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Gartenzeit: Dachbegrünung – extensiv/intensiv

Gartenzeit Dachbegründung: intensiv und extensiv 04:21 Min. Verfügbar bis 21.09.2022

Lokalzeit aus Köln vom 21.09.2021

Gartenzeit: Dachbegrünung – extensiv/intensiv

Garagendächer, Carports, Hinterhöfe mit flachen Anbauten, Bungalows; es gibt in den Städten, aber auch auf dem Land unzählige, ungenutzte Flachdächer. Dabei sieht eine Dachbegrünung nicht nur gut aus, sondern hat in Zeiten des Klimawandels auch einen hohen ökologischen Wert. Viele Städte und Gemeinden fördern die Begrünung deshalb. Unser Lokalzeitgärtner zeigt Ihnen heute, wie sich sogar ein richtiger Blumengarten auf dem Dach anlegen lässt.

Garagendächer, Carports, Hinterhöfe mit flachen Anbauten, Bungalows; es gibt in den Städten, aber auch auf dem Land unzählige, ungenutzte Flachdächer. Dabei sieht eine Dachbegrünung nicht nur gut aus, sondern hat in Zeiten des Klimawandels auch einen hohen ökologischen Wert. Viele Städte und Gemeinden fördern die Begrünung deshalb. Unser Lokalzeitgärtner zeigt Ihnen heute, wie sich sogar ein richtiger Blumengarten auf dem Dach anlegen lässt. Genau den wünscht sich nämlich unser Zuschauer Gerhard Großpietsch aus Siegburg. Zusammen haben sie den Aufstieg gewagt.

Mehr Pflanzen aufs Dach

Bei Dachbegrünungen sind keine Dachterrassen gemeint, die üppig mit Pflanzen in Kübeln und Kästen gestaltet sind. Die Rede ist hier von großen Pflanzbeeten auf Flach-Dächern, die meist mit robusten und kleinwüchsigen Polsterstauden in einer Art Schotterschicht bepflanzt sind. Auch bei geneigten und steilen Dächern ist eine Begrünung möglich, aber sie ist technisch aufwendiger.

Immer noch sind die meisten Dächer nur klassisch mit Dachpappe und Kies abgedeckt. Gerade in dicht besiedelten Städten aber wäre es nicht nur viel hübscher sondern auch fürs Klima und die Artenvielfalt besser, sie wären begrünt. Von vielen Städten und Kommunen werden solche ökologisch wertvollen Dachbegrünungen deshalb auch finanziell mit bis zu 20 Euro pro Quadratmeter gefördert. Genauere Infos erteilen die jeweiligen Städte und Gemeinden.

Größere Dachflächen sollten grundsätzlich von Profis begrünt werden. Bei kleineren Dächern – etwa einem Garagendach - kann aber auch ein handwerklich erfahrener Eigenheimbesitzer selber tätig werden.

Die Vorteile einer Dachbegrünung:

  • die Bepflanzung schützt die Dachhaut
  • sie isoliert im Haus darunter im Sommer gegen Hitze
  • sie hält das Regenwasser zurück und entlastet bei Starkregen die Kanalisation
  • sie schafft einen neuen Lebensraum auch für Vögel und Insekten
  • sie bindet Staub- und Luftschadstoffe
  • sie verbessert die Luftschalldämmung
  • sie ist ein schöner Anblick, wenn man vom Haus aus auf das Dach schauen kann

Unterschied: Intensive und extensive Dachbegrünung

Man unterscheidet bei der Dachbegrünung zwischen extensiver und intensiver Begrünung. Bei den allermeisten Dachbegrünungen handelt es sich um Flachdächer, die extensiv begrünt werden:  

  • extensive Begrünung nennt man eine Bepflanzung mit niedrigen Bodendeckern wie Sedum, Mauerpfeffer oder auch Kräutern wie Thymian, die in einer dünnen, etwa 6-8 cm hohen Schicht aus Lavasubstrat wurzeln und mit Trockenheit und wenig Nährstoffen gut zurecht kommen 
  • intensive Begrünung nennt man eine flächige Bepflanzung zusätzlich mit größeren Sträuchern, Stauden und sogar Bäumen, für die eine deutlich dickere Schicht (ab 15 cm bis 40 cm) an speziellem Lavasubstrat mit organischem Anteil aufgeschüttet werden muss und die einen leicht größeren Pflegeaufwand erfordert.

Aufbau der Dachbegrünung:  

  • Achtung: Schon bei der Planung muss die gesamte spätere Dachlast genau errechnet werden, damit nichts einstürzen kann; also die Menge an Substrat und Pflanzen sowie Abdichtung, Folien, Dachkanten, evt. Maschinen etc. Das muss mit einem Statiker geklärt werden. 
  • auch für einen sicheren Abfluss von überschüssigem Regenwasser muss gesorgt werden
  • für den Unterbau unter dem Substrat sind verschiedene Systeme im Handel im Angebot
  • in der Regel wird zunächst eine Wurzelschutzfolie ausgerollt. Sie schützt die Dachhaut und dichtet ab, falls das Dach nicht bereits wurzelfest abgedichtet ist
  • darauf kommt ein dickes, schaumstoffartiges Schutzvlies, das auch Wasser speichert und in das die Pflanzen auch einwurzeln können (auf dem Markt angeboten werden dazu verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Vliesschichten)
  • dann wird eine mindestens 6-8 Zentimeter dicke Schicht Dachgarten-Substrat aufgebracht. Bei extensiver Begrünung mit niedrigen Bodendeckern handelt es sich ein Spezialsubstrat aus mineralischem Schüttstoff wie z.B. Lava, das besonders nährstoffarm ist. Wer sein Dach intensiver – also mit größeren Pflanzen – bepflanzen möchte, muss mindestens 15 cm Substrat aufbringen. Hier wird ein mineralisches Substrat mit höherem organischem Anteil und Dünger verwendet.
  • als oberste Schicht kommen dann die Pflanzen. Da man nun später nicht ständig aufs Dach steigen möchte, um zu düngen, zu jäten und zu gießen, eignen sich bei der extensiven Bepflanzung nur sehr genügsame, flachwurzelnde Pflanzen wie etwa der Dach- oder Hauswurz/Sedum. Sie werden auch als kleine Jungpflänzchen spezielle für die Dachbegrünung in Paletten zu jeweils 50 Stück angeboten (Menge für ca. 2-3- Quadratmeter).
  • Auch für die intensive Bepflanzung gibt es eine Reihe von bunt blühenden Stauden und Sträuchern, die nur wenig Wurzelraum (ab 15 cm) benötigen und dennoch robust, hitzetolerant, windfest und frostfest sind. Stellen Sie die Pflanzen am besten mit einem Experten zusammen.
  • nur in der Anwachsphase sollten Sie regelmäßig giessen, danach kommen die Pflanzen ohne große Pflege aus
  • zweimal im Jahr sollte Unkraut gezupft werden und kontrolliert werden, ob das Regenwasser-Abflussrohr evt. verstopft ist.   
  • es dauert etwa ein bis zwei Jahre, bis sich die Pflanzen auf der ganzer Fläche wie ein bunter Teppich ausgebreitet haben

Pflanzenauswahl: 

Ein Dach ist für Pflanzen ein extremer Standort. Wenig Erde, viel Wind, viel Sonne; da wächst längst nicht alles, gerade bei Trockenperioden wird es schwierig. Deshalb eignen sich am besten Pflanzen, die von Natur aus mit wenig Nährstoffen und auch mit Trockenheit gut zu recht kommen. Dazu gehören:

Polsterartige Sedum-und Sempervivum-Arten, Steinbrech/Saxifraga, Gebirgsnelke, Kräuter wie Thymian, Origanum, Wildstauden-Zwerggehölze, Zwerg-Steppengräser 

Pflanzen für eine intensivere Bepflanzung:

Mädchenauge/Coreopsis, Bergminze/Calamintha, Johanniskraut/Hypericum, Gamander/Teucrium chamaedrys, Steinkraut/Alyssum, Fingerstrauch/Potentilla neumaniana, Bohnekraut/Satureja montana, Katzenpfötchen/Antennaria dioica, Gänsekresse/Arabis caucasica, Kamille/Anthemis tinctoria, Sonneröschen, Helianthemum, Kammschmiele/Koeleria glauca, Lavendel, Sonnenbraut

Literaturtipps:

- Dächer begrünen, Brigitte Kleinod, Ulmer Verlag   

Stand: 21.09.2021, 15:28