Wie funktioniert Hermes?

Das Bild zeigt eine Grafik zur Organisationsstruktur von Hermes.

Wie funktioniert Hermes?

Erneut gelingt es ihm, dort einen weiteren Lockvogel als Paketfahrer einzuschleusen. Das Resultat: Hermes hat zwar den Depotbetreiber ausgewechselt, aber auch heute noch bekommen hier Fahrer nicht den gesetzlichen Mindestlohn, sondern werden pro Paket bezahlt. Und nicht nur das: die knapp 2 Stunden Arbeitszeit, in denen die Fahrer früh morgens die Wagen beladen, werden offenbar gar nicht bezahlt. Dieter Könnes leitet die Informationen erneut an die ermittelnden Behörden weiter, die Ermittlungen aus dem letzten Jahr laufen noch.

Eines der größten Logistikunternehmen

Hermes gehört zum Otto-Konzern, wurde ursprünglich als Paketdienst für das eigene Versandhaus gegründet. Heute ist Hermes eines der größten Logistikunternehmen weltweit, die Frage der Zuständigkeiten ist hier auf eine ganz eigene Art geregelt.

Die Konzernzentrale liegt in Hamburg. Die Pakete werden zunächst auf große Logistikzentren verteilt. Von hier aus geht es weiter zu sogenannte Depots. Der Großteil, nämlich 280 Depots, werden von Vertragspartnern, den Generalunternehmern betrieben. Diese bringen die Ware dann zum Kunden: entweder von Fahrern des Depots, oder von Fahrern, die wiederum für Subunternehmer des Depots arbeiten. Von den insgesamt etwa 11.000 Zustellern sind aktuell nur 500 direkt bei Hermes angestellt.

Wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich?

Das System Hermes baut auf Vertragspartnern auf, gibt über Verträge aber Laufzeiten, Paketpreise und damit die wesentlichen Rahmenbedingungen vor.

Bei seiner Recherche trifft Dieter Könnes gleich auf mehrere dieser Partner, die Insolvenz anmelden mussten und sich vom Konzern im Stich gelassen fühlen. Sie behaupten, zu den Rahmenbedingungen, die Hermes ihnen bietet, sei ein wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich - jedenfalls nicht, wenn man sich an alle gesetzlichen Vorgaben hält.

Kein Interview vor der Kamera

Schlechtes Beschwerdemanagement gegenüber Kunden, unterbezahlte Fahrer und wirtschaftlich scheiternde Hermes Sub-Unternehmer - gerne hätte Dieter Könnes darüber mit dem Geschäftsführer des Konzerns gesprochen. Über Wochen gab es viele Telefonate und Mails, es gab ein Vorgespräch mit dem Konzernchef in der Zentrale in Hamburg - doch als es um ein Interview vor der Kamera ging, war auch der neue Geschäftsführer, wie schon sein Vorgänger im Jahr zuvor, nicht zu einem Interview vor der Kamera bereit.

Immerhin erklärte der Konzern, den Mindestlohn von Paketfahrern ab 2019 auf über 10 Euro anheben zu wollen, sukzessive solle die interne Lohnuntergrenze auf mindestens 12 Euro die Stunde steigen.

Antworten nur schriftlich

Nur sind von aktuell 11.000 Paketboten nur 500 Fahrer direkt bei Hermes beschäftigt. Da Hermes selbst immer wieder die Eigenständigkeit und –Verantwortlichkeit seiner Vertragspartner betont, bleibt abzuwarten, wie ein solches Ansinnen tatsächlich umgesetzt werden soll. Statt eines Interviews vor der Kamera blieb uns nur, unsere Fragen schriftlich zu stellen. Die Beantwortung finden Sie hier:

Stand: 07.11.2018, 19:00

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