Solaranlage auf früherer Mülldeponie in Dortmund-Deusen eröffnet

Solaranlage auf früherer Mülldeponie in Dortmund-Deusen eröffnet

  • Anlage produziert Strom für 1.000 Haushalte
  • Brütende Vögel und Freizeitsportler nicht beeinträchtigt
  • Bürger können sich finanziell beteiligen

Nach mehrjähriger Planung und fünfmonatiger Bauzeit hat eine der größten Photovoltaikanlagen im Ruhrgebiet auf der früheren Deponie in Dortmund-Deusen am Donnerstag (08.06.2017) offiziell den Betrieb aufgenommen. Fast 13.000 Solarmodule waren für die Anlage auf dem Halden-Plateau errichtet worden.

Photovoltaik-Anlage auf ehemaliger Mülldeponie in Dortmund-Deusen

Dicht an dicht stehen die Module auf der Halde

61 Wechselrichter sorgen dafür, dass jährlich 3,6 Megawatt-Stunden Strom produziert und ins Netz eingespeist werden. Das reicht, um rund 1.000 Haushalte mit elektrischer Energie zu versorgen. Nach Angaben des Betreibers werden damit 780.000 Liter Heizöl eingespart.

Es ist bereits die zweite Anlage des Fröndenberger Solarspezialisten Entegro auf einer Deponiehalde. Vor einem Jahr war ein ähnliches Kraftwerk auf der früheren Müllkippe im Dortmunder Stadtteil Grevel installiert worden. Diese Anlage hat nach Angaben von Entegro-Geschäftsführer Dieter Röttger mehr Strom produziert als erwartet. Das neue Öko-Kraftwerk ist anderthalb Mal so groß.

Kritik am Bau von Freizeitsportlern und Tierschützern

Sonne und Wolken

Die Sonne garantiert eine kontinuierliche Stromversorgung

Der Baubeginn der Ökostrom-Anlage hatte sich immer wieder verzögert. Nach der Stilllegung der Deponie vor 25 Jahren war die 55 Meter hohe Halde zunächst rekultiviert und später zu einem Naherholungsgebiet ausgebaut worden. Der Deusenberg erfreut sich bei Spaziergängern und Freizeitsportlern großer Beliebtheit. Mountainbiker haben hier einen eigenen Parcour. Viele hatten Sorgen durch die Solaranlage verdrängt zu werden, denn diese erstreckt sich über eine Fläche von rund vier Hektar.

Tierschützer kritisierten den Eingriff in das Ökosystem. Gutachten wiesen schließlich nach, dass am Boden brütende Vögel nicht vertrieben oder von den Lichtreflexionen der blau schimmernden Solarmodule irritiert werden. Der Betreiber passte die Lage und den Aufbau der Anlage den Vorschlägen den Gutachter an. Ein eigens angelegter Grünstreifen gibt den Bodenbrütern einen Schutzraum.

Bürgerbeteiligungen sind über Genossenschaft möglich

Solarkraftwerk auf dem Deusenberg ist eine der letzten großen Anlagen, die eine auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung erhält. Nach der jüngsten Reform des Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) müssen sich Projekte wie dieses künftig einem Bieterverfahren stellen. Nur die günstigsten Anlagen erhalten dann den Zuschlag und bekommen Geld für den eingeleiteten Strom. „Unter den verschärften Bedingungen hätte sich dieser Bau wirtschaftlich nicht gelohnt“, sagt Entegro-Chef Röttger.

So (re-)finanziert sich das Projekt allerdings von selbst. Davon haben auch interessierte Bürgerinnen und Bürger etwas. Eine Energiegenossenschaft bietet Beteiligungen ab 500 Euro aufwärts an. Sie werden mit 2,5 Prozent garantiert verzinst. Betreiber Röttger hält eine höhere Rendite für realistisch und rechnet mit mindestens vier Prozent Verzinsung für Anleger. Für die Anlage in Grevel waren die Anteile in kürzester Zeit vergriffen.




Stand: 08.06.2017, 11:55