Banner der Lokalzeit-Serie "Gartenzeit"

Gartenzeit: Pflanzen selber vermehren

Gartenzeit: Pflanzen selber vermehren Lokalzeit aus Köln 09.10.2018 03:39 Min. Verfügbar bis 09.10.2019 WDR

Lokalzeit aus Köln vom 09.10.2018

Gartenzeit: Pflanzen selber vermehren

Die letzten Sommerblüten leuchten in der noch warmen Oktobersonne. Noch lange allerdings kein Grund, untätig in Melancholie zu versinken. Im Gegenteil: Mit Schere und Spaten seine Pflanzen zu Leibe rücken und so den Besitz vergrößern – das genau kann der Hobbygärtner jetzt tun. Unser Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme hat da ein paar Tipps.

Pflanzen vermehren

Im Herbst wird der Garten zum Selbstbedienungs-Pflanzenshop. Über Saatgut, Steckhölzer und verjüngte Stauden lassen sich ab Oktober – ganz für umsonst – Pflanzen vermehren. Vor allem bieten sich da drei einfache Methoden an: 

I. Stauden vermehren durch Teilung:

Mit Ausnahme der gerade blühenden, späten Herbststauden können jetzt alle Stauden und auch Gräser in den Blumenbeeten, die sich zu stark ausgebreitet haben, geteilt und neu gepflanzt werden. Dazu zählen auch überalterte Staudenhorste. Ein typisches Zeichen für Überalterung ist, dass die neuen Triebe hauptsächlich am Rand gebildet werden und die Staude innen verkahlt. Außerdem lassen Blühleistung und Wüchsigkeit nach. Eine Verjüngungskur tut also Not.

So gehen Sie vor:

  • Die oberirdischen Pflanzenteile kurz über dem Boden abschneiden.
  • Die Staude mit einer Grabegabel vorsichtig aufnehmen und die lose Erde von den Wurzeln schütteln.
  • Große und fest verwachsene Wurzelballen mit einem Spaten teilen; bei kleineren Pflanzen eignet sich besser ein Messer.
  • Flach- oder lockerwüchsige Wurzelballen (zum Beispiel von Staudensonnenblumen) einfach mit den Händen auseinanderziehen.
  • Dabei Wurzelunkräuter wie Giersch oder Quecke sorgfältig aus dem Ballen entfernen, damit sie nicht mit den neu gepflanzten Stauden im Garten vermehrt werden. Diese am besten über den Hausmüll entsorgen.
  • Die Wurzeln der Stauden mit Schere oder Messer einkürzen – dies regt in der Regel ein verstärktes, neues Wachstum an.
  • Eine Hälfte (oder bei großen Horsten ein Teilstück) der Staude zusammen mit etwas reifem, am besten gesiebtem Kompost, Hornspänen oder einem anderen organischen Dünger sofort wieder zurück ins Pflanzloch setzen.
  • Die restlichen Hälften/Teilstücke können sofort an einem neuen Standort gepflanzt oder auch verschenkt werden.
  • Vorübergehend können verbliebene Stauden-Teilstücke, für die sich noch kein Beet gefunden hat, auch in einen Topf oder Kübel gepflanzt werden. An einer geschützten Stelle bleiben sie den Winter über aber draußen!
  • Bei innen schon verkahlten, alten Staudenhorsten nur die äußeren Stücke wieder einpflanzen und die Inneren besser auf den Kompost geben.
  • In den nächsten Wochen bei sonnigem, trockenem Herbstwetter regelmäßig wässern, damit die frisch gepflanzten Stauden schnell und gut einwurzeln und somit problemlos durch den Winter kommen.

II. Gehölze über Steckhölzer vermehren:

Diese Vermehrungs-Methode ist kinderleicht, aber nur in der kalten Jahreszeit im Herbst und Winter möglich, wenn die Pflanzen in der Vegetationspause sind. Schneiden Sie ab Oktober einfach kräftige Äste (keine jungen Triebspitzen) bei den Sträuchern ab, von denen Sie gern mehr im Garten hätten. Zum Beispiel, weil sie demnächst eine neue Hecke anlegen wollen. Es funktioniert bei nahezu allen laubabwerfenden Gehölzen; also bei holzigen Pflanzen (nicht bei Stauden).

Etwa beim Sommerflieder, bei Rosen, Jasmin, Forsythie, Weigelie, Holunder, Schneeball, Deutzie, Zierkirsche, Zierapfel, Korkenzieher-Haselnuss.

  • Äste, wenn noch nötig, vom letzten Laub befreien.
  • Bleistiftdick und bleistiftlang (15-20 cm) zurecht schneiden.
  • Oben und unten sollten die Steckhölzer jeweils mit einem Auge/Knospe oder einem Augenpaar enden.
  • Tontöpfe oder Kisten mit einem Erde-Sand-Gemisch füllen oder auch eine ungenutzte, halbschattige Ecke eines Gartenbeetes als Anzuchtbeet zum Stecken nutzen.
  • Nun kommen die Hölzer - immer in Wuchsrichtung – dicht nebeneinander in die Erde. Zwei bis drei Zentimeter gucken sie oben raus.  
  • Die Steckhölzer bzw. Töpfe und Schalen mit Steckhölzer bleiben den Winter über draußen. Es handelt sich ja ausschließlich um frostfeste, meist heimische Pflanzen. Sie schlagen im Topf bis zum nächsten Jahr Wurzeln und können dann im kommenden Jahr im Herbst einzeln eingepflanzt werden. 
  • Wenn die Steckhölzer zu Blütensträuchern oder Bäumen heranwachsen sollen, ist es sinnvoll, die neuen Austriebe etwa Ende Mai zu pinzieren. Dabei werden die noch weichen Triebspitzen mit der Gartenschere auf drei bis vier Blätter gestutzt, um die Verzweigung anzuregen.
  • Achten Sie außerdem auf eine gute Wasserversorgung und düngen Sie die neuen Sträucher nach dem Pinzieren zum ersten Mal mit einem möglichst schnell wirksamen Gartendünger.
  • Im nächsten Herbst sind die Triebe je nach Pflanzenart oft schon über 50 Zentimeter lang. Jetzt können die Sträucher aus dem Vermehrungsbeet- oder Vermehrungskiste/-Topf an ihren endgültigen Standort verpflanzt werden.

Grundsätzlich gilt: Es kommt auf einen Versuch an! Selbst wenn die Vermehrung durch Steckholz mal nicht klappt, ist das nicht weiter schlimm – schließlich hat man weder viel Zeit noch Geld investiert.

III. Stauden über Saatgut vermehren:

Und der heimische Pflanzenshop hat im Oktober noch mehr zu bieten. Viele Stauden  liefern jetzt in ihren Fruchtständen Saatgut.

  • In Töpfen oder Schalen mit Anzuchterde kann das bei den meisten Stauden gleich wieder ausgesät werden.
  • Eine dünne Schicht Erde noch oben drüben sieben, angießen, fertig.
  • Saatgut, bis es gekeimt ist, möglichst feucht halten. 
  • Anders als bei vielen frostempfindlichen Pflanzen und Nutzpflanzen wie Gurken oder Tomaten, die erst im Frühjahr ausgesät werden und dann zum Keimen erst drinnen auf die Fensterbank kommen, können die ausgesäten Stauden gleich draußen bleiben.

Weiteres Saatgut ernten: 

Geerntet werden kann jetzt allerdings auch noch so manch anderes Saatgut; auch von frostempfindlichen Pflanzen. Einfach ist es vor allem - und daher auch für Einsteiger bei der Samenernte geeignet – bei den einjährigen, sich selbst befruchtenden Pflanzen.

Die besten Gemüsesorten sind:

Erbsen, Bohnen, Tomaten, Kürbis, Gurken, Paprika und Zucchini.

Die typischsten einjährigen Sommerblumen sind:

Sonnenblumen, Ringelblume, Tagetes, Rittersporn und Löwenmäulchen.  

So gehen Sie bei der Samenernte vor

  • Wichtig ist es, die Hülsen und Früchte so lange an der Pflanze draußen hängen zu lassen, bis sie ganz verwelkt und vertrocknet sind. Dann ist der Samen in der Regel gut ausgereift und kann leicht geerntet werden.
  • Geerntet wird dann in einer möglichst trockenen Periode. Drinnen sollte der Samen dann noch einige Tage auf einem Papier getrocknet werden.
  • Bei Bohnen und Erbsen werden die ausgereiften Hülsen im Freien an der Pflanze getrocknet. Im Winter kann dann der Samen drinnen von Hand enthülst werden. Achtung: Da Hülsenfrüchte leicht von Käfern befallen werden, ist es sinnvoll, den Samen nach der Ernte vier Wochen einzufrieren. Das geht aber nur weil dieser Samen frosthart ist. Die meisten anderen Samenkörner sind das nicht.
  • Samen von Kürbis, Gurken, Zucchini, Paprika und Tomaten stecken im feuchten Fruchtfleisch der reifen Früchte. Nach dem Auslösen sollte man den Samen ein bis zwei Tage im Wasser gären lassen, ihn dann abspülen und trocknen lassen. So wird die Keimfähigkeit ermöglicht.
  • Manche Pflanze - Stiefmütterchen oder Fleißige Lieschen etwa - öffnet schlagartig ihre Kapseln oder Schoten und verteilt so ihren Samen in der Natur. Will man den Samen aber gezielt aussäen, bindet man am besten ein Vlies oder eine Tüte kurz vor der Reife um den Fruchtstand.  
  • Nur sauberer Samen kann gelagert werden, deshalb alle Schalen, Fruchtstände und Kapseln sorgfältig entfernen.
  • Die gereinigten und getrockneten Samen werden am besten in Briefumschlägen oder Butterbrottüten gelagert und nicht - wegen der Schimmelgefahr - in Plastiktüten oder luftdicht verschlossenen Gläsern.
  • Die Tüten genau beschriften und bis zum Frühjahr kühl, trocken und dunkel lagern.     
  • Die meisten Samen sind etwa drei Jahre lang keimfähig, wenn sie kühl und trocken gelagert werden.
  • Nach der Aussaat muss man aber immer mit Überraschungen rechnen, denn die  Sämlinge sind oft nicht identisch mit ihren Eltern. Eventuell blühen sie in einer anderen  Farbe oder die Früchte haben eine andere Größe oder Form. 

Ungeeignet zur eigenen Saatgut-Gewinnung sind so genannte F1-Hybriden. Das sind moderne, besonders resistente Züchtungen. Es sind gezielte Kreuzungen, die bei den Zierpflanzen besonders üppig blühen oder bei den Kräuter- und Gemüsepflanzen einen besonders hohen Ertrag bringen. Auf den Saatgut-Tütchen im Handel steht dies gewöhnlich auf den Etiketten. Die Nachkömmlinge dieser Kreuzung aber sind meist viel schwächer in der Blüte und im Ertrag und daher lohnt hier die Samenernte nicht.

Stand: 09.10.2018, 13:12