Vorsicht bei Auslandsbestellungen

Stand: 20.04.2021, 06:00 Uhr

Beim Online-Shopping bestellen wir häufig Ware aus dem Ausland. Worauf sollte man dabei achten? Wie verhält es sich mit Steuern, Zoll und Versandgebühren? Darüber sprechen wir mit Thomas Bradler, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Zollgebühren, Steuern Versandgebühren

Ob Schuhe, Schmuck, Kleidung oder Elektronik – alles können wir bequem mit wenigen Klicks im Internet kaufen. Häufig bestellen Verbraucher dabei Ware allerdings aus dem Ausland – oftmals, ohne das zu wissen. Aber wer Waren bei Onlineshops im Ausland kauft, muss mit zusätzlichen Zollgebühren, Steuern und Versandkosten rechnen.

Das Bild zeigt einen Zollbeamten, der ein Paket wieder zuklebt.

Der Zoll kontrolliert Bestellungen aus dem Ausland.

Neben den Zollgebühren können auch noch einmal Steuern hinzukommen. Dabei gilt: Für Waren aus Ländern außerhalb der EU im Wert von 45 bis 700 Euro fallen 15 Prozent Steuern an. Und mogeln sollte man da nicht: „Der Zoll macht stichprobenartige Tests, ob die Angaben auch den Tatsachen entsprechen“, erklärt Bradler.

Einfuhrumsatzsteuer für Ware aus Großbritannien

Großbritannien zählt seit dem Brexit nicht mehr zur EU. Dazu gibt es ein Abkommen vom 24. Dezember 2020. „Danach muss die Ware nicht verzollt werden, unterliegt aber der Einfuhrumsatzsteuer. Diese wird fällig ab einem Einkauf über 22 Euro“, erklärt Bradler.

Gefälschte Waren

Weiteres Risiko: Insbesondere aus Fernost kommt häufig gefälschte Ware. „Dadurch können Urheber- und Markenrechte verletzt werden“, erklärt der Verbraucherschützer. „Dann kann es sein, dass man vom Zoll einbestellt wird und die Ware teuer auslösen muss.“ Und behalten darf man sie dann trotzdem nicht. „Solche Waren werden dann vom Zoll vernichtet.“

Welche Rechte hat man ?

Bei einem Kauf innerhalb der EU hat man unter anderem ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das bedeutet: Der Kunde kann zwei Wochen nach Erhalt der Ware den Kauf widerrufen.

Gerade in diesem Punkt gebe es mit Händlern aus dem Ausland häufig Probleme, sagt Thomas Bradler. „Entweder gibt es keine Adresse, an die die Verbraucher die Ware zurückschicken können, oder sie sollen die Kosten für den Rücktransport selbst übernehmen.“ Und das Geld werde in der Regel auch nicht zurückgezahlt.

Symbolbild Online Bestellung / Tastatur mit 20 Euro Note

Die Warenrücksendung ins Ausland kann teuer werden.

Verbraucher hätten zwar im Grunde diese Rechte auch im Ausland, diese durchzusetzen, sei aber sehr schwer, sagt Thomas Bradler. Die Erfolgsaussichten etwa einen Anbieter in Asien dingfest zu machen, seien sehr gering. Und der Aufwand sehr groß. 

Unter Umständen kann es jedoch auch sein, dass deutsches Recht gilt – obwohl der Verkäufer im Ausland sitzt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Anbieter überwiegend in Deutschland tätig ist. Hinweise darauf können eine Telefonnummer mit deutscher Vorwahl auf der Homepage oder die Kundenkommunikation in deutscher Sprache sein.

Was zudem in solchen Fällen helfen kann: Einige Verkaufsplattformen bieten ihren Kunden einen Käuferschutz. So erstatten etwa Amazon, Ebay oder Paypal unter Umständen den Kaufpreis, falls es Probleme mit dem Verkäufer gibt.

Darauf sollte man achten

Beim Online-Shopping sollte man zunächst immer genau schauen, wo die Ware herkommt, rät Thomas Bradler. Ein erster Hinweis auf einen Shop im Ausland kann eine ungewöhnlich lange Lieferzeit sein. Zu erkennen ist das zudem am Impressum. Außerdem müssen auch Plattformen wie Ebay darauf achten, dass Kunden erkennen können, wo der jeweilige Händler seinen Sitz hat.

Das Bild zeigt eine Computertaste mit der Aufschrift Fake-Shop.

Vor Fakeshops im Internet müssen Sie sich besonders in Acht nehmen.

Findet man keine entsprechenden Angaben, sollte man bei diesem Shop nichts bestellen, rät Thomas Bradler. Dann hat man nicht nur schlechte Karten, wenn es Probleme gibt. Unter Umständen handelt es sich dann auch um einen Fakeshop.

Ein weiterer Hinweis auf einen Fakeshop kann sein: Die Daten aus dem Impressum liefern keine Ergebnisse bei Google-Maps, die Preise sind unverhältnismäßig günstig oder die Texte sind fehlerhaft. 

Bevor man Ware aus dem Nicht-EU-Ausland bestelle, sollte man sich immer fragen: Ist es das Risiko wert, dass es länger dauert, unter Umständen durch Steuern und Gebühren teurer werden kann, und man im Fall des Falles keine rechtliche Handhabe hat?

Und grundsätzlich gilt: Möglichst per Rechnung oder Lastschrift bezahlen – und nie per Vorkasse oder mit Kreditkarte.