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Urban Gardening

Lokalzeit aus Köln vom 07.06.2019

Urban Gardening

Vor allem wer in der Stadt wohnt, kennt sie: Große Innenhöfe, die häufig nur als Parkplatz und Abstellplatz für Mülltonnen benutzt werden. Viel Beton, Blech und Plastik, wenig Grün. Dabei lässt sich schon mit einer bepflanzten Hauswand nicht nur viel fürs Auge sondern auch fürs Stadtklima tun.

Fassaden-Begrünung

Urban Gardening Lokalzeit aus Köln 07.05.2019 03:43 Min. Verfügbar bis 07.05.2020 WDR

Das dachten sich auch einige Kölner, die in einem tristen Hinterhof in der Rolandstraße in der Kölner Südstadt arbeiten. Aber welche Kletterpflanzen eignen sich überhaupt, welche Rankhilfen benötigen sie, wie groß müssen die Kübel sein? Mit all diesen Fragen wandten sie und ihr Vermieter sich an unseren Lokalzeitgärtner.

Kletterpflanzen:

Kletterpflanzen haben eine lange Geschichte. Es gab sie schon in der römischen Antike, gerne hielt man sich in einer zugewachsenen Laube auf. Die Pflanze schaffte hier sozusagen ein Dach über dem Kopf. Egal ob Clematis, Knöterich, Geißblatt, Blauregen oder Wilder Wein; sie alle sind recht pflegeleicht und für ihre ungestüme und vitale Wuchskraft bekannt. Ideal auch, um eine ganze Hauswand zu begrünen. Früher nannte man sie sogar  „Bekleidungspflanzen“. Und solch ein grünes Kleid kann Aussehen und Ausstrahlung eines Hauses völlig verändern.

Zudem haben solche Fassadenbegrünungen auch viele ökologische Vorteile. Sie verbessern das Stadtklima, da sie Sauerstoff und verdunstende Oberflächen schaffen. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft und schattieren Wände. Im Gebäude entsteht ein besseres Klima. Es heizt sich etwa im Sommer nicht so stark auf. Viele Kletterpflanzen locken zudem mit ihren Blüten auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an und schaffen auch Rückzugsorte für Insekten.

Fassadenbegrünung: Darauf sollten Sie achten:

Zunächst mal ist die Auswahl an Kletterpflanzen, die sich für eine Fassaden-Begrünung eignen, riesengroß: Achten Sie bei ihrer Entscheidung darauf, dass die Pflanze sich für den Standort der Wand – also sonnig, halbschattig oder schattig – und mit ihrer Wuchskraft für die Höhe der Fassade eignet.

Oft gilt es auch Vorgaben zu beachten. Geklärt werden muss etwa, ob die Pflanzen direkt an der Wand hochklettern dürfen oder eine Rankhilfe installiert werden muss. Efeu oder auch Wilder Wein etwa halten sich bekanntlich mit kleinen Haftwurzeln direkt an der Wand fest.

Kletterpflanzen im Kübel:

Kann nicht in den gewachsenen Boden gepflanzt werden, müssen Kübel aufgestellt werden. Ganz wichtig ist dabei einen ausreichende Größe. Es soll schließlich eine ganze Wand begrünt werden.

  • Mindestens 250 Liter Substrat sollten hinein passen
  • Die Kübel brauchen zwingend Abflusslöcher und eine Drainageschicht aus Blähton oder Steinen, damit sich kein Wasser stauen kann.
  • Verwenden Sie hochwertige Kübelpflanzenerde.
  • Wichtig auch, wenn Kletterpflanzen im Kübel wachsen: Regelmäßiges Gießen bei Trockenheit und Düngen nicht vergessen. Immerhin zwei bis vier Meter klettern die Pflanzen pro Jahr in die Höhe.

Kleine Auswahl an Kletterpflanzen:

  • Efeu (halbschattig bis schattig, wächst langsam, wird sehr groß, anspruchslos, immergrün)
  • Clematis (sonnig bis halbschattig, schöne Blüten, anspruchsvoll)
  • Geißblatt ( sonnig bis halbschattig, anspruchslos, blüht sehr früh, immergrün)
  • Pfeifenwinde (halbschattig bis schattig, anspruchslos, wird sehr groß)
  • Wilder Wein (sonnig bis halbschattig, anspruchslos, schöne Herbstfärbung) 
  • Kletterhortensie (halbschattig bis schattig, dichte Blüte im Frühjahr, anspruchsvoll)
  • Blauregen (sonnig bis halbschattig, schöne Blüten, anspruchslos)
  • Knöterich (sonnig bis halbschattig, wird sehr groß)
  • Trompetenblume (sonnig bis halbschattig, üppige Blüte im Sommer in orange und gelb).

Klettertechniken:

Bei den Kletterpflanzen unterscheidet man vier verschiedene Techniken des Kletterns

  • Schlinger umwinden die Kletterhilfe mit ihrem gesamten Sproß. Erst wenn ein Sproß festen Halt gefunden hat, kommen die neuen Blätter (z.B. Blauregen)
  • Ranker klettern entweder mit besonders langen Blattstielen oder speziellen, durch Umbildung von Blättern und Sprossen entstandenen Ranken (Clematis, Pfeifenwinde)
  • Spreizklimmer haben weder besondere Halteorgane noch die Fähigkeit des Windens, sondern klettern einfach mit ihren langen und biegsamen Trieben. (z.B. Brombeere)
  • Echte Kletterer haften mit ihren Haftscheiben oder Haftwurzeln direkt auf er Wand und brauchen keine Kletterhilfe. (z.B. Wilder Wein oder Efeu)

Der erste Schritt: Die Kletterhilfe muß montiert werden:

  • viele Kletterpflanzen wie Blauregen, Pfeifenwinde, Geißblatt, Clematis oder Knöterich brauchen Kletterhilfen. Auch da ist die Auswahl groß
  • soll eine ganze Hauswand begrünt werden, brauchen Sie in jedem Fall eine ganz stabile Konstruktion: das geht etwa mit langen Holzlatten oder mit Drahtseil-Konstruktionen. Fragen Sie hier in einem Gartencenter oder bei einem Gärtner nach.
  • Achten Sie darauf, dass die Rankhilfe Abstand zur Hauswand hat. So ist die Pflanze besser belüftet und kann besser wachsen.

 Der zweite Schritt: Das Einpflanzen

  • den Boden erst tiefgründig - mindestens zwei Spaten tief – auflockern
  • um eine Fassade zu begrünen, sollte - wenn möglich - direkt in die Erde gepflanzt werden (oder es müssen sehr große Kübel verwendet werden).
  • gute Blumenerde oder Kompost mit ins Pflanzloch einarbeiten
  • Pflanze schräg zur Hauswand einsetzen
  • schon vorhandene Triebe um die Rankhilfe führen
  • ausgiebig angießen

Förderung für Fassadenbegrünung:

Die meisten Städte und Kommunen in NRW unterstützen private Initiativen zur Fassadenbegrünung finanziell. „Grün hoch 3“ heißt zum Beispiel das Programm der Stadt Köln. Fassaden-, aber auch Dach- und Hinterhof-Begrünungen werden mit bis zu 50 Prozent der Kosten gefördert.

Infos:

stadt-koeln.de

Stand: 07.05.2019, 10:00