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GZ Rasen bienenfreundlich

Bienenfreundlicher Rasen 03:43 Min. Verfügbar bis 02.07.2020

Lokalzeit aus Köln vom 02.07.2019

GZ Rasen bienenfreundlich

Wer selber wöchentlich mit dem Rasenmäher durch den Garten zieht, der weiß es: Ein schöner, dichter Rasenteppich macht Arbeit. Soll er auch in heißen, trockenen  Sommermonaten grün bleiben, ist wässern zwingend nötig.

Immer mehr Hobbygärtner aber haben darauf keine Lust mehr. Der Pflegeaufwand ist das Eine. Der geringe ökologische Wert einer Rasenfläche das Andere. Unseren Lokalzeitgärtner Rüdiger Ramme haben in diesem Jahr viele Anfragen erreicht, wie man – ohne allzu großen Aufwand - eine Rasenfläche in eine pflegeleichtere, insektenfreundliche Blumenwiese verwandeln kann. Einer von ihnen ist Lokalzeitzuschauer Achim Reetz. Und der hat wirklich viel Rasen zu bieten.

Bienenfreundliche Wiese statt steriler Rasen

Viele Gärten bestehen bekanntlich aus großen, pflegeintensiven Rasenflächen, die nicht immer komplett auch genutzt werden. Vom ökologischen Standpunkt her ist es verschenkter Platz. Denn Rasen ist für Insekten aller Art eigentlich eine weitgehend tote Fläche, da sie für Bienen, Hummeln und andere Nützlinge nicht viel zu bieten hat. Um aus einer Rasenfläche nun eine bienenfreundliche, ökologisch wertvolle Fläche zu machen, gibt es verschiedenen Möglichkeiten.

  • Grundsätzlich muss man wissen, dass der klassische grüne Rasen und eine Blumenwiese in ihren Ansprüchen an den Boden sehr unterschiedlich sind.
  • Rasen ist gewöhnlich gut gedüngt, der Boden also nährstoffreich und die in den Rasen-Mischungen enthaltenen Gräser sind daher sehr wuchsfreudig und ohnehin sehr robust.
  • Klassische Wiesenblumen oder auch Wildstauden mögen dagegen eher einen nährstoffarmen, heißt mageren Boden. Finden sie den nicht vor, setzen sich meist nach kurzer Zeit die Gräser durch und verdängen die Wiesenblumen.
  • Wer also dauerhaft die Wiese zum Blühen bringen möchte, muss erst einen passenden Boden für sie schaffen.

Dazu gibt es drei Möglichkeiten

1. Rasen komplett entfernen und Boden abmagern:

Das ist die aufwendigste Variante: Zunächst wird der Rasen komplett abgeschält, gelockert und von allem Unkraut befreit. Dann lässt man die Fläche einige Zeit brach liegen und düngt ab sofort nicht mehr. Außerdem sollte Sand eingearbeitet werden, denn das magert den Boden ab. Alles Unkraut und alle Gräser, die doch wieder wachsen, werden immer wieder entfernt. Dann kann die ganze Fläche ab April bis spätestens Mitte Juli mit passenden Wildblumenmischungen neu ausgesät werden.

2. Heimische Wildstauden in den Rasen pflanzen

Eine wesentlich einfachere Möglichkeit, die gleich einen großen Effekt bringt, ist es, heimische Wildstauden (Liste siehe unten), die auch in natürlichen Wiesen vorkommen, direkt in den Rasen oder in ein Teilstück des Rasens zu pflanzen.

  • Ideal sind drei Pflanzen pro Quadratmeter.
  • Erst wird nur dort, wo die Wildstaude wachsen soll, der Rasen mit dem Spaten abgeschält, dann eine kleines Loch gegraben, die Pflanzen ins Wasserbad getaucht und dann eingepflanzt.
  • Wichtig ist, dass die gesamte, neu bepflanzte Fläche nicht mehr gedüngt wird.
  • Besser ist es auch, sie ist bereits vor der Pflanzaktion längere Zeit nicht mehr gedüngt worden.
  • Setzen sich einige der Wildstauden gegenüber den Gräsern doch nicht durch, werden sie im kommenden Jahr, wenn der Boden weiter abgemagert ist, noch einmal neu gepflanzt
  • Erst im Spätsommer oder Herbst, wenn sich die Samenstände der Pflanzen komplett ausgebildet haben, wird dieser Teil des Rasens bzw. der Wiese wieder gemäht.
  • Ganz wichtig: Das Mähgut mit samt der Samenkapseln unbedingt liegen lassen. Mit dem Spaten drauf klopfen, damit sie sich öffnen. So breiten sich die Wildstauden auch über ihre Samen im nächsten Jahr noch weiter aus.  

Liste von geeigneten, nicht züchterisch bearbeiteten Wildstauden

Steppen-Salbei, Wiesen-Schafgarbe, Blauer Eisenhut, Fingerhut, Wiesen-Margerite, Frauenmantel, Hundskamille, Graslilie, Echte Arnika, Wiesenknöterich, Ochsenauge, Glockenblume, Berg-Flockenblume, Natternkopf, Wiesen-Storchschnabel, Nelkenwurz, Habichtskraut, Johanniskraut, Witwenblume, Lichtnelke, Felberich, Schlüsselblume, Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Rainfarn, Wiesenaute, Ehrenpreis

3. Die Aussaat von Wiesenblumen/Wildstauden 

Dafür benötigen Sie Vertikutierer (Hand oder Motor-Vertikutierer), Sand, Walze und geeignete Blumenmischungen mit robusten Wildstauden und anderen ein – und zweijährigen Sommerblumen. Am besten wird schon April/Mai ausgesät. Bis Mitte Juli funktioniert die Methode aber auch noch. Wichtig ist, dass die Pflanzen noch zur Blüte kommen und Samen ausbilden können.

  • Aber: Einfach Saatgut auf den Rasen streuen und hoffen, dass die Pflanzen wachsen, so einfach ist es leider nicht.
  • Auch hier ist es für die Pflänzchen, die heranwachsen sollen, entscheidend, dass der Boden so mager wie möglich ist.
  • Am besten ist die Rasenfläche schon längere Zeit vor der Aussaat nicht mehr gedüngt worden.
  • Erster Schritt, um einen solchen mageren, heißt nährstoffarmen Boden zu erzeugen: Möglichst tief vertikutieren, heißt die Grasnarbe tief aufreißen und allen Grünschnitt entfernen.
  • Anschließend reichlich Sand streuen. Knapp 5 Liter pro Quadratmeter.
  • Dann das Saatgut – so wie auf der Packung beschrieben – ausäen. Achtung: Meist benötigt man nur sehr wenig, etwa knapp drei Gramm pro Quadratmeter. Da ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Zu dicht ausgesäte Pflanzen machen sich sonst gegenseitig den Platz streitig.
  • Das Saatgut wird dann mit einer Walze fest in den Boden gedrückt
  • und vorsichtig angegossen.
  • Sechs bis acht Wochen dauert es nun, bis die Wiesenblumen blühen.
  • Auch hier wird erst gemäht, wenn sich die Samenstände ausgebildet haben.
  • Auch hier müssen sie am Boden liegen bleiben, damit sie im nächsten Jahr wieder auskeimen können.
  • Sollten die restlichen Gräser dennoch viele Wildblumen verdängen, wird der Vorgang im nächsten Jahr einfach wiederholt.
  • Gedüngt wird auf keinen Fall mehr. Mit der Zeit magert der Boden so immer weiter ab und die Voraussetzungen für die Wildblumen werden immer besser.

Ist solch eine Blumenwiese einmal angewachsen, benötigt sie kaum noch Pflege. Und das lästige Rasenmähen entfällt sowieso.

Stand: 02.07.2019, 11:24