Miese Maschen im Speditionsgeschäft - draufgezahlt und ausgebeutet

Miese Maschen im Speditionsgeschäft - draufgezahlt und ausgebeutet Könnes kämpft 17.10.2018 44:03 Min. UT Verfügbar bis 17.10.2019 WDR

Miese Maschen im Speditionsgeschäft - draufgezahlt und ausgebeutet

Was tun, wenn man nur einen Schrank oder einen Sessel verschicken will? In der Regel beauftragt man damit eine Spedition. Damit das nicht zu sehr ins Geld geht, gibt es nun eine gute Lösung: Sogenannte Beiladungen. Das bedeutet, das Transportgut wird mit auf einen LKW geladen, der ohnehin fährt. So werden die Kosten minimiert. Eigentlich genial, wenn denn auch jemand kommt und die Ware abholt.

Wie funktioniert das Geschäft mit Beiladungen?

Beiladungen sind Fracht-Kapazitäten in Transportern auf einer bestimmten Route.

Beiladungen sind Fracht-Kapazitäten in Transportern auf einer bestimmten Route. Wenn der Kunde einen Transport beauftragt, landet dieser in einer Börse, die wie ein Internet-Auktionshaus funktioniert. Das heißt, dass es für verschiedene Teilabschnitte einer Strecke auch verschiedene Anbieter geben kann, bis der Auftrag seinen Zielort erreicht. Dafür braucht es Vermittler, die für den Kunden die zahlreichen Transporteure organisieren.

Eigentlich ein Modell von dem Kunden profitieren, aber auch schwer zu durchschauen. Denn in dem von uns recherchierten Fall verdienen schwarze Schafe viel Geld mit Vorkasse und Stornogebühren:

Mit Beiladungen zu besonders günstigen Preisen werden Kunden geködert und um ihr Geld gebracht. Doch wie kann ich mich vor unseriösen Anbietern schützen?

Der wichtigste Tipp ist: Zahlen Sie nicht per Vorkasse. Ein seriöser Händler akzeptiert auch andere Zahlungsarten. Ein Händler, der eine Zahlung ausschließlich per Vorkasse und Überweisung akzeptiert, ist zumindest verdächtig.

Weitere Anzeichen, die auf einen Fake-Shop hinweisen können:

  • Ein extrem günstiger Preis: Wenn der Anbieter deutlich unter allen anderen Mitbewerbern liegt, kann das ein Hinweis auf einen unseriösen Händler sein.
  • Online Bewertungen: Die Bewertungen auf der Shop-Seite selbst kann der Betreiber leicht fälschen. Sollten sich aber negative Bewertungen auf unabhängigen Seiten häufen, ist es ein wichtiger Hinweis, Vorsicht bei der Bestellung walten zu lassen.
  • Das Impressum: Im Impressum sollte die vollständige Adresse der Firma, die Nummer des Handelsregisters, eine Mailadresse und auch eine Telefonnummer sein. Die Richtigkeit dieser Angaben ist allerdings schwer zu überprüfen.
  • Falsche Gütesiegel: Betreiber unseriöser Shops schmücken sich gerne mit falschen Gütesiegeln. Sollte beim Klick auf das Siegel nicht das Zertifikat des Siegel-Anbieters verlinkt sein, ist es wahrscheinlich eine Fälschung.

Könnes kämpft behandelt außerdem das Phänomen der sogenannten „Polensprinter“.  Kleine LKW bis 3,5 Tonnen, in denen Fahrer für Dumpinglöhne auf deutschen Autobahnen unterwegs sind. Diese Lieferwagen werden immer mehr eingesetzt:

Miese Maschen im Speditionsgeschäft

Das größte Problem hier: Die Fahrzeuge müssen keinen digitalen Fahrtenschreiber haben und sind somit weit schlechter kontrollierbar als größere Transporter. Darunter leiden die meist osteuropäischen Fahrer, die durch Übermüdung hinterm Steuer zu einer Gefahr für alle Autofahrer werden.

Sprinter kommen von Osteuropa nach Deutschland.

In Richtung Verkehrsministerium fordert der Deutsche Speditions- und Logistikverband, kurz DSLV, dass auch Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen unter das Güterkraftverkehrgesetz fallen müssen, sofern sie für den gewerblichen Güterverkehr genutzt werden. Dieses Gesetz regelt den gewerblichen Verkehr von Waren und schafft allgemein gültige Standards. Auch die Einführung einer Maut für Fahrzeuge unter 7,5 Tonnen ist Bestandteil der Forderungen des Verbandes mit Sitz in Berlin.

Ein Transportmodell, das auch deshalb immer wichtiger wird, weil jede Ware, die im Netz bestellt wird, möglichst schnell beim Verbraucher ankommen muss. Und alle machen mit – auch die Branchenriesen, wie der Film zeigt.

Stand: 17.10.2018, 17:00

Weitere Themen

Unsere Videos