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Gartenzeit: Tolle Knollen - Süßkartoffeln, Yacun und andere Exoten

Tolle Knollen: Süßkartoffeln, Yacón und andere Exoten Lokalzeit aus Köln 30.04.2019 03:48 Min. Verfügbar bis 30.04.2020 WDR Von Susanne Küppers

Lokalzeit aus Köln vom 30.04.2019

Gartenzeit: Tolle Knollen - Süßkartoffeln, Yacun und andere Exoten

60 Kilo von ihnen hat jeder Deutsche im letzten Jahr verspeist. Trotz eher schlechter Ernte wurden 2018 knapp 8,8 Millionen Tonnen auf deutschen Äckern geerntet: Die Rede ist von der Kartoffel. Um diese und andere - weniger bekannte Knollen - dreht es sich heute in unserer Gartenzeit. Und darum, wie man sie richtig pflanzt.

Rüdiger Ramme zeigt es einer Gruppe von Dortmunder Studenten, die sich gleich hinterm Westfalenstadion im Gartenverein Bolmketal ein Stück Acker gepachtet, von Wildwuchs befreit und sich den klangvollen Namen „Jäte-Republik“ gegeben haben. Nun haben sie unseren Lokalzeitgärtner um Starthilfe gebeten.

Kartoffeln im Garten anbauen:

Die „braunen Äpfel“ stammen wie die Tomaten aus Südamerika. Die spanischen Eroberer brachten das „Brot der Armen“ vor 400 Jahren mit nach Europa. Den Durchbruch schaffte die Sättigungsbeilage Nr.1 dann durch die Zwangsverordnung Friedrich des Großen, der den Anbau von Kartoffeln befahl und dadurch in Notzeiten gegen eine Hungersnot gewappnet war. 

Die Auswahl an unterschiedlichen Sorten – alten und neuen - ist mittlerweile riesengroß: Mal sind sie fest kochend, mal mehlig, meist mit weißem aber auch mal mit lila Fleisch, mal mit heller und mal mit dunkler Schale, mal rund und mal länglich. Sie heißen Sieglinde, Nicola oder Grata, aber auch Rosa Tannenzapfen, British Queen, La Ratte oder Bamberger Hörnchen, schmecken mal herb und mal süßlich.

Für den Hobby-Gemüsegärtner bietet es sich auch an, alte, regionale Sorten wie das Bamberger Hörnchen auszuprobieren, die sich für die Massenproduktion nicht eignen und eben im Supermarkt nicht zu bekommen sind. So lässt sich auch mal ein anderer Kartoffelgeschmack testen und gleichzeitig gehen die alten Sorten nicht verloren.

Kartoffeln sind Nachtschattengewächse, botanisch heißen sie Solanum tuberosum. Ihre essbaren Früchte sind übrigens kein Wurzelgemüse. Es sind unterirdische Sprosse aus einem Laubtrieb, die sich unter der Erde wie in einem Nest vermehren. Kommen sie ans Licht, werden sie grün, sind ungenießbar und auch giftig. Daher muss man Kartoffeln im Beet anhäufeln. 

Im Garten werden vor allem Frühkartoffeln angebaut, sie bringen gute Erträge, schmecken besonders gut und schon ab Juli kann geerntet werden.

 

Kartoffeln pflanzen:

April und Mai sind traditionell die Monate, in denen Saatkartoffeln in die Erde kommen. Früher war das Kartoffelbeet für jeden Hobbygärtner eine Selbstverständlichkeit. Heute sind die Gemüsegärteen oft nur klein und Kartoffeln benötigen viel Platz, so dass auf den Anbau oft verzichtet wird. Es lohnt sich aber auch schon, nur ein oder zwei Reihen Kartoffeln zu pflanzen.  

  • Ab Ende Februar bereits können Saatkartoffeln in einer Kiste mit einem Rindenhumus-Sand-Gemisch vorgekeimt werden; also hell und warm – etwa 15 Grad - stellen. So können Sie die Ernte verfrühen. Ab Mitte April kommen die vor gekeimten Knollen dann, wenn es trocken und schon frühlingshaft warm ist, in die Erde.
  • Aus jeder einzelnen Kartoffel können bekanntlich neue Früchte wachsen. Dennoch: Verwenden Sie nur spezielle Saatkartoffeln, die bringen einen besseren Ertrag als die eigenen vom letzten Jahr und sind frei von Krankheiten. 

Da Saat-Kartoffeln sehr frostempfindlich sind und eine Bodentemperatur von mindestens sieben Grad benötigen, sollte man sie nicht zu früh in die Erde setzen. Wichtig ist, dass der Boden ganz trocken ist, sonst faulen die kleinen Knollen statt zu keimen.

Pflanzen Sie – um Krankheiten zu vermeiden - Kartoffeln nur dort, wo in den letzten Jahren keine gewachsen sind. Ansonsten gilt dieses Gemüse als recht anspruchslos und robust, was Bodenbeschaffenheit, Nährstoff- und Wasserversorgung angeht. Sonnig sollte der Acker allerdings auf jeden Fall liegen.

  • In etwa 50-60 Zentimeter Abstand werden mit der Platthacke etwa 15 cm tiefe Furchen gezogen (oder auch einzelne Löcher gehackt), alle 30 bis 50 cm werden dann die Saatkartoffeln eingelegt und mit Erde wieder zugeschaufelt.  
  • Sobald die ersten Blätter aus der Erde sprießen, muss angehäufelt werden,  denn die zarten, neuen Kartoffel-Knöllchen dürfen nicht ans Licht kommen, sonst werden sie grün.
  • Nach zwei bis drei Monaten – direkt nach der Blüte - können die reifen Früchte geerntet werden. Mit der Grabegabel werden sie dann aus der Erde gehoben und müssen trocken und dunkel gelagert.
  • Alte Sorten schmecken oft aromatischer und ungewöhnlicher als die gängigen Supermarkt-Sorten, sind häufig aber auch geringer im Ertrag und anfälliger für Krankheiten wie die Kraut- und Knollenfäule.

Süßkartoffel:

Die Süßkartoffel wird weltweit, besonders in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien, angebaut. Auch in unseren Breiten gewinnt sie nun immer mehr Fans. In warmen Sommern lässt sich die Süßkartoffel neuerdings auch hierzulande ziehen.

Die Süßkartoffel (Ipomoea batatas) stammt ursprünglich, genau wie Topinambur, aus Mittelamerika. Durch ihre schmackhafte und nährstoffreiche Knolle hat sie in weiten Teilen der Erde eine große wirtschaftliche Bedeutung. Der Name stiftet häufig Verwirrung, denn tatsächlich ist die Süßkartoffel nicht mit unseren heimischen Kartoffeln (Solanum tuberosum) verwandt.

Die Sorte Ipomoea batatas bildet im Boden leckere, süßlich schmeckende Knollen, die man ähnlich wie Kartoffeln zubereiten kann. Sie werden bis zu 30 Zentimeter lang und können in ihrer tropischen Heimat sogar mehrere Kilogramm auf die Waage bringen. Auch die Blätter der Batate sind essbar und können wie Spinat zubereitet werden.

Die Pflanzzeit für Süßkartoffeln beginnt mit dem Ende der Winterruhe im April und Mai. Als Jungpflanzen setzt man drei bis vier Pflanzen auf den Quadratmeter ins Beet. Achtung: Die Pflanzen vertragen überhaupt keinen Frost. Auch wer im milden Rheinland früh pflanzt, sollte zur Sicherheit bis Mitte Mai das Beet mit einem Vlies abdecken.

Eine andere Möglichkeit ist, die Knolle wie einen Avocadokern zur Hälfte in ein Glas mit Wasser zu hängen und auf ein helles Fensterbrett zu stellen. Sind die Triebe ausreichend groß (20 bis 30 Zentimeter), kann man entweder die ganze Knolle (sie sollte zur Hälfte aus der Erde schauen) oder nur die Sprossstecklinge auspflanzen. Dazu den Steckling von der Knolle abschneiden, die untersten Blätter entfernen und zu etwa zwei Drittel seiner Länge schräg in die Erde stecken.

Sogar auf Balkon oder Terrasse ist der Anbau möglich. Die Kübel sollten allerdings mindestens ein Fassungsvermögen von 30 Litern haben. Pflanzt man die Batate ins Beet so ist ein Reihenabstand von 50-60 Zentimeter einzuhalten. Dabei stellt die Süßkartoffel kaum Ansprüche und gedeiht praktisch an jedem sonnigen, geschützten Standort in normalem Gartenboden. Ernte der Knollen ist dann im Oktober. 

Andere, unbekanntere Knollen: 

Topinambur (Helianthus tuberosus): zählt botanisch zur Familie der Korbblütler und zur selben Gattung wie die Sonnenblume. Sie bildet essbare Wurzelknollen; benötigt viel Platz, wächst bis zu zwei Meter hoch, eignet sich auch als Sichtschutz, neigt dazu, sich stark auszubreiten. Rhizomsperre bei kleineren Gärten empfiehlt sich

Erdmandel (Cyperus esculentus): Zyperngras mit essbaren Wurzelknollen, auch als Tigernuss bekannt. Aufrechter Wuchs bis 50 cm Höhe, Pflanzen breiten sich schnell aus. Ausdauernd, winterhart und mehrjährig. Standort Sonnig, nährstoffreicher Boden, Knollen-Gemüse

Lila Süßkartoffel (Ipomea batatas): lila gefärbtes Fruchtfleisch, einjährig, Standort sonnig, nährstoffreicher Boden, Knollen als Gemüse

Yakon (smallanthus sonchifolius): Große Staude bis 2 Meter Höhe: ausdauernd, winterhart und mehrjährig, Standort sonnig, nährstoffreicher Boden, Knollen als Gemüse verwenden wie Kartoffeln, kann auch roh verzehrt werden, schmeckt leicht süßlich nach Birne

Yamswurzel (Discorea batatas): Schnell wachsende Schlingpflanze bis über zwei Meter hoch, bildet große stärkehaltige Knollen: ausdauernd, Winterschutz empfehlenswert, Standort sonnig, nährstoffreicher Boden, Knollen als Gemüse

Knollen-Ziest (Stachys sieboldii): schon seit Jahrhunderten angebautes Knollengemüse, buschige Staude bis 30 cm Höhe, ausdauernd, winterhart, mehrjährig. Standort sonnig, anspruchslos, Knollen als Gemüse 

Zuckerwurzel (Sium sisarum): kommt aus Zentralasien, gehört zu den Doldenblütlern, wird ein Meter hoch, ausdauernd, winterhart, mehrjährig, Standort sonnig, anspruchslos, verdickte Wurzeln als Gemüse    

Zimtkartoffel/Cubio (Tropaeolum tuberosum) : Knollige Kapuzinerkresse wächst als rankende Pflanze bis zu 2 Meter hoch: einjährige, vor Frost schützen, Standort sonnig, nährstoffreicher Boden, Wurzelknollen als Gemüse, Blüten und Blätter zum Salat

Projekt Jäte-Republik:

Wer Lust hat, die Entwicklung des privaten Dortmunder Garten-Projektes weiter zu verfolgen: Die Studenten dokumentieren sie in ihrem Blog auf Instagram:

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Stand: 30.04.2019, 10:53