Wirtschaftskrimi aus Hagen

Wirtschaftskrimi aus Hagen

Von Kay Bandermann

Es ist ein seltener Coup, der Ex-Managern der Nordwesthandel AG in Hagen vorgeworfen wird: Nach einem ausgeklügelten Plan sollen sie versucht haben, ihre Firma zu schädigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Am Donnerstag (19.05.2016) haben die Aktionäre nun einer Kürzung ihrer Dividende zugestimmt.

Im vergangenen Frühjahr waren überraschend die Vorstände für Vertrieb und Finanzen innerhalb von vier Wochen entlassen worden. Heute steht für Nordwesthandel fest: die beiden entlassenen Manager haben die Firma hintergangen und wirtschaftlich geschädigt. Die zwei Vorstände sollen heimlich eine Konkurrenz-Firma mit aufgebaut haben, wofür sie auch Kunden und Mitarbeiter abgewarben. Dabei sollen sie einen Schaden von 1,8 Millionen Euro angerichtet haben. Die Betroffenen streiten alle Vorwürfe ab.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hagen

Eine renommierte Frankfurter Kanzlei arbeitete den Fall monatelang auf. Und die Staatsanwaltschaft Hagen ermittelt wegen des Verdachts der Untreue. Ausgangspunkt war offenbar die Berufung von Bernhard Dressler zum neuen Vorstandschef, der seinen Dienst am 1. Februar vergangenen Jahres antrat.

Die Nordwesthandel AG wurde 1919 gegründet. Das Unternehmen wickelt über 900 Fachhändler und ein eigenes Zentrallager die Einkäufe von gewerblichen Kunden ab. Industrieunternehmen und Handwerksbetriebe kaufen bei Nordwesthandel beispielsweise Schraubenzieher, Türbeschläge oder Badezimmerarmaturen. Der Endverbraucher kann hier nichts kaufen. Das Geschäftsvolumen betrug zuletzt zwei Milliarden Euro, der Jahresüberschuss drei Millionen. Das Unternehmen hat 300 Mitarbeiter und zieht im Herbst von Hagen nach Dortmund um.

Unerwartete Wechsel im Management


Nach der Berufung des neuen Vorstandschefs Dressler verkauften die beiden langjährigen Vorstände ihre eigenen Nordwesthandel-Aktien Ende Dezember innerhalb weniger Tage im Gesamtwert von mehr als 50.000 Euro. Der Vertriebsvorstand kündigte sein Ausscheiden zum Jahresende 2015 an. Zwei Management-Mitarbeiter hatten ebenfalls bereits gekündigt.
Dressler ahnte, dass er nicht mit offenen Armen aufgenommen würde. Der Headhunter, der ihn für die Nachfolge des langjährigen Vorstandschefs vermittelt hatte, wusste von andauernden Reibereien zwischen Aufsichtsrat und Vorstand zu berichten. Bald darauf machen Gerüchte in der Branche die Runde, Nordwesthandel wolle sich von seiner Sparte Haustechnik (Badezimmer) trennen. Kunden würde geraten, sich nach einem neuen Lieferanten umzuschauen.

Neue Firma wurde gegründet


Anfang März 2015 wird die Gründung einer neuen Firma: MP – Die Mittelstandsprofis bekannt. Laut Handelsregister ist ihr Geschäftszweck mit dem von Nordwest praktisch identisch: “Der Großhandel mit Waren aller Art in den Geschäftsfeldern des Produktionsverbindungshandels, dabei speziell in den Bereichen Stahl, Haustechnik und Werkzeuge/Eisenwaren.”

Auffällig: der Sitz von MP ist im Gebäude eines der größten Nordwest-Konkurrenten, der E/D/E in Wuppertal. Geschäftsführer sind neben E/D/E-Chef Andreas Trautwein zwei Manager, die laut Nordwesthandel enge persönliche Beziehungen zu einem der entlassenen Vorstände haben sollen. Für Bernhard Dressler ein klares Signal, dass hier ein Komplott gegen seine Firma geschmiedet werde.

Monatelange Untersuchungen


Die Rechtsanwälte untersuchten den Fall monatelang und konzentrieren sich insbesondere auf den schwerwiegenden Vorwurf, die Ex-Vorstände hätten versucht, Führungskräfte für eine Konkurrenztätigkeit abzuwerben. Nach WDR-Informationen sollen fünf eidesstattliche Versicherungen von Nordwest-Mitarbeitern vorliegen, die bestätigen, dass ihnen eine attraktive Anstellung bei MP bzw. einer anderen Firma angeboten worden sei.

E/D/E sieht auf WDR-Anfrage keinen Anlass, sich zu den Vorwürfen des Konkurrenten zu äußern. Es lägen keine Fakten vor. Die beiden Ex-Vorstände wollen sich mit Hinweis auf die staatsanwaltlichen Ermittlungen derzeit nicht äußern. Ohnehin haben die Juristen in diesem Streit längst das Sagen. Die entlassenen Manager sehen sich im Recht und verlangen ihre ausstehenden Gehälter. Die Nordwest AG will von ihnen den Gesamtschaden von 1,8 Millionen Euro ersetzt haben. Diese zivilrechtlichen Auseinandersetzungen ruhen bis zu einer Entscheidung im Strafverfahren.

Stand: 19.05.2016, 17:00