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Gartenzeit Obstspalier für Kita

Lokalzeit aus Köln vom 20.08.2019

Gartenzeit Obstspalier für Kita

Äpfel, Birnen und Pflaumen essen wohl die meisten Kinder gern. Besonders gut schmecken sie, wenn die Kinder den Früchten beim Wachsen zu schauen können und am Ende selber ernten dürfen. Das dachten sich auch die Erzieherinnen der Kita „Die Eichhörnchen“ in Düsseldorf. Ihr Problem allerdings: Wie legt man einen solchen Naschgarten richtig an? Vor allem, wenn der Platz begrenzt ist. Da musste ein Profi her. Sie schrieben also an unseren Lokalzeitgärtner. Mit Spalierobst konnte Rüdiger Ramme jetzt Starthilfe leisten.

Spalierobst im Garten:

Als Spalierobst bezeichnet man Obstbäume, die an einem in der Regel bis zu zwei Meter hohen Gerüst – dem sogenannten Spalier – entweder an einer Hauswand, freistehend oder als Sichtschutz an einem Zaun wachsen. Bei den Gerüsten handelt es sich um eine gitterförmige Konstruktion, an denen die Triebe der Obstbäume angebunden werden. Ganz wichtig: Es muss sich um eine stabile Konstruktion handeln, da sie später einiges an Gewicht tragen muss. Der Standort sollte sonnig sein.

An einem Spalier werden die Obstbäume durch einen speziellen Schnitt „erzogen“, wie der Fachmann sagt. Das am häufigsten gepflanzte Spalierobst sind Äpfel und Birnen. In der Baumschule werden solche Obstbäume, die sich dafür eignen, als "Busch" oder "Spindelbaum" angeboten. Sie wachsen kompakt, schlank und bleiben klein. Deshalb können sie später auch auf Augenhöhe geerntet werden.

Fragen Sie am besten beim Kauf nach, welche Sorten sich für einen Spalieranbau eignen. Bei den allermeisten im Handel angebotenen Obstbäumen handelt es sich um Veredelungen. Dabei wird die gewünschte Obstsorte – z.B. beim Apfel ein Elstar - auf eine sogenannte Unterlage veredelt, die die Wurzel bildet. Durch die Wahl der Unterlage werden die Wuchseigenschaften des Obstbaumes – wie etwa die spätere Höhe - beeinflusst. Es ist also wichtig, dass die Unterlage zur Wuchskraft der Sorte passt; für kleinere Spaliere also nicht zu stark wächst. Die Bezeichnung der Unterlage findet sich zumeist auf dem Sortenetikett des Obstbaumes (z. B. M26, M9 oder MM106 beim Apfel, bei der Birne ist es häufig Quitte A oder C.)

Hobbygärtner, die im Obstbaumschnitt weniger versiert sind, sollten sich für bereits vorgeformtes, vorkultiviertes Spalierobst entscheiden, an denen die Hauptäste bereits in der passenden Höhe und im richtigen Winkel zum Stamm erzogen worden sind.

Spalierobst aus Töpfen und Containern kann das ganze Jahr über gepflanzt werden. Für wurzelnackte Bäume gilt der Herbst als ideale Pflanzzeit

Einige für ein Spalier geeignete Sorten:

Alte Apfelsorten

  • Alkmene: gutes Aroma, Herbstsorte
  • Auralia: ertragreich, guter Geschmack
  • Roter Berlepsch: Lagersorte, sehr aromatisch
  • Goldparmäne: altbewährte Sorte, guter Geschmack
  • Schöner von Nordhausen: regionale, robuste Apfelsorte, lagerfähig

Neue Apfelsorten

  • Gerlinde: kaum anfällig für Schorf, resistente Herbstsorte
  • Rebella: resistenter Herbstapfel, wenig anfällig für Schorf
  • Rubinola: lange am Baum haltbar, robust
  • Santana: rote Herbstsorte, guter Geschmack, sehr resistent
  • Topaz: robuste Lagersorte mit säuerlichem Geschmack

Birnen

  • Alexander Lucas: späte Reifung, gut lagerfähig
  • Clapps Liebling: Sommerbirne mit feinem Aroma
  • Gräfin von Paris: robuste Birnensorte, gut lagerfähig
  • Gute Luise: schmackhafte Herbstbirne mit guter Lagerfähigkeit
  • Köstliche von Charneau: robuste Herbstbirne, anpassungsfähig

Vorteile eines Obstspaliers:

  • Der Obstanbau funktioniert auch auf kleinem Raum, also auch in kleinen Gärten. Denn die Bäume am Spalier beanspruchen deutlich viel weniger Platz im Garten als freistehende Obstbäume.
  • Auch die Ernte fällt leichter, da die Früchte problemlos im Stehen gepflückt werden können.
  • Die Qualität der Früchte ist oft höher als bei Obstbäumen, da die Belichtung am Spalier besser ist.
  • Wird das Obst an einem Spalier an einer wärmenden Wand gepflanzt, lassen sich gut auch wärmeliebende Obstarten wie Aprikosen, Pfirsiche oder Feigen anbauen

Die Erziehungsformen:

  • waagerechte Palmette (ein Mitteltrieb mit waagerechten Äste in mehreren Ebenen)
  • U-Spalier (zwei Äste werden zunächst waagerecht, dann senkrecht nach oben geleitet)
  • zweiarmiger Schnurbaum (nur zwei waagerechte Äste, einfache Form der Palmette)
  • Fächerspalier (fächerförmige Ausbreitung der Äste)

Freistehendes Spalier bauen

Meist werden freistehende Spaliere aus Pfählen mit Querlattung oder Drähten errichtet. Der unterste Draht oder die Latte wird in der Höhe des ersten Seitentriebes vom Boden aus angebracht. Dieser sollte mindestens 50 cm über Bodenniveau liegen. Dann folgen die einzelnen Etagen im Abstand von 40 cm. Der oberste Ast sollte nicht über zwei Meter Höhe verlaufen. So können alle Pflege- und Erntearbeiten vom Boden aus durchgeführt werden. Verwenden Sie ausschließlich wetterbeständige Holzarten.

Schlagen Sie 250 cm lange, gespitzte und möglichst dicke Zaunpfähle aus kesseldruckimprägniertem Holz in einem Abstand von etwa 150 cm mindestens 50 cm tief in den Boden. Eine sogenannte Ramme ist dafür das geeignete Werkzeug. Die Länge des Spaliers richtet sich nach der Anzahl der Obstbüsche, die gepflanzt werden sollen. Rechnen Sie pro Gehölz zwei Pfähle.  Die Pfähle müssen unbedingt so tief eingeschlagen werden, dass sie genügend Stabilität bieten. Alternativ können sie auch mit Pfostenschuhen einbetoniert werden. Anschließend werden entweder Holzlatten auf die passende Länge geschnitten und parallel im Abstand von 40 cm an die Pfähle geschraubt oder Sie spannen Drähte.


Spalierobst pflanzen:

Egal, ob Sie sich für einen vorkultivierten Spalierobstbaum entschieden haben oder einen Busch oder Spindelbaum selbst erziehen möchten, die Pflanzung ist gleich.

  • Zeitpunkt: Spätsommer/ Herbst (frostfreier Tag)
  • Pflanzloch ausheben (doppelte Ballenbreite und -tiefe wie der Wurzelballen)
  • Ggfs. Sand oder Kies als Drainage einfüllen
  • Abstand zum Spalier: etwa 20 cm
  • Aushub mit Kompost verbessern
  • Wurzelballen wässern
  • bei Topfware die äußere Wurzelschicht mit den Händen aufreißen
  • Baum einsetzen
  • Pflanzloch auffüllen
  • antreten
  • gründlich wässern
  • eventuell Gießrand anlegen
  • Leittrieb am Spalier festbinden (mit Kokosstrick oder Gummiband)
  • untere Triebe waagerecht (oder andere Wuchsform) binden
  • Achtung: Viele Obstbäume, wie der Apfel, können sich selbst nicht befruchten und benötigen daher einen passenden zweiten Baum in der Nähe, am besten gleich am Spalier
  • Erkundigen Sie sich für die weiteren Schnittmaßnahmen in den kommenden Jahren bei einem Fachmann. 

Gartenzeit: Obstspalier für KiTa Lokalzeit aus Köln 20.08.2019 03:49 Min. Verfügbar bis 20.08.2020 WDR

Stand: 23.08.2019, 16:57