Täuschen, betrügen, bedrohen – wenn der Gebrauchtwagen zum Albtraum wird

Täuschen, betrügen, bedrohen – wenn der Gebrauchtwagen zum Albtraum wird

Würden Käufer 20.000 Euro für ein Auto mit wirtschaftlichem Totalschaden ausgeben? Sicher nicht. Vorausgesetzt: Sie wissen es! Doch das tun viele Kunden nicht – und genau das nutzen Betrüger gezielt aus.

So ist es auch einem Ehepaar aus Bad Oeynhausen ergangen, das ein sogenanntes Re-Import-Auto aus den USA gekauft hat. Außen hui, innen pfui – nie traf dieser Satz mehr zu.

Es stellte sich heraus, dass das Auto zwar aus den USA kam, aber einen Totalschaden hatte und in Litauen wieder „aufgemöbelt“ wurde. In Deutschland wurde es ihnen dann als normaler Gebrauchtwagen aus den USA verkauft.

Re-Import-Autos aus den USA

Worauf sollte man als Käufer eines Gebrauchtwagens aus den USA achten?

  1. Bei US-Autos sollte man die Fahrzeugnummer vor dem Kauf überprüfen. Rückt der Händler die nicht raus sollte, man besser die Finger davon lassen.
  2. Mit dieser Fahrzeugnummer kann man das Auto bei Carfax überprüfen. Carfax ist eine kostenpflichtige Onlineplattform, auf der man die Historie von Autos recherchieren kann, die in den USA zugelassen waren. Betrieben wird Carfax von einem privaten Anbieter, eine Abfrage kostet pro Fahrzeug rund 40 Euro. Der Service greift auf Dokumente zurück, die in den USA zentral gespeichert sind. Darin enthalten: Alle Informationen zu Zulassung, Vorbesitzer, Werkstattbesuchen oder Schäden und Unfällen. In den USA sind Werkstätte verpflichtet, jeden Eingriff am Auto zentral zu melden.
  3. Wer ganz sicher gehen will, lässt bei einer Fachwerkstatt einen Gebrauchtwagencheck machen. Kostenpunkt: rund 75 Euro.

Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Beim Gebrauchtwagenkauf kann man allerdings auch einiges selber checken. Auf folgende Punkte sollten Sie achten:

  1. Farbton: Haben alle Bauteile genau dieselbe Farbe? Wenn es Unterschiede gibt, dann gab es einen Schaden und es wurde nachlackiert.
  2. Abstände von Spalten: Checken Sie die Abstände der Bauteile – z.B. den Abstand vom Kotflügel und der Stoßstange – wenn der Abstand nicht gleichmäßig groß ist, dann ist das Auto verzogen und das ist ebenfalls ein Zeichen eines Unfallwagens.
  3. Gebrauchsspuren an Schrauben: Sind Kratzspuren an den Verschraubungen? Dann wurden diese Schrauben schon mal gelöst um etwas auszutauschen.
  4. Scheinwerfer: Sind die Scheinwerfer links und rechts vom selben Hersteller? Wenn nicht, dann könnte einer der Scheinwerfer bei einem Unfall beschädigt worden sein, sodass er ausgetauscht werden musste.

Maschen beim Verkauf von Gebrauchtwagen im Netz

Auch wer ein Auto verkaufen will, kann ins Fadenkreuz dubioser Händler geraten. Eine automatische Telefonsoftware für Autohändler ermöglicht binnen Sekunden Zugriff auf Inserate, die für normale User noch gar nicht online sind. Hunderte Anrufe in wenigen Minuten und angeblich bindende Kaufverträge auf dem Handy sind die Folge – so geschehen bei einem jungen Paar aus Essen.

Wer im Internet etwas verkauft, gibt dazu in der Regel seine Telefonnummer an. Autohändlern wird im Netz eine spezielle Software angeboten, die permanent das Netz nach Auto-Anzeigen scannt und auf Wunsch auch automatisch Anrufe ausführt.

Die Software wird von privaten Anbietern verkauft und kostet pro Monat rund 100 Euro. Sie funktioniert auf allen bekannten Auto-, Auktions- und Kleinanzeigenbörsen. Der Clou: Wer die Software nutzt, kann auf Anzeigen zugreifen, Minuten bevor private Nutzer sie überhaupt sehen können.

Das Gemeine: Privatkunden kommen an günstige Wagen oft nicht mehr heran, weil gewerbliche Händler den Markt schon vorher abgegrast haben.

Tipps um Scanner-Software zu umgehen

Wie kann man verhindern, dass Händler mithilfe einer Software vorzeitig Zugriff auf eine Anzeige im Netz bekommen und anrufen? Ganz einfach: Einfach keine Handynummer angeben oder die Handynummer nicht im dafür vorgesehenen Feld eintragen, sondern z.B. im Nachrichtenfeld. So umgeht man den Algorithmus der Software. Ein weiterer Tipp ist es eine angegebene Zahl ausgeschrieben anzugeben, auch das umgeht den Algorithmus. 

Dubiose Händler nutzen die Software, um durch eine schnelle WhatsApp-Nachricht vermeintlich einen Vertrag abzuschließen. Aber kommt hier überhaupt ein Vertrag zustande? Nach Meinung von Rechtsanwalt Volker Thiele-Salih braucht man sich diesbezüglich keine Sorgen zu machen. Es kommt kein Vertrag zustande. 

Stand: 19.10.2018, 15:22

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