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Gartenzeit: Neuer Hausbaum

Hitzeresistente Bäume für den Garten Lokalzeit aus Köln 18.06.2019 03:42 Min. Verfügbar bis 18.06.2020 WDR Von Susanne Küppers

Gartenzeit: Neuer Hausbaum

Gartenzeit: Neuer Hausbaum

Im letzten Jahr haben viele Bäume im Sommer bekanntlich arg unter Hitze und Trockenheit gelitten. Manche haben sogar schon im August ihre Blätter abgeworfen. Wer also in Zeiten von Klimawandel und Bienensterben neu einen Baum in seinen Garten pflanzen möchte, sollte ihn mit Bedacht auswählen.

Genau deshalb hat sich auch Lokalzeitzuschauerin Anke Strickling aus Bocholt bei unserem Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme gemeldet. In ihrem schönen, neu angelegten Garten am Niederrhein fehlt es nämlich noch an Höhe.

Ein neuer Hausbaum: Hitzetolerant und ökologisch wertvoll

Klimawandel, Hitze im Sommer, zunehmende Trockenheit, Bienensterben und Rückgang der Artenvielfalt spielen bei der Auswahl aller Gartenpflanzen inzwischen eine große Rolle. Das gilt auch für die Auswahl der Bäume im Garten. Man spricht in diesem Zusammenhang gern von sogenannten Hausbäumen.

Da viele Gärten nur noch klein sind, gibt es mittlerweile viele speziell dafür gezüchtete und veredelte Bäume, die mit ihren Kronen nicht mehr so hoch und ausladend wachsen wie etwa Eichen, Ahorn oder Linden. Auch auf eine besondere Wuchsform wird heute oft großen Wert gelegt. Kugelförmig wachsende Kronen etwa beim Amberbaum sind sehr beliebt ebenso wie säulenförmig-schlanke bei der Scheinzypresse oder hängend wachsende Kronen wie bei der Hängeblutbuche.

Wichtig sind vielen Hobbygärtnern heutzutage aber noch weitere Kriterien als nur Wuchsform und Wuchshöhe. So sollen die Bäume gut mit Trockenheit im Sommer zu Recht kommen. Von hitzetolerant sprechen die Profis. Sie müssen aber dennoch natürlich absolut winterfest, heißt frosthart sein. Ökologisch besonders wertvoll sind sie, wenn sie Insekten mit ihren Blüten Nektar und Pollen spenden, Vögeln im Spätsommer und Herbst noch Futter bieten und überhaupt Rückzugsmöglichkeiten im dichten Geäst für Tiere bieten.

Vor allem viele heimische Gehölze oder ihnen nahe Züchtungen oder verwandte Sorten können all das bieten. Heimische Baumarten können von heimischen Tierarten besser genutzt werden als exotische. Aber es gilt auch: Je enger die Verwandtschaft einer exotischen Baumart mit einer heimischen, desto mehr Arten können sie nutzen.

Liste einiger ökologisch wertvoller, hitzetoleranter Bäume:

  • Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia), verwandt mit heimischer Kulturbirne, stammt aus dem Kaukasus, beliebter Zierbaum für kleine Gärten, kommt – einmal angewachsen – auch mit langen Trockenperioden problemlos zurecht, erinnert mit kleinen Blättern und Wuchs an Olive, mediterraner Charakter, absolut winterhart, breit ausladende, überhängende Krone, wird fünf bis sechs Meter hoch, insektenfreundliche, unscheinbare, weiße Blüten im April/Mai, kleine Früchte ab Spätsommer zum Verzehr geeignet; auch als Vogelfutter, sehr pflegeleicht und frostfest, kein Schnitt nötig.
  • Kornelkirsche (Cornus mas), robuster heimischer Baum/Strauch, wird vier bis sieben Meter hoch. Auch als Hecke geeignet. Verträgt auch Trockenheit gut. Große breitrunde Krone mit überhängenden Zweigen. Frühe Blüte schon im Februar/März. Gelbe, insektenfreundliche Blüten, im Herbst glänzend rote, essbare Früchte. Wichtig für heimische Vogelwelt.
  • Zierapfel (Malus), besonderes Merkmal: je nach Sorte tiefrote, goldgelbe oder orangerote Früchte ab Spätsommer, hängen dekorativ am Baum bis in den Winter hinein, zur Gattung der Zieräpfel (Malus) gehören zahlreiche Arten und Sorten, deren Wildarten ursprünglich aus Europa, Asien und Amerika stammen. Baum wird je nach Züchtung zwischen einem und zwölf Meter hoch, sonniger Standort, hitzetolerant, lockt mit Blüten Bienen und Hummeln. 
  • Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier), schöner, kleinkroniger Baum. Besonderes Merkmal: intensive Herbstfärbung. Insektenfreundliche Blüte im Frühjahr, Früchte locken im Herbst Vögel in den Garten. Frostharter Baum, sehr robust gegenüber Krankheiten, stadtklimafest und sehr hitzeverträglich. Geringe Ansprüche an den Boden, sonniger Standort.
  • Weißdorn (Crataeguslaevigata) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae), rotblühende Sorte ‘Paul’s Scarlet’, als kleinkroniger Garten- und Straßenbaum beliebt. Sonniger Standort, sehr hitze- und trockenheitsrestistent, sehr pflegeleicht. Neben den heimischen Arten und ihren Gartenformen sind fünf weitere Arten und Hybriden in Mitteleuropa als Gartenpflanzen verbreitet. Werden fünf bis sieben Meter hoch, ausladende Krone, dichte Verzweigung, intensive Herbstfärbung, viele weiße bis rosafarbenen Blüten im Mai und Juni, wertvolles Gehölz für heimische Tierwelt: Nektarreiche Blüten, dornige Krone bietet vielen Vogelarten einen sicheren Brutplatz, Früchte sind wichtige Winternahrung.

Weitere verbreitete Baumtypen für den kleinen Hausgarten:  

Säulenbäume:

Eibe, Eberesche, Goldulme, Hainbuche, Scheinzypresse, Wacholder, Weißdorn

Kugelbäume:

Kugel-Ahorn, Kugel-Akazie, Kugel-Amberbaum, Kugel-Esche, Kugel-Trompetenbaum

Schirmförmig wachsende Bäume:

Gold-Gleditschie, Kupfer-Felsenbirne, Tulpen-Magnolie, Zierapfel

Hängend wachsende Bäume:  

Lauben-Ulme, Trauer-Birke, Weidenblättrige Birne

Mit dem Ausheben eines extra großen Pflanzloches geht es los.  Etwa doppelt so groß und so breit, wie der Wurzelballen groß ist, muss es sein.

  • der Aushub wird zunächst mit guter Blumenerde oder Kompost aufgebessert
  • dann wird der junge Baum gerade ins Pflanzloch gestellt
  • Erde wieder auffüllen und gut festtreten
  • am besten legt man auch noch einen kleinen Erdwall rund um das Pflanzloch an, damit kein Wasser ungenutzt weglaufen kann
  • nun wird der frisch gepflanzte Baum ausgiebig gewässert
  • damit der Wind den jungen Baum nicht umwehen kann, braucht er in der Anwachsphase stabile Stützen. In Form eines sogenannten Dreibocks.  Schlagen Sie dafür drei Baumpfähle rund um den Baum ein und binden Sie Baum und Pfähle mit einem Kokosstrick gut fest
  • am Schluss kann der Boden im Wurzelbereich noch mit Stroh oder Mulch bedeckt werden, damit er nicht austrocknet
  • ganz wichtig in der Anwachsphase: Regelmäßig wässern, selbst wenn es regnet 

Neu: Bewässerungs-Säcke:

Frisch gepflanzte Bäume, selbst wenn sie später mit Trockenheit gut klar kommen, benötigen in der Anwachsphase regelmäßig und viel Wasser. Viele Schäden an jungen Gehölzen sind auf Wassermangel zurückzuführen. Sogenannte Bewässerungs-Säcke, die mit Hilfe eines Reißverschlusses um die Bäume befestigt und dann mit Wasser aufgefüllt werden, sind da ein neues Hilfsmittel, das man inzwischen auch in vielen Städten in NRW bei frisch gepflanzten Bäumen sieht.

Die Säcke, die von verschiedenen Herstellern im Netz angeboten werden, funktionieren wie ein hoher, mit Wasser aufgefüllter, undichter Reifen. Je nach Größe des grünen Kunststoff-Sackes passen 50 bis sogar 100 Liter Wasser hinein. An der Unterseite befinden sich winzige Löcher, die tröpfchenweise und sehr, sehr langsam Wasser direkt und ganz gezielt zu den Wurzeln führen. Also genau da hin, wo der junge Baum das Wasser auch benötigt. Je nach Wassermenge dauert es vier bis neun Stunden, bis der Bewässerungssack wieder leer ist. So ist sichergestellt, dass kein Gießwasser ins Erdreich einfach wegsickert. Und dem Gärtner erleichtert und verkürzt es das Gießen, denn aufgefüllt ist der Sack in wenigen Minuten. Ein Bewässerungs-System etwa für Urlaubszeiten ersetzt der Sack allerdings nicht.