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Lokalzeit aus Köln vom 12.04.2022

Lokalzeit aus Köln vom 12.04.2022

Gartenzeit: Sanierung Bienenweide

Wenn es in einer Blumenwiese nicht mehr summt und brummt, dann stimmt was nicht. Viele Gartenfans haben sich in den letzten Jahren von ökologisch wertlosem Zierrasen verabschiedet oder die Flächen verkleinert und sie in sogenannte Bienenweiden verwandelt. Nach ein paar Jahren sind die Blumenwiesen in der Regel erneuerungsbedürftig.

Bunte, blühende Blumenwiesen statt eintönige, grüne Rasenteppiche: Dieses Öko-Upgrade im Garten ist bei vielen auf Nachhaltigkeit bedachten Hobbygärtnern total beliebt. Sie sind preiswert anzulegen und ökologisch wertvoll, da sie viele nützliche Insekten anlocken. Nicht nur an Feldrändern auf dem Land, auch überall in den Städten kann man die Blühstreifen inzwischen bewundern.

Blühfaul gewordene Bienenwiede

Hobby-Imker Christian Moers aus Möhnesee-Völlinghausen hat vor vier Jahren eine 600 Quadratmeter großen Wiese quasi zum Restaurant für seine nur wenige Meter entfernt stehenden Bienenstöcke umgebaut. In sechs riesigen Kreisen hat er bienenfreundliche Blumenmischungen ausgesät und konnte seitdem seinen Honigbienen dort viel Pollen und Nektar bieten.

Gartenzeit: Sanierung Bienenweide

04:15 Min. Verfügbar bis 05.04.2023

Im letzten Sommer aber war der Tisch nicht mehr so reich gedeckt. Die Artenvielfalt in der Wiese war deutlich zurückgegangen. Der Gärtner spricht da von Verarmung. Nichts Ungewöhnliches, denn über die Jahre verdrängen je nach Beschaffenheit des Boden bestimmte Pflanzen – vor allem Gräser – häufig andere Sommerblumen. Das hat mit dem Nährstoffgehalt im Boden zu tun.

Grundsätzliches

  • klassischer grüner Zierrasen und eine Blumenwiese sind in ihren Ansprüchen an den Boden sehr unterschiedlich
  • Rasen ist gewöhnlich gut gedüngt, der Boden also nährstoffreich. Die in den Rasen-Mischungen enthaltenen Gräser sind daher sehr wuchsfreudig und ohnehin sehr robust
  • Klassische Wiesenblumen oder auch Wildstauden mögen dagegen eher einen nährstoffarmen, heißt mageren Boden. Finden sie den nicht vor, setzen sich meist nach kurzer Zeit die Gräser durch und verdrängen die Wiesenblumen.
  • Wer also dauerhaft die Wiese zum Blühen bringen möchte, muss bei Neuanlage erst einen passenden Boden für sie schaffen.
  • Das wird für eine Sanierung benötigt: Wild-Stauden, Blumen- Saatmischung, Vertikutierer, Umkehr-Fräse, Walze, Sand.

Drei Möglichkeiten für die Sanierung einer Bienenweide

1. Vertikutieren und Nachsäen:

Die Vorgehensweise ist wie bei der klassischen Rasenpflege im Frühjahr.

  • Mit einem Vertikutierer (Hand- oder Motor-Vertikutierer) wird die oberste Bodenschicht aufgerissen und dann wird einfach nachgesät.
  • Ein häufiger Fehler: Es wird oft zu dicht gesät. Deshalb ganz wichtig: Menge des Saatgutes wie auf der Packungsbeilage beschrieben vorher auswiegen und nicht einfach großzügig auf der Fläche verteilen. Nur so können sich auch alle Pflanzen in der Mischung richtig entwickeln. Oft sind es nur 5-7 Gramm auf den Quadratmeter!
  • Kosten bei ca. 30 Quadratmetern ca. fünf Euro.
  • Anschließend mit einer Walze über die Fläche rollen, damit das einzelne Saatkorn fest im Boden steckt - Bodenschluss hat - und gut keimen kann.
  • Regen und Sonne übernehmen dann den Rest.
  • Wichtig noch: Ist das Saatgut einmal gekeimt, darf es nicht wieder austrocknen.

2. Heimische Wildstauden in die Bienenweide integrieren

Eine andere Möglichkeit ist es, heimische Wildstauden (Liste siehe unten), die auch in natürlichen Wiesen vorkommen, direkt in die blühfaul gewordene Bienenweide zu pflanzen. Ein Upcycling für die schon im Boden steckende Blumenwiese.

  • Ideal sind zwei bis drei Pflanzen pro Quadratmeter.
  • Erst wird nur dort, wo die Wildstaude wachsen soll, der Rasen mit dem Spaten abgeschält, dann ein kleines Loch gegraben und eingepflanzt.
  • Wichtig ist, dass die gesamte, neu bepflanzte Fläche nicht mehr gedüngt wird.
  • Erst im Spätsommer oder Herbst, wenn sich die Samenstände der Pflanzen komplett ausgebildet haben, wird wieder gemäht.
  • Ganz wichtig: Das Mähgut mit samt der Samenkapseln unbedingt liegen lassen. Mit dem Spaten drauf klopfen, damit sie sich öffnen. So breiten sich die Wildstauden auch über ihre Samen im nächsten Jahr noch weiter aus.  

Liste von geeigneten, nicht züchterisch bearbeiteten Wildstauden

Steppen-Salbei, Wiesen-Schafgarbe, Blauer Eisenhut, Fingerhut, Wiesen-Margerite, Frauenmantel, Hundskamille, Graslilie, Echte Arnika, Wiesenknöterich, Ochsenauge, Glockenblume, Berg-Flockenblume, Natternkopf, Wiesen-Storchschnabel, Nelkenwurz, Habichtskraut, Johanniskraut, Witwenblume, Lichtnelke, Felberich, Schlüsselblume, Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Rainfarn, Wiesenaute, Ehrenpreis

3. Blumenwiese neu anlegen

Das ist die aufwendigste Variante.  

  • Zunächst wird der Boden wieder komplett vom Bewuchs befreit und spatentief umgegraben.
  • Mit einer sogenannten Umkehrfräse kann man sich gerade bei großen Flächen diese Arbeit erleichtern. Sie wendet den Oberboden nach unten und bereitet in einem Arbeitsgang direkt ein gutes Saatbeet. Leihgebühr pro Tag ab 80 Euro.
  • Anschließend sollte reichlich Sand auf die Fläche eingearbeitet werden, denn das magert den Boden ab. Klassische Wiesenblumen benötigen einen kargen, nährstoffarmen Boden.
  • Dann kann ausgesät werden.
  • Letzter Arbeitsschritt: Anwalzen, damit Saatgut Bodenschluß bekommt.  
  • Den Rest übernehmen Regen und Sonne.
  • Ist das Saatgut einmal gekeimt, darf es nicht wieder austrocknen.

Insgesamt benötigt eine Wildblumenwiese sehr wenig Pflege.

  • Nach vier bis fünf Wochen haben sich alle Pflanzen aus dem Boden geschoben und die Fläche ist bereits grün. Nach sechs Wochen beginnen die ersten Blumen – oft ist es das Steinkraut - zu blühen. Die letzten – Malven oder Schafgabe etwa - blühen nach etwa drei Monaten.
  • Um ein dauerhaftes Wachstum vieler Wildblumen – es sind sowohl ein- als auch zweijährige Pflanzen darunter - zu fördern, sollte im Herbst - nach der Blüte und wenn alle Pflanzen reife Samen ausgebildet haben - gemäht werden.
  • Das Schnittgut wird dann liegen gelassen, so dass Sie die einjährigen Sommerblumen erneut aussäen können. Sie keimen dann im nächsten Jahr wieder.