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Gartenzeit Kartoffelernte

Gartenzeit: Kartoffelernte Lokalzeit aus Köln 13.08.2019 04:19 Min. Verfügbar bis 13.08.2029 WDR Von Susanne Küppers

Lokalzeit aus Köln vom 13.08.2019

Gartenzeit Kartoffelernte

Im April hat unser Lokalzeitgärtner einigen Studenten (in Dortmund) geholfen, den ersten eigenen Kartoffelacker im neuen Schrebergarten (gleich hinterm Westfalenstadion im Gartenverein Bolmketal) zu bestellen. Nun war erstmals Erntezeit in der „Jäte-Republik“ - wie sich die Clique und die Nachwuchsgärtner-Truppe (auch auf Instagram) nennt. Die spannende Frage natürlich: Hat es sich gelohnt? Und: Was tun anschließend mit dem abgeernteten Acker? Rüdiger Ramme hat mitgeholfen und war wieder ein gefragter Experte.

Tipps rund um die Kartoffelernte:

Kartoffeln sind Nachtschattengewächse, botanisch heißen sie Solanum tuberosum. Ihre essbaren Früchte sind übrigens kein Wurzelgemüse. Es sind unterirdische Sprosse aus einem Laubtrieb, die sich unter der Erde wie in einem Nest vermehren. Kommen sie ans Licht, werden sie grün, sind ungenießbar und auch giftig. Daher muss man Kartoffeln im Beet anhäufeln. 

Immerhin 60 Kilo Kartoffeln hat jeder Deutsche im letzten Jahr verspeist. Trotz eher schlechter Ernte wurden 2018 knapp 8,8 Millionen Tonnen auf deutschen Äckern geerntet. Die Auswahl an unterschiedlichen Sorten – alten und neuen - ist mittlerweile riesengroß: Mal sind sie fest kochend, mal mehlig, meist mit weißem aber auch mal mit lila Fleisch, mal mit heller und mal mit dunkler Schale, mal rund und mal länglich. Sie heißen Sieglinde, Nicola oder Grata, aber auch Rosa Tannenzapfen, British Queen, La Ratte oder Bamberger Hörnchen, schmecken mal herb und mal süßlich.

April und Mai sind traditionell die Monate, in denen Saatkartoffeln in die Erde kommen. Pflanzen Sie – um Krankheiten zu vermeiden - Kartoffeln nur dort, wo in den letzten Jahren keine gewachsen sind. Ansonsten gilt dieses Gemüse als recht anspruchslos und robust, was Bodenbeschaffenheit, Nährstoff- und Wasserversorgung angeht. Sonnig sollte der Acker allerdings auf jeden Fall liegen und er muss in Trockenzeiten regelmäßig gegossen werden.

  • Erntereif sind Kartoffeln immer dann, wenn das Laub der Pflanzen gelb wird, eintrocknet und sich zurückzieht. Je nach Sorte ist das zwischen Juli und September.
  • Man unterscheidet zwischen frühen, mittelfrühen und späten Sorten.
  • bei den Frühkartoffeln, die schon im Juli geerntet werden können, ist die Schale noch so dünn, dass sie sofort verzehrt werden müssen.
  • Je härter und abriebfester die Schale, umso länger sind die Knollen im kühlen Keller lagerfähig.
  • die mittelfrühen Sorten, die im August geerntet werden, lassen sich bis Ende des Jahres im kühlen, dunklen Keller lagern.
  • Die späten Sorten, die im September erst geerntet werden, sind sogar bis zum  nächsten Frühjahr lagerbar.
  • Bei guter Ernte erbringt eine Saatkartoffel bis zu 15 neue Kartoffeln
  • Wichtigstes Werkzeug für die Ernte ist die Grabegabel
  • Wichtig auch: Kartoffeln, die während des Wachstums ans Licht gekommen sind und grüne Flecken bekommen haben, sollten unbedingt aussortiert werden, da das Solanin in ihnen giftig ist.
  • Auch Knollen, die bei der Ernte beschädigt wurden, sollten nicht mit ins Lager wandern, sondern am besten sofort verzehrt werden.

Gründüngung:

Eine alte Gärtnerregel besagt, dass man den Boden immer bedeckt halten sollte. Wer also der ausgelaugten Erde auf dem Kartoffelacker oder dem Gemüsebeet etwas Gutes tun will, sät gleich nach der Ernte Pflanzen aus, die als grüner Dünger bekannt sind und den Boden wieder aufbessern, regenerieren und für den Anbau im kommenden Jahr vorbereiten. Das sind Pflanzen wir Gelbsenf, Klee, Lupinen oder Phacelia, die der Handel als Saatgut anbietet. Gründüngung steht auf den Verpackungen. Der Fachmann nennt die Pflanzen auch Zwischenfrüchte. 

Diese Gründüngung bietet gleich mehrere Vorteile.

  • Die Pflanzen wachsen schnell und sehr dicht, schützen den Boden also oberirdisch vor Verdunstung
  • und halten das Unkrau fern
  • Wichtiger aber noch ist eine andere Eigenschaft: Da sie sehr tief und ausgedehnt wurzeln, lockern sie mit ihrem vitalen Wurzelwerk tiefgründig die Erde, durchlüften sie und reichern sie mit organischer Masse an.
  • Insgesamt wird das Bodenleben so wieder aktiviert. Der Boden kann auch wieder mehr Wasser speichern
  • Einige Pflanzen – die sogenannten Leguminosen oder Schmetterlingsblütler – sind sogar in der Lage Stickstoff aus der Luft in ihren Wurzeln zu sammeln und in Verbindung mit speziellen Knöllchenbakterien in Nitrat zu verwandeln und an den Boden abzugeben. So spart man mit ihnen Dünger. Zu ihnen zählen einige Kleearten und die Lupinen, aber auch Erbsen und Bohnen.
  • Und noch eine weitere positive Eigenschaft hat die Gründüngung: Die Pflanzen bieten, wenn sie im Herbst blühen, noch reichlich Nektar und Pollen für Hummeln, Bienen oder Schmetterlinge. Eine späte Bienenweide also. 

Das Aussäen ist einfach:

  • das Saatgut wird breitwürfig nach der Mengenangabe auf der Verpackung ausgestreut, eingeharkt und dann angegossen
  • nur vier Wochen benötigen die Pflanzen, um das Beet wieder mit ihrem Laub zu bedecken
  • nach sechs Wochen beginnen die Pflanzen zu blühen 
  • vor der Samenreife sollten die winterharten Gründüngungspflanzen allerdings immer abgemäht werden. Ansonsten keimen sie - unerwünscht - im nächsten Frühjahr wieder aus, wenn das Beet neu bestellt werden soll. Als Mulch können die abgemähten Pflanzen auf der Fläche liegen gelassen werden, sodass sie dort verrotten.
  • Gründüngungs-Pflanzen, die nicht winterhart sind, können bei später Aussaat den Winter über stehen bleiben, denn sie frieren vor der Samenreife ab. Man mäht die Reste erst im Frühjahr ab und arbeitet sie flach in den Boden ein.

Stand: 14.08.2019, 16:51