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Gartenzeit: Was tun gegen Läuse?

Lokalzeit aus Köln vom 25.06.2019

Gartenzeit: Was tun gegen Läuse?

Sie nerven in diesen Tagen ganz viele Hobbygärtner gewaltig. Und es ist jedes Jahr das Gleiche: Sobald es trocken und warm wird, tauchen sie auf. Erst vereinzelt.

Schnell dann aber vermehrt. Läuse können, wenn die Rosenknospen oder die Margeritten schwarz von ihnen sind oder auch das Gemüse im Beet oder das Obst am Baum befallen ist, echte Plagegeister sein. Trotzdem: Keine Panik, rät unser Lokalzeitgärtner. Wie man die lästigen Viecher gut in den Griff bekommt ohne gleich die chemische Keule rauszuholen, das verrät er heute Ihnen und unserer Zuschauerin Marlies Leonartz, die ihn im Lokalzeitgarten besucht hat.

Frühsommerzeit – Läusezeit

Die lästigen Parasiten bevorzugen vor allem die weichen Triebspitzen, denn hier können sie leicht ihren Rüssel einstechen, um den Pflanzen ihren Saft abzuzapfen. Auch Zucker ist in diesem Saft enthalten und den scheiden die Blattläuse nach kurzer Zeit wieder aus und überziehen dann auch noch alles mit einer klebrigen, unansehnlichen Oberfläche, dem sogenannten Honigtau. Aber: Durch den Blattlausbefall werden die Pflanzen zwar unansehnlich, meist aber werden sie nicht wirklich völlig geschwächt oder gehen gar ein. 

Die teilweise explosionsartige Vermehrung der Läuse in diesem Jahr hängt mit dem heißen und trockenen letzten Jahr zusammen.  Der Winter war auch recht mild. Das schafft ideale Voraussetzungen für das Überleben der Läuse. Durch die feuchte Witterung im Frühjahr sind die Pflanzen außerdem noch üppig gewachsen, so dass viel Nahrung für die hungrigen Parasiten im Angebot ist und ihre natürlichen Feinde - der Marienkäfer oder die Florfliege – mit dem Auffressen der Läuse erst mal gar nicht nachkommen.

Was tun, wenn ihre Pflanzen Läuse haben: 

  • erstmal die Ruhe bewahren und nicht sofort mit der chemischen Keule kommen. Wo Läuse sind, stellen sich in einem naturnahen, ökologisch ausgerichteten Garten automatisch auch Nützlinge ein. Marienkäfer, Marienkäfer-Larven, Florfliegen, Schlupfwespen, Schwebfliegen, Ohrwürmer, aber auch die Meisen verspeisen die Läuse gleich zu Hunderten. Meist erledigt sich nachs kurzer Zeit das Problem, man braucht halt ein wenig Geduld
  • Für einen nützlingsfreundlichen Garten gelten diese Regeln: Kompletter Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz, im Garten auch mal wilde, unaufgeräumte Ecken z.B. mit Totholz oder Brennnesseln zulassen, Rückzugsmöglichkeiten für Vögel, Igel und andere Gartentiere schaffen mit Nistkästen, Überwinterungsquartieren oder Futterhäuschen, Insektenhotels/Hummelhäuser aufstellen, mit heimischen, insektenfreundlichen Pflanzen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge in den Garten locken. So stellt sich in der Regel schnell ein biologisches Gleichgewicht ein.
  • nerven die Läuse aber doch zu sehr, ist oftmals ist eine kräftige Wasser-Dusche sehr wirksam. Alternativ kann man erste Läuse mit einem feuchten Tuch abwischen.  
  • viele Hobbygärtner haben bei geringem Lausbefall auch gute Erfahrungen mit dem Spritzen von selbstgemischten Brühen aus Kräuter-Tees, Brennessel-Sud oder sogar aus Spülmittel gemacht. Aber Achtung: nicht jede Pflanze und jeder Nützling vertragen jedes Hausmittel und das Selber-Anmischen von Pflanzenschutzmitteln ist in Deutschland außerdem verboten. Lediglich Pflanzenstärkungsmittel, also solche die vorbeugend gegen Schädlingsbefall wirken, dürfen selber hergestellt werden 
  • Ist der Lausbefall aber sehr stark und lässt sich z.B. auf einem Balkon so leicht auch kein ökologisches Gleichgewicht herstellen, helfen am besnten unbedenkliche Präparate auf Rapsöl- oder Kaliseifenlauge-Basis. Sie sind nützlingsschonend, haben keine Wartezeit (wichtig bei Gemüse und Obst, das man ernten möchte) und sind einfach in der Anwendung. Kleinen Nachteil haben sie: Beide Mittel sind nur Kontaktmittel. Das bedeutet, man muss die Läuse auch wirklich treffen, damit sie verschwinden.
  • Auch Mittel, die aus dem Neembaum gewonnen werden, sind ökologisch unbedenklich. Sie verhindern vor allem eine Vermehrung der Läuse  
  • verwenden Sie aber auf keinen Fall Pflanzenschutzmittel, die bienengefährlich sein könnten. Zu erkennen sind die alle geeigneten Mittel an einem großen Bienenschutz-Zeichen vorne auf der Verpackung.
  • verwenden Sie außerdem nur Mittel, die lediglich die Schädlinge beseitigen, Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliege aber schonen. Auch das ist auf der Verpackung gekennzeichnet.
  • einen Versuch ist es auf jeden Fall auch wert, Nützlinge, falls sie denn noch nicht so zahlreich im Garten vertreten sind, gezielt auszusetzen. Dafür kann man Marienkäfer-Larven, Florfliegen und Co. im Handel in kleinen Döschen oder Tüten bestellen (weitere Infos: www.nuetzlinge.de) Sehr gute Erfahrungen haben Hobbygärtner und Profis damit vor allem in Gewächshäusern gemacht. Aber auch für ein Ausbringen im Freiland gibt es verschiedene Möglichkeiten. Mitunter wird jedoch beobachtet, dass die Nützlinge nicht unbedingt immer dort bleiben, wo sie ausgesetzt werden.

2019 scheint bislang wirklich in lausiges Jahr zu sein, aber Sie können aufatmen: Ab Ende August ziehen sich die Läuse gewöhnlich zurück. Dann wachsen die Pflanzen nicht mehr so stark und das Nahrungsangebot mit frischen Trieben geht automatisch zurück.

Literaturtipps:

  • Biologischer Pflanzenschutz, Marie-Luise Kreuter, blv-Verlag
  •  Biologischer Pflanzenschutz, Dorothea und Peter Baumjohann, Ulmer-Verlag

 Infos: Mein schöner Garten

Blattläuse tauchen im Frühjahr oft wie aus dem Nichts auf und machen sich mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen über die jungen Blätter und Triebe vieler Pflanzen her. Lesen Sie hier, welche Hausmittel gegen den Blattlaus-Befall helfen.

Blattläuse machen vielen Gärtnern jedes Jahr aufs Neue das Leben schwer, denn sie gehören zu den häufigsten Pflanzenschädlingen. Innerhalb kürzester Zeit können die gelben, grünen, rötlichen oder schwarzen Insekten zu riesigen Kolonien heranwachsen und mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen die Blätter und jungen Triebspitzen vieler Pflanzen schädigen. Zudem übertragen Blattläuse beim Saugen häufig gefährliche Krankheitserreger – vor allem Viren. Daher sollten Sie einen Befall speziell bei Obstgehölzen nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Man braucht aber nicht gleich zur "chemischen Keule" zu greifen. Es gibt viele preiswerte und biologisch hergestellte Hausmittel, die sich zum Bekämpfen von Blattläusen bewährt haben. Wenn einzelne Pflanzen befallen sind, reicht es oftmals schon die Schädlinge mit einem scharfen Wasserstrahl abzuspritzen oder mit den Fingern abzustreifen. Da flugunfähige Blattläuse nicht sehr mobil sind, ist die Chance für einen erneuten Befall sehr gering.

Bei einem stärkeren Befall eignen sich besonders selbst hergestellte Brühen, Jauchen und Tees aus verschiedenen Wildpflanzen, die besonders reich an bestimmten Mineralien sind. Regelmäßig angewendet, wirken sie nicht nur gegen diverse Krankheiten und Schädlinge, sondern versorgen die Pflanzen oftmals auch zusätzlich mit wichtigen Mineralstoffen..

Tipp Nummer eins also: Der scharfe Wasserstrahl. Macht bei geringem Befall wie auch hier bei der Margeritte im Lokalzeitgarten tatsächlich Sinn. Findet auch Rüdiger Ramme.

Bleiben immer ein paar dran, aber sind doch deutlich dezimiert.

Kommen die lästigen Läuse aber doch mal – gerade bei Hitze und Trockenheit - vermehrt zurück. Dann ist oft guter Rat teuer.

Weitere Maßnahmen im ökologischen Bereich.

Man hört und liest immer von irgendwelchen Hausmitteln, die angesetzt werden, Seifenlaugen, Spiritus wird aufgelöst, es gibt Jauchen, die angeblich helfen sollen, ich bin da kein Freund von und das ist auch relativ gefährlich, weil man mit solchen Mitteln häufig auch Nützlinge bekämpft und das sollte man natürlich tunlichst unterlassen. 

Nützlinge wie die Marienkäfer-Larve zum Beispiel. Aber nicht nur sie, auch Florfliegen, Schlupfwespen, Ohrwürmer oder Schwebfliegen, die man im Handel bestellen kann, vertilgen liebend gerne Blattläuse. Gefrässig ist natürlich auch der Marienkäfer selbst. Immerhin bis zu 500 Blattläuse verputzt er in seinem einjährigen Leben.

Macht es Sinn, die Nützlinge im Garten auszusetzen? Funktioniert am bestem im Gewächshaus, ist draußen einen Versuch wert, aber am besten kommen sie auf natürlichem Weg in den Garten.

Und dafür gelten diese Regeln.

Das heißt, man muss den Garten für Nützlinge optimal gestalten, mal eine wilde Ecke lassen, nicht alles aufräumen, Rückzugsmöglichkeiten für Vögel, Nistkästen, Meisen sind effektive Vertilger von Blattläusen, 600 am Tag. So stellt sich ein biologisches Gleichgewicht ein.

Trotzdem: Sollten die Nützlinge mit dem Ansturm doch mal überfordert sein. Ganz ohne wirksame Mittel ist auch der Biogärtner nicht.

Meine Empfehlung ist Präparate auf Rapsölbasis oder Kaliseifenbasis. Die sind nützlingsschonend, haben keine Wartezeit, sind unproblematisch in der Anwendung. Kleinen Nachteil haben sie allerdings. Beide Mittel sind nur Kontaktmittel. Das bedeutet, man muss die Laus auch wirklich treffen, damit sie kaputt geht. 

Bei geringem Befall hilft also der Wasserstrahl oder das Abwischen mit einem feuchten Tuch. Ein nützlingsfreundlicher Garten mit wilden Ecken, Vogelhäuschen und Insektenhotel ist der beste Schutz vor einer Lausplage. Sonst helfen ökologisch unbedenkliche, fertige Präparate; am besten mit Rapsöl oder Kaliseifenlauge.  

Das mit den Nützlingen finde ich sinnvoll, die werde ich gerne einbringen, weil ich das ökologisch gut finde.

Da trifft es sich gut, dass Marlies noch kein Insektenhotel in ihrem Garten hat. Wir hätten da noch eins für sie.

Stand: 25.06.2019, 18:45