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Ein Gemüsegarten für den Nachwuchs

04:13 Min. Verfügbar bis 29.03.2023

Lokalzeit aus Köln vom 29.03.2022

Gartenzeit: Ein Gemüsegarten für den Nachwuchs

Stand: 29.03.2022, 18:11 Uhr

Es wird wieder geackert, gepflanzt und gejätet: Die Saison für den Gemüsegärtner hat begonnen. Doch das Wissen, wie Oma und Opa Kohl, Kartoffeln oder Kräuter angebaut haben, geht immer mehr verloren, finden die Initiatoren eines Gemüsegartens für jung und alt in Hückelhoven-Hilfarth - mittendrin unser Lokalzeitgärtner.

Von Susanne Küppers

Ein Gemüsegarten für jung und alt

Die große Wiese neben der evangelischen Kirche in Hückelhoven-Hilfarth soll in einen Nutz-Garten und Treffpunkt für die ganze Dorfgemeinschaft umgewandelt werden. Um das künftige Ernteparadies fachgerecht auf den Weg zu bringen, hat das Nachhaltigkeitsteam der Kirchengemeinde Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme um Hilfe gebeten und einen ersten, 70 Quadratmeter großen Acker pflanzfertig vorbereitet.

Erster Schritt: Gemüseacker strukturieren

Um bequem auszusäen und zu pflanzen und später auch Unkraut zu jäten und zu ernten, ist es wichtig, einen großen Gemüseacker in kleinere Parzellen zu unterteilen. Am simpelsten geht das mit einfachen, langen Holzbrettern, die schlicht auf den Boden gelegt werden. Sie markieren die einzelnen Beete. Die Bretter sollten nicht breiter als 1,70 Meter bis 1,80 Meter sein, damit man von beiden Seiten bequem auf Armlänge im Beet pflanzen, säen und arbeiten kann. Die Länge richtet sich nach dem Platzangebot. Die Wege dazwischen sollten mindestens 30 cm breit sein, um bequem darauf stehen und laufen zu können. So bietet es sich zum Beispiel an, jeweils zwei einfache Terrassendielen aus Douglasien oder Lärchenholz miteinander zu verschrauben und als mobilen Wegebelag zu verwenden.

Gemüseanbau im März

Erste Salat- und Gemüse-Pflänzchen, einiges Saatgut (Spinat, Ruccola, Möhren, Zuckerschoten) und auch Kräuter können Anfang bis Mitte März schon in die Erde. Aber Vorsicht bei den vorgetriebenen Jungpflanzen. Sie kommen aus dem Gewächshaus und vertragen keinen Frost. Sollte es also noch einmal kalt werden, muss man die früh bestellten Beete - vor allem nachts - mit einem Vlies abdecken. Der Aufwand lohnt sich, denn bereits Ende April kann der erste Salat geerntet werden.

Bevor das Gemüse in die Erde kommen kann: Boden richtig vorbereiten

Wer gesundes Gemüse im Garten ernten möchte, der sollte sich vor dem Aussäen und Pflanzen genügend Zeit nehmen, um seine Beete auch richtig zu planen. Bei dieser Planung geht es nicht nur darum, was einem am besten schmeckt. Wichtig ist auch die richtige Kombination der Pflanzen im Beet. Und die richtige Vorbereitung des Bodens ist für den späteren Ernteerfolg enorm wichtig. Er sollte nicht zu nass beim Bestellen sein und möglichst locker. Alles Unkraut und Wurzelreste müssen vor der neuen Aussaat sorgfältig rausgerupft werden. Denn damit Gemüse im Garten gedeihen kann, braucht es einen gesunden, nährstoffreichen Boden. Im Frühjahr können mit Kompost oder Dünger auch noch Nährstoffe zu geführt werden.

Für Anfänger und Kinder geeignet

Besonders für Anfänger und Kinder unter den Gemüsegärtnern ist es ratsam, das Beet mit vorgezogenen Jungpflanzen zu bestellen. So entfällt das Risiko, dass mit der Aussaat die halbe Kulturzeit für die Pflanzen schon in der Gärtnerei erledigt worden ist. Beim Aussäen wird nämlich oft zu dicht gesät, so dass die Pflänzchen erst wieder vereinzelt, pikiert und umgepflanzt werden müssen.

  • Wer doch aussäen möchte, kann es sich mit sogenannten Saatbändern leichter machen. Da sind die einzelnen Samenkörner schon auf dem richtigen Abstand aufgebracht.
  • Der Garten-Neuling sollte außerdem mit schnell-reifendem Gemüse wie Salat, Radieschen, Rauke, Steckzwiebeln oder Kohlrabi beginnen. Das Gemüse benötigt nicht viel Platz, kann in einem Jahr gleich mehrfach hintereinander angebaut werden, und der Ernteerfolg ist recht sicher. Kohl z.B. benötigt dagegen viel Platz und ist häufig auch von Schädlingen befallen.

Mischkultur/gute und schlechte Nachbarn im Gemüsebeet

Hobbygärtner, die nur über einen kleinen Nutzgarten oder auch nur ein einzelnes Gemüsebeet verfügen, legen ihre Beet meist in sogenannter Mischkultur an. Das bedeutet, es können Gemüsearten mit unterschiedlichem Nährstoffbedarf auf einer einzigen Fläche zusammen angebaut werden.

  • Der Abstand der einzelnen Reihen beträgt in der Regel 30 cm.
  • Wie weit die jeweiligen Gemüse-Jungpflanzen innerhalb der Reihe von einander eingepflanzt werden müssen, steht auf den Etiketten. In der Regel beträgt der Abstand auch hier 30 bis 40 cm.
  • Sehr wichtig sind aber eine ganz gezielte Planung und vor allem die richtige Kombination. Denn nicht alle Gemüsepflanzen vertragen sich und gedeihen nebeneinander gut. Manche dagegen begünstigen sich sogar noch gegenseitig, in dem sie etwa bestimmte Schädlinge abhalten.

Hier einige Beispiele für gute und schlechte Nachbarn im gemischten Beet:

Gute Nachbarn: Erdbeeren/Salat, Möhren/Zwiebeln, Möhren/Lauch, Lauch/Sellerie, Rote Beete/Kohlrabi, Buschbohnen/Bohnenkraut, Gurken/Dill, Tomaten/Petersilie

Schlechte Nachbarn: Kartoffeln/Tomaten, Salat/Petersilie, Erbsen/Bohnen, Kohl/Zwiebeln, Fenchel/Tomaten

Kartoffeln pflanzen

Im Garten werden vor allem Frühkartoffeln angebaut, sie bringen gute Erträge, schmecken besonders gut und schon ab Ende Juni kann geerntet werden. In milden Regionen wie dem Rheinland können die Saatkartoffeln ab Anfang April in die Erde.

  • Ab Ende Februar bereits können Saatkartoffeln in einer Kiste mit einem Rindenhumus-Sand-Gemisch vorgekeimt werden; also hell und warm – etwa 15 Grad - stellen. So können Sie die Ernte verfrühen. Ab Anfang April kommen die vor gekeimten Knollen dann, wenn es trocken und schon frühlingshaft warm ist, in die Erde.
  • Aus jeder einzelnen Kartoffel können bekanntlich neue Früchte wachsen. Dennoch: Verwenden Sie nur spezielle Saatkartoffeln, die bringen einen besseren Ertrag als die eigenen vom letzten Jahr und sind frei von Krankheiten. 
  • Da Saat-Kartoffeln frostempfindlich sind und eine Bodentemperatur von mindestens sieben Grad benötigen, sollte man sie nicht zu früh in die Erde setzen. Wichtig ist, dass der Boden ganz trocken ist, sonst faulen die kleinen Knollen statt zu keimen.
  • Pflanzen Sie – um Krankheiten zu vermeiden - Kartoffeln nur dort, wo in den letzten Jahren keine gewachsen sind. Ansonsten gilt dieses Gemüse als recht anspruchslos und robust, was Bodenbeschaffenheit, Nährstoff- und Wasserversorgung angeht. 
  • In etwa 50 bis 60 Zentimeter Abstand werden mit der Platthacke etwa 15 Zentimeter tiefe Furchen gezogen (oder auch einzelne Löcher gehackt), alle 30 bis 50 Zentimeter werden dann die Saatkartoffeln eingelegt und mit Erde wieder zugeschaufelt.  
  • Sobald die ersten Blätter aus der Erde sprießen, muss angehäufelt werden,  denn die zarten, neuen Kartoffel-Knöllchen dürfen nicht ans Licht kommen, sonst werden sie grün.
  • Nach zwei bis drei Monaten – direkt nach der Blüte - können die reifen Früchte geerntet werden. Mit der Grabegabel werden sie dann aus der Erde gehoben und müssen trocken und dunkel gelagert.
  • Alte Sorten schmecken oft aromatischer und ungewöhnlicher als die gängigen Supermarkt-Sorten, sind häufig aber auch geringer im Ertrag und anfälliger für Krankheiten wie die Kraut- und Knollenfäule.

Literaturtipp:

Der Biogarten, Marie-Luise Kreuter, blv Verlag