corona-Tote

Einige Mitarbeiter des Altenzentrums Feierabendhäuser der Diakonie Ruhr in Witten möchten mit einer Baumpflanzaktion der Corona-Toten in ihrer Einrichtung gedenken und haben den Lokalzeitgärtner um Hilfe bei der Auswahl des richtigen Baumes und bei der Pflanzung selbst gebeten. Rüdiger Ramme schlägt eine sowohl frostfeste als auch hitzetolerante Zerr-Eiche (Quercus cerris) vor, die inzwischen als sogenannter Zukunftsbaum bezeichnet wird. Auch die Symbolkraft spielte bei der Auswahl eine Rolle. In vielen Religionen steht die Eiche als Sinnbild für ewiges Leben.

Pflanzaktion Klimawandel-Gehölz Zerr-Eiche

Sie gilt als sogenanntes Klimawandelgehölz und wird in vielen Städten und Kommunen auch als neuer Stadt- oder Zukunftsbaum gehandelt: die Zerr-Eiche. Auch Hobbygärtnern, die sich einen großen Schattenspender im Garten wünschen und dafür ausreichend Platz haben, liefert unser Lokalzeitgärtner jetzt ein paar gute Gründe, sich genau für dieses stattliche Gehölz aus dem mediterranen Raum zu entscheiden. Dass Rüdiger Ramme sie in unserer Gartenzeit im Garten des Altenzentrums Feierabendhäuser der Diakonie Ruhr in Witten pflanzt, hat einen besonderen Hintergrund. Noch im Januar sind hier 20 Senioren an Corona gestorben. Schon bald gab es den Wunsch, einen Ort der Erinnerung zu schaffen in Form eines robusten, langlebigen und großen Baumes.

Die neuen grünen Schattenspender:

Klimawandel, Hitze im Sommer, zunehmende Trockenheit und auch das Bienensterben und Rückgang der Artenvielfalt spielen bei der Auswahl aller Gartenpflanzen inzwischen eine große Rolle. Das gilt auch und besonders für die Auswahl neuer Laubbäume im Garten. Denn die sollen schließlich jahrzehntlang dort wachsen, gedeihen und Schatten spenden.

Das wichtigste neue Kriterium bei der Auswahl: Die Bäume müssen allen Prognosen zufolge in Zukunft vor allem gut mit extremen Temperaturen und Trockenheit im Sommer zurecht kommen. Von hitzetolerant sprechen die Profis. Die Bäume müssen aber dennoch natürlich absolut winterfest, heißt frosthart sein. Ökologisch sind sie immer dann wertvoll, wenn sie Insekten mit ihren Blüten Nektar und Pollen spenden, sowie Vögeln im Spätsommer und Herbst noch Futter bieten und überhaupt Rückzugsmöglichkeiten im dichten Geäst für Tiere bieten.

Das gilt vor allem für viele heimische Gehölze. Eine zunehmend größere Rolle spielen aber auch fremdländische Bäume, die an Hitze und Trockenheit aus ihren natürlichen Herkunftsgebieten schon gewöhnt sind; aus Nord-Amerika, einigen Wüstenregionen in Asien oder dem Mittelmeerraum zum Beispiel. Gerade in bergigen Regionen dort ist es im Sommer oft heiß, im Winter aber kalt. Diese Bäume zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie über ein tiefgehendes Wurzelsystem verfügen, mit dem sie auch in tiefen Bodenschichten noch Wasser finden. Außerdem haben sie einige Strategien entwickelt, wie sie trotz dichter Belaubung nur wenig Wasser verdunsten; durch Wachsschichten – die Cuticula - auf den Blättern etwa.

Klimawandelgehölz Zerr-Eiche

Die Zerr-Eiche (botanisch Quercus cerris) stammt aus Süd- und Südosteuropa. Sie ist inzwischen in die Liste der sogenannten Klimawandel-Gehölze aufgenommen. Und das hat viele Gründe:

  • sie ist absolut frost- bzw.winterfest,
  • aber auch sehr hitzebeständig und wärmeliebend
  • sie wächst auch in  kargen, steinigen Böden, gilt also als anpassungsfähig an den Boden.
  • sie kommt dank langer Pfahlwurzeln auch gut mit langen Trockenperioden zurecht, da sie in tiefen Bodenschichten an Wasser gelangt
  • sie wird sehr alt: bis zu 200 Jahre
  • sie gilt als stadtklimafest
  • einzig Platz benötigt man für sie: Die Zerreiche wird 25 bis 30 Meter hoch
  • und bildet eine breite Krone aus, die viel Schatten spendet.
  • pro Jahr hat sie einen Zuwachs von 35-40 cm in der Höhe und Breite der Krone.
  • Frühjahr und Herbst sind die besten Pflanzzeiten
  • der Austrieb neuer Blätter erfolgt erst spät Ende April/Anfang Mai
  • gut geeignet ist die Zerr-Eiche auch als  Erinnerungsbaum. Eichen gelten in vielen Religionen als Sinnbild für das ewige Leben, als ein Symbol für Kraft und Stärke 

Andere Beispiele hitzetoleranter Laubbäume:

Japanische Zelkove (Ulmaceae), asiatische Herkunft, weit ausladende, schattenspendende Krone, wird bis zu 20 Meter hoch, stadtklima- und windfest, schöne Herbstfärbung, frostfest 

Chinesische Wildbirne (Pyrus calleryana Chanticleer), asiatische Herkunft, wird ca. 12 Meter hoch, ausladende Krone, frostfest

Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia), Herkunft Mittelmeerraum/Kaukasus, verwandt mit heimischer Kulturbirne, beliebter Zierbaum für kleine Gärten, kommt – einmal angewachsen – auch mit langen Trockenperioden problemlos zurecht, erinnert mit kleinen Blättern und Wuchs an Olive, mediterraner Charakter, absolut winterhart, breit ausladende, überhängende Krone, wird fünf bis sechs Meter hoch, insektenfreundliche, unscheinbare, weiße Blüten im April/Mai, kleine Früchte ab Spätsommer zum Verzehr geeignet; auch als Vogelfutter, sehr pflegeleicht und frostfest, kein Schnitt nötig

Lederhülsenbaum (Gleditsia triacanthos) ein schnellwüchsiger, anspruchsloser, schöner, robuster und frostharter Baum. Trockenheitsresistenten und stadtklimafest. Gleditsia triacanthos ‘Sunburst‘ist eine dornenlose Unterart, die sogar in hartem Boden gut gedeiht.

Kornelkirsche (Cornus mas), robuster heimischer Baum/Strauch, wird vier bis sieben Meter hoch. Auch als Hecke geeignet. Verträgt auch Trockenheit gut. Große breitrunde Krone mit überhängenden Zweigen. Frühe Blüte schon im Februar/März. Gelbe, insektenfreundliche Blüten, im Herbst glänzend rote, essbare Früchte. Wichtig für heimische Vogelwelt.

Zierapfel (Malus),  besonderes Merkmal: je nach Sorte tiefrote, goldgelbe oder orangerote Früchte ab Spätsommer, hängen dekorativ am Baum bis in den Winter hinein, zur Gattung der Zieräpfel (Malus) gehören zahlreiche Arten und Sorten, deren Wildarten ursprünglich aus Europa, Asien und Amerika stammen. Baum wird je nach Züchtung zwischen einem und zwölf Meter hoch, sonniger Standort, hitzetolerant, lockt mit Blüten Bienen und Hummeln.

Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier), schöner, kleinkroniger Baum. Besonderes Merkmal: intensive Herbstfärbung. Insektenfreundliche Blüte im Frühjahr, Früchte locken im Herbst Vögel in den Garten. Frostharter Baum, sehr robust gegenüber Krankheiten, stadtklimafest und sehr hitzeverträglich. Geringe Ansprüche an den Boden, sonniger Standort.

Weißdorn (Crataeguslaevigata) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae), rotblühende Sorte ‘Paul’s Scarlet’, als kleinkroniger Garten- und Straßenbaum beliebt. Sonniger Standort, sehr hitze- und trockenheitsrestistent, sehr pflegeleicht. Neben den heimischen Arten und ihren Gartenformen sind fünf weitere Arten und Hybriden in Mitteleuropa als Gartenpflanzen verbreitet. Werden fünf bis sieben Meter hoch, ausladende Krone, dichte Verzweigung, intensive Herbstfärbung, viele weiße bis rosafarbenen Blüten im Mai und Juni, wertvolles Gehölz für heimische Tierwelt: Nektarreiche Blüten, dornige Krone bietet vielen Vogelarten einen sicheren Brutplatz, Früchte sind wichtige Winternahrung.

Einen Baum fachgerecht pflanzen:

  • mit dem Ausheben des großzügigen Pflanzlochs geht es los.  Etwa doppelt so breit und nur wenig tiefer als der Wurzelballen hoch ist, muss es sein.
  • den  Boden unten noch zusätzlich auflockern
  • der Aushub wird zunächst mit guter Blumenerde und Kompost oder Dünger vermischt
  • damit der Wind den jungen Baum im Herbststurm nicht umwehen kann, braucht er in der Anwachsphase eine stabile Stütze.
  • entweder in Form eines sogenannten Dreibocks. Schlagen Sie dafür drei Baumpfähle an den äußeren Rändern des Pflanzloch ein
  • dann wird der junge Baum gerade ins Pflanzloch dazwischen gestellt
  • die gemischte Aushub-Erde wieder einfüllen und gut antreten, Vorsicht dabei: den Stamm nicht beschädigen
  • die drei Holzpfähle nun mit Querlatten oben verschrauben, damit sie stabil um das jungen Bäumchen stehen
  • den Stamm dann mit Baumband oder Kokosstrick an allen drei Pfählen gut festbinden
  • alternativ zum Dreibock kann der Baum auch mit einem unterirdischen Bodenverankerungssystem stabilisiert werden, das ähnlich funktioniert wie Heringe beim Zeltbau. Dafür werden – nachdem das Pflanzloch ausgehoben ist und der Wurzelballen des Baumes im Pflanzloch steht - spezielle Bodenanker längst mit einer Stahlstange tief an den Seiten des Wurzelballens in den Boden getrieben. Sie sind jeweils mit einem Stahlseil verbunden und stellen sich durch kräftiges Ziehen am Seil dann im Boden quer. Mehrere solcher Anker bzw. die oben herausschauenden Seile werden mit einem reißfesten Kunststoff-Band verbunden und auf dem Wurzelballen mit einer Ratsche festgezogen. Dann wird das Pflanzloch mit Erde und Kompost aufgefüllt.
  • ganz wichtig in der Anwachsphase: Regelmäßig wässern, selbst wenn es regnet 

Gießrand, Gießkragen oder neu: Bewässerungs-Säcke:

Frisch gepflanzte Bäume, selbst wenn sie später mit Trockenheit gut klar kommen, benötigen in der Anwachsphase in den ersten zwei bis drei Jahren regelmäßig viel Wasser, um möglichst schnell tiefgründige Wurzeln zu bilden. Viele Schäden an jungen Gehölzen sind auf Wassermangel zurück zu führen. Viele Trockenschäden bei ausgewachsenen Bäumen sind auf ein flaches Wurzelsystem zurück zu führen.

Um die jungen Bäume gut mit Wasser zu versorgen, gibt es drei Möglichkeiten:

1. Gießrand: Rund um den frisch gepflanzten Baum legen Sie mit dem Spaten einen kleinen Erdwall an, einen sogenannten Gießrand. So kann das Gießwasser, aber auch Regenwasser gezielt zu den Wurzeln dringen und läuft nicht an den Seiten einfach weg.

2. Gießkragen: Rund um den jungen Stamm stellen Sie eine feste, knapp 30 cm hohe Kunststoffmatte auf, drücken diese leicht im Boden fest und schütten das Gießwasser einfach in dieses hohe Gefäß. Auch so läuft das Wasser langsam und gezielt zu den jungen Wurzeln.

3. Bewässerungs-Säcke: Recht neu sind sogenannte Bewässerungs-Säcke, die mit Hilfe eines Reißverschlusses um die Bäume befestigt und dann mit Wasser aufgefüllt werden, sind da ein neues Hilfsmittel, das man inzwischen auch in vielen Städten in NRW bei frisch gepflanzten Bäumen sieht. Sie funktionieren wie ein hoher, mit Wasser aufgefüllter, undichter Reifen. Je nach Größe des grünen Kunststoff-Sackes passen 50 bis sogar 100 Liter Wasser hinein. An der Unterseite befinden sich winzige Löcher, die tröpfchenweise und sehr, sehr langsam Wasser direkt und ganz gezielt zu den Wurzeln führen. Also genau da hin, wo der junge Baum das Wasser auch benötigt. Je nach Wassermenge dauert es vier bis neun Stunden, bis der Bewässerungssack wieder leer ist. So ist sichergestellt, dass kein Gießwasser ins Erdreich einfach wegsickert. Und dem Gärtner erleichtert und verkürzt es das Gießen, denn aufgefüllt ist der Sack in wenigen Minuten. Ein Bewässerungs-System etwa für Urlaubszeiten ersetzt der Sack allerdings nicht.

Stand: 13.04.2021, 17:54