Banner der Lokalzeit-Serie "Gartenzeit"

Gartenzeit: Mehr Pflanzen aufs Dach – Dachbegrünung mitten in der Stadt

Gartenzeit: Mehr Pflanzen auf dem Dach Lokalzeit aus Köln 19.05.2020 03:48 Min. Verfügbar bis 19.05.2021 WDR

Lokalzeit aus Köln vom 19.05.2020

Gartenzeit: Mehr Pflanzen aufs Dach – Dachbegrünung mitten in der Stadt

Flachdächer gibt es überall im Land und immer noch sind die meisten nur klassisch mit Dachpappe und Kies abgedeckt. Gerade in dicht besiedelten Städten aber wäre es nicht nur viel hübscher sondern auch fürs Klima und die Artenvielfalt besser, sie wären begrünt. Von vielen Städten und Kommunen werden solche ökologisch wertvollen Dachbegrünungen deshalb auch finanziell gefördert. Unser Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme hilft einer Hausgemeinschaft in der Kölner Südstadt das Flachdach im Hinterhof in ein grünes Biotop zu verwandeln.

Dachbegrünung

Sei es ein Anbau im Hinterhof, ein Carport, eine Garage, eine ungenutzte Dachterrasse oder ein Bungalow; Flachdächer gibt es überall im Land und oft sind sie gut einsehbar. Immer noch sind die meisten nur klassisch mit Dachpappe und Kies abgedeckt. Gerade in dicht besiedelten Städten aber wäre es nicht nur viel hübscher sondern auch fürs Klima und die Artenvielfalt besser, sie wären begrünt. Von vielen Städten und Kommunen werden solche ökologisch wertvollen Dachbegrünungen deshalb auch finanziell gefördert. Mehr Pflanzen aufs Dach; darum geht es heute auch in unserer Gartenzeit. Unser Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme hilft einer Hausgemeinschaft in der Kölner Südstadt das Flachdach im Hinterhof in ein grünes Biotop zu verwandeln.

 

Mehr Pflanzen aufs Dach

Die Rede ist hier nicht von Dachterrassen, die üppig mit Pflanzen in Kübeln und Kästen gestaltet sind, sondern von großen Beeten auf Dächern, die meist mit robusten und kleinwüchsigen Polsterstauden bepflanzt sind. Auch bei geneigten und steilen Dächern ist eine Begrünung möglich, aber sie ist technisch aufwendiger.

Größere Dachflächen sollten grundsätzlich von Profis begrünt werden. Bei kleineren Dächern – etwa einem Garagendach - kann aber auch ein handwerklich erfahrener Eigenheimbesitzer selber tätig werden.

Die Vorteile einer Dachbegrünung:

  • die Bepflanzung schützt die Dachhaut
  • sie isoliert im Haus darunter im Sommer gegen Hitze
  • sie hält das Regenwasser zurück und entlastet bei Starkregen die Kanalisation
  • sie schafft einen neuen Lebensraum auch für Vögel und Insekten
  • sie bindet Staub- und Luftschadstoffe
  • sie verbessert die Luftschalldämmung
  • sie ist ein schöner Anblick, wenn man vom Haus aus auf das Dach schauen kann

In einigen Städten und Gemeinden wird die Dachbegrünung auch finanziell gefördert, indirekt auch über die Abwassersatzung. Genauere Infos erteilen die jeweiligen Städte und Gemeinden.

Intensive und extensive Dachbegrünung

Man unterscheidet bei der Dachbegrünung zwischen extensiver und intensiver Begrünung. Bei den allermeisten Dachbegrünungen (90 Prozent) handelt es sich um Flachdächer, die extensiv begrünt werden:  

  • extensive Begrünung nennt man eine Bepflanzung mit niedrigen und kaum pflegebedürftigen Stauden, Gehölzen, Kräutern und Gräsern, die in einer dünnen Schicht Substrat wurzeln und mit Trockenheit und wenig Nährstoffen gut zurecht kommen 
  • intensive Begrünung nennt man eine Bepflanzung mit größeren Sträuchern, Stauden und sogar Bäumen, für die eine dickere Schicht Boden aufgeschüttet werden muss und die einen sehr viel größeren Pflegeaufwand erfordert. Es muss regelmäßig gegossen, gedüngt und geschnitten werden.   

Aufbau der extensiven Dachbegrünung:  

  • Achtung: Schon bei der Planung muss die gesamte spätere Dachlast genau errechnet werden, damit nichts einstürzen kann; also die Menge an Substrat und Pflanzen sowie Abdichtung, Folien, Dachkanten, evt. Maschinen etc. 
  • auch für einen sicheren Abfluss von überschüssigem Regenwasser muss gesorgt werden
  • zunächst wird dann eine Wurzelschutzfolie ausgerollt, die die Dachhaut schützt und abdichtet, falls das Dach nicht bereits wurzelfest abgedichtet ist
  • darauf kommt ein dickes, schaumstoffartiges Schutzvlies, das auch Wasser speichert und in das die Pflanzen auch einwurzeln können (auf dem Markt angeboten werden dazu verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Vliesschichten)
  • dann wird eine mindestens 6-8 Zentimeter dicke Schicht Dachgarten-Substrat aufgebracht. Bei extensiver Begrünung handelt es sich ein Spezialsubstrat aus mineralischem Schüttstoff wie z.B. Lava, das besonders nährstoffarm ist
  • als oberste Schicht kommen dann die Pflanzen. Da man nun später nicht ständig aufs Dach steigen möchte, um zu düngen, zu jäten und zu gießen, eignen sich nur sehr genügsame, flachwurzelnde Pflanzen wie etwa der Dach- oder Hauswurz/Sedum. Sie werden als kleine Jungpflänzchen spezielle für die Dachbegrünung in Paletten zu jeweils 50 Stück angeboten (Menge für ca. 1 ½ Quadratmeter).
  • nur in der Anwachsphase sollten Sie regelmäßig giessen, danach kommen die Pflanzen ohne große Pflege aus
  • zweimal im Jahr sollte Unkraut gezupft werden und kontrolliert werden, ob das Regenwasser-Abflussrohr evt. verstopft ist.   
  • es dauert etwa ein bis zwei Jahre dauert es, bis sich Dachwurz und Co. auf ganzer Fläche ausgebreitet haben

Pflanzenauswahl: 

Ein Dach ist für Pflanzen ein extremer Standort. Wenig Erde, viel Wind, viel Sonne; da wächst längst nicht alles, gerade bei Trockenperioden wird es schwierig. Deshalb eignen sich am besten Pflanzen, die von Natur aus mit wenig Nährstoffen und auch mit Trockenheit gut zu recht kommen. Dazu gehören:

Polsterartige Sedum-und Sempervivum-Arten, Steinbrech/Saxifraga, Gebirgsnelke, Kräuter wie Thymian, Origanum oder Lavendel, Wildstauden-Zwerggehölze, Zwerg-Steppengräser 

Literaturtipps:

- Dächer begrünen, Brigitte Kleinod, Ulmer Verlag   

Stand: 19.05.2020, 14:54