Wenn Geld Herz frisst – Von Spendenbetrug, Versicherungsärger und zweifelhaften Haustürgeschäften

Wenn Geld Herz frisst – Von Spendenbetrug, Versicherungsärger und zweifelhaften Haustürgeschäften

Handelsvertreter, die von Tür zu Tür gehen, gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung kaum noch. Aber das Geschäftsmodell boomt.

Heute heißt es Direktvertrieb und wird in abgewandelter Form betrieben, meist auf sogenannten „Verkaufspartys“. Aktuell arbeiten laut offiziellen Zahlen 885.000 Mitarbeiter im Direktvertrieb und haben 2017 einen Umsatz von 17,6 Milliarden Euro gemacht. Tendenz der letzten Jahre: Steigend.

Und es gibt auch noch den klassischen Staubsaugervertreter. Dieter Könnes lernt ein älteres Ehepaar kennen, dass immer wieder Vertreterbesuch hatte und bei denen alle Vorurteile gegenüber Staubsaugervertretern wohl zutreffen. Denn dem Ehepaar wurde anscheinend so ungefähr alles verkauft, um nicht zu sagen „angedreht“, was in der Angebotspalette zur Verfügung stand und dementsprechend ein Kaufvertrag unterschrieben.

Kann man vom Vertrag zurücktreten?

Wenn Sie selbst als Haustürgeschäft einen solchen Vertrag abgeschlossen haben, sei es der Einkauf eines Gerätes, oder auch ein Telefon oder Energievertrag können Sie diesen innerhalb von 14 Tagen schriftlich widerrufen. Ein solcher Widerruf wirkt so, als hätten sie den Vertrag nie abgeschlossen. Sollten sie über diese Frist nicht oder falsch informiert worden sein, verlängert sich die Frist um ein Jahr (Quelle: bundesnetzagentur). Diese Käufe unterliegen derselben Rechtslage wie online abgeschlossene Verträge.

Wenn es ums Geld geht, dann kann man als Verbraucher auch einmal Böse reinfallen, wenn man eigentlich doch etwas Gutes tun wollte. Ein Beispiel: unseriöse Spendensammler, die nur vorgeben, für einen guten Zweck Geld zu sammeln. Denn in Deutschland wird viel und gerne gespendet, besonders Richtung Weihnachten nimmt die Bereitschaft zu. Und auch hier bewegen sich unseriöse Vereine, Initiativen und Projekte, denen es nicht um den guten Zweck geht, sondern um ein gutes Geschäft für das eigene Unternehmen.

Schätzungsweise gehen jährlich bis zu 400 Millionen Euro an unseriöse Organisationen, laut Deutschem Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Das sind zwar nur 5 % der gesamten Spendenaufkommen in Deutschland, aber doch eine Summe, die auch diese dubiosen Firmen oder Hintermänner anziehen kann.

Wie erkenne ich, ob man meine Spende an eine seriöse Organisation geht?

Das erkennen Sie am einfachsten an einem etablierten Spendensiegel. Die größten sind:

  • DZI-Siegel. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen besteht seit 125 Jahren und vergibt das Siegel für jeweils ein Jahr. Das DZI informiert aber auch über Organisationen ohne das Siegel und führt eine Liste unseriöser Organisationen.
  • Initiative Trans­parente Zivilgesellschaft (ITZ). Die Initiative hat zehn Regeln definiert, die jede Organisation einhalten muss. Dazu gehören die Angaben über die Projekte, die Finanzen und die Nennung der Entscheidungsträger.
  • Deutscher Spenderrat. Die Regeln hier ähneln der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.
  • Venro Verhaltenskodex. Venro steht für Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen, und wurde im Jahr 2008 gegründet. Er verlangt Transparenz und eine Erfolgskontrolle.

Da diese Siegel allesamt nicht kostenfrei für die Organisationen sind, gibt es auch viele seriöse Projekte und Vereine ohne Siegel. Hier muss man als Spender selbst die Augen offenhalten. Besonders wichtig ist es, dass der Verein oder die Organisation seine Finanzen offenlegt, denn wer Gutes tut, hat nichts zu verbergen.

Stand: 26.10.2018, 15:00

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