Ultraschall statt Röntgenstrahl

Arzt und Patientin schauen sich ein Röntgenbild an.

Neue Methode zur Diagnose von Brüchen

Ultraschall statt Röntgenstrahl

Von Andrea Obst

Röntgenstrahlen sind für Kinder nicht ungefährlich. Trotzdem werden sie noch häufig zur Diagnose, zum Beispiel bei Knochenbrüchen, eingesetzt. Experten haben jetzt herausgefunden: Mit Ultraschall ist die Diagnose genauso präzise und die Methode ist viel schonender.

David war beim Spielen auf einem Klettergerüst ausgerutscht und mit dem ganzen Körper auf sein rechtes Handgelenk gekracht. Im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann mussten die Ärzte erstmal feststellen, ob sein Handgelenk gebrochen war. Statt ihn zu röntgen, untersuchten sie die schmerzende Stelle mit Ultraschall. Das ist bei bestimmten Brüchen mittlerweile genauso sicher wie Röntgen.

Zu diesem Ergebnis sind Chirurgen im Rahmen von mehreren wissenschaftlichen Studien gekommen. Neun Jahre lang haben sie rund 900 kleine Patienten untersucht, um festzustellen, ob ein Knochen gebrochen oder vielleicht nur verstaucht ist. Sie und einige Kollegen aus ganz Europa untersuchten die Kinder zuerst mit Ultraschall und dann mit Röntgenstrahlen. Dabei stellten sie fest, dass Diagnose und Therapie in 98% der Fälle gleich waren.

Strahlen sind gefährlich für Kinder

Ultraschall ist im Gegensatz zu Röntgenstrahlen ungefährlich. Besonders Kinder, die ja noch wachsen, reagieren sensibler auf die Strahlen. Denn bei ihnen teilen sich die Zellen schneller. Durch die Strahlung können krankhafte Zellen entstehen, die für Krebserkrankungen verantwortlich sind. Der gesunde Körper kann solche kranken Zellen meist selbst bekämpfen. Je häufiger er aber den Strahlen ausgesetzt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler nicht mehr behoben werden können. Mit jedem Röntgen summiert sich die Strahlenbelastung im Körper.

Weniger Schmerz mit Ultraschall

Außerdem ist die Ultraschall-Untersuchung wesentlich weniger schmerzhaft für die kleinen Patienten. David zum Beispiel musste bei einem Bruch fünf Jahre zuvor seinen verletzten Arm fürs Röntgen in verschiedene Positionen legen. Das tat ihm damals weh. Jetzt bewegen die Ärzte behutsam den Schallkopf um den Bruch herum. Das verursacht keine Schmerzen. Kleine Kinder können die Ärzte sogar auf dem Schoß ihrer Mutter untersuchen.

Genauso präzise wie das Röntgen

Die Chirurgen berichten auf Fachkongressen von ihren Ergebnissen und haben schon verschiedene Artikel in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht. Sie hoffen, dass ein Umdenken bei ihren Kollegen stattfindet, um Kindern so oft wie möglich unnötige Strahlen zu ersparen. Denn wenn ein geschulter Chirurg die Untersuchung durchführt, ist der Ultraschall besonders bei Handgelenks-Brüchen genauso präzise wie das Röntgen.

Stand: 11.11.2015, 12:14