Il Divo

Szene aus "IL DIVO"

Italien 2008

Il Divo

Seit vier Jahrzehnten ist Giulio Andreotti wechselweise an der Macht in Italien. 1991 wird der eher kleine und leicht bucklige Politiker zum siebten Mal zum italienischen Ministerpräsidenten gewählt. Stets gelassen und voller Kalkül führt der Christdemokrat seine Partei und die jeweiligen Regierungen. Wenn alle um ihn herum in Rom noch schlafen, ist er bereits wach und lässt sich von seinen Bodyguards zum Beten in die Kirche geleiten. Während er darauf bedacht ist, so wenig wie möglich über sich selbst preiszugeben, sammelt er alle und besonders pikante Informationen über seine Rivalen, um sie im richtigen Augenblick zu seinem Vorteil nutzen zu können.

In privaten Gesprächen und bei öffentlichen Auftritten rechtfertigt er mit Selbstverständlichkeit die geheimdienstlichen Verbrechen, die bewusst fälschlich den Roten Brigaden zugeschrieben wurden, um die Parteien der Mitte - wie seine Democrazia Cristiana - zu stärken. Macht geht ihm über alles. Er pflegt Verbindungen zur Mafia und lässt seine politischen Gegner und sogar eigene Kollegen wie Aldo Moro aus dem Weg schaffen. Selbst ist er jedoch über jeden Vorwurf erhaben. Noch 1993, als er erstmals vor Gericht gestellt wird und ihm seine Geschäfte mit der Mafia zur Last gelegt werden, kann ihm letztlich keine Straftat nachgewiesen werden.

"Il divo von Paolo Sorrentino ist eine theatrale, grandios choreografierte Metapher auf den bösen Ruhm des Giulio Andreotti, den sie in Italien den Buckligen, den Fuchs, den schwarzen Papst und sogar den Beelzebub nennen. Genauso gut aber funktioniert der Film als Metapher auf Italien überhaupt, auf ein autoritätsverliebtes Land, das seine einmal gewählten Anführer stets hemmungslos gewähren lässt, wenn sie nur skrupellos genug auftreten, bis an den Rand der Diktatur oder auch darüber hinaus - von Mussolini über Andreotti bis Berlusconi." (Jan Schulz-Ojala, Der tagesspiegel, 15.4.2009)

"Wer Italien verstehen will, muss Il Divo sehen." (Petra Reski, Die Zeit, 19.4.2009)

Il Divo wurde am 23. Mai 2008 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Zahlreiche Auszeichnungen folgten u.a. sieben Donatellos und der Europäische Filmpreis für Toni Servillo als Bester Darsteller.

Darsteller
Giulio Andreotti (Toni Servillo)
Livia Danese (Anna Bonaiuto)
Eugenio Scalfari (Giulio Bosetti)
Franco Evangelisti (Flavio Bucci)

Stab
Buch und Regie: Paolo Sorrentino
Musik: Theo Teardo

Stand: 13.12.2018, 17:21

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