Vergiftung beim Hund: Was tun?

Hier und heute 01.06.2021 08:52 Min. Verfügbar bis 01.06.2022 WDR

Vergiftung beim Hund – was tun?

Stand: 01.06.2021, 06:00 Uhr

Die meisten von uns haben schon mal einen Erste Hilfe Kurs besucht, um Menschen im Notfall helfen zu können. Aber wie retten wir unseren Hund bei einer Vergiftung? Mit Tierarzt Dr. Ralf Unna schauen wir auf Gefahren und Symptome und wie wir damit umgehen.

Egal ob beim Gassi gehen, im Garten oder in den eigenen vier Wänden – unsere Hunde sind vielen Gefahren ausgesetzt. Dr. Ralf Unna rät: „Grundsätzlich sollte man sich mit einem Hund im Haushalt verhalten wie mit einem kleinen Kind.“ Also: Medikamente, Putz- und Reinigungsmittel oder Gartenchemie aus der Reichweite verbannen.

Stoffe, die gefährlich sein können

Lebensmittel

Hand bricht ein Stück Schokolade von einem Riegel ab

Schokolade ist für Hunde nicht bekömmlich.

Aufgepasst bei großen Mengen Salz, Mehl und stark gewürzten Lebensmitteln! Hunde sollten auch weder Schokolade noch Weintrauben, Rosinen oder Koffein fressen. Leckt der Hund auf der Straße Erbrochenes von alkoholisierten Menschen auf, ist das ebenfalls gefährlich für ihn.

Chemische Stoffen

Medikamente in einem Versandumschlag

Arzneimittel wie Tabletten können Hunden schaden.

Vorsicht auch bei chemischen Stoffen, wie Rattengift, Frostschutzmittel, Haushaltsreiniger oder Medikamente. Manche Schmerzmittel in Form von Kautabletten, schmecken Hunden besonders gut. Diese sollten daher nicht herumliegen lassen. Eine zu hohe Dosis dieser Medikamente kann zu einer Vergiftung beim Hund führen und die Leber und die Nieren schädigen.

Pflanzenschutzmittel wie Schneckenkorn sollten Sie ebenfalls von Ihrem Vierbeiner fernhalten. Das gleiche gilt für die kleinen, weißen Beutel, die man häufig in Verpackungen findet, Silicat-Gel Beutel oder Trockenmittel-Beutel.

Giftige Pflanzen

Es gibt auch einige Pflanzen, die für Hunde gefährlich werden können. Dazu gehören Weihnachtsstern, Gummibaum, Rizinus, Eibe, Oleander. In Dr. Ralf Unnas Praxis kommen solche Fälle aber eher selten vor. Besonders gefährdet sind hierbei vor allem Welpen. Sie sind besonders neugierig und verspielt.

 

Symptome bei Vergiftung

Typische Symptome bei einer Vergiftung sind Übelkeit und Speicheln, Durchfall und Erbrechen, blutige Punkte auf den Schleimhäuten, blutiger Urin, zentralnervöse Störungen z.B. Krämpfe, Muskelzittern, Lähmungen und Bewusstlosigkeit.

Wie gefährlich die Vergiftung sei, hänge von der Dosis und der Art des Giftstoffs ab. Hat Ihr Hund eine hohe Dosis aufgenommen, müssen Sie unbehandelt mit einem Herz- oder Nierenversagen sowie tödlich verlaufenden Leberschäden rechnen. „Aber in den meisten Fällen geht es glimpflich aus“, weiß der Tierarzt aus Erfahrung.

Erste-Hilfe Maßnahmen im Notfall

Beim Verdacht auf Vergiftung, sollten Sie schnellst möglichst zur Tierärzt*in. „Bringen Sie unbedingt die entsprechende Verpackung des Mittels oder die Pflanze mit“, so der Experte. Machen Sie dort möglichst sachlich darauf aufmerksam, dass es sich um einen Notfall handelt.

Wichtig: Bringen Sie Ihren Hund nicht selbst dazu, zu erbrechen, warnt Dr. Ralf Unna. Und: „Hände weg von Selbstmedikation!“ Im Internet ließen sich zwar Erste-Hilfe-Tipps für den Fall einer Vergiftung nachlesen, die meisten seien jedoch kaum praktikabel oder können sogar lebensgefährlich sein. „Wurden ihm ätzende Stoffe oder scharfkantige Gegenstände verabreicht, könnten Sie dadurch seinen Zustand verschlimmern“, sagt Dr. Unna.

Lassen Sie Ihren Hund auch beim Gassi gehen nicht aus den Augen. Stellen Sie giftige Lebensmittel immer an unerreichbare Plätze oder lagern Sie diese in verschlossenen Schränken

Giftköder Erste Hilfe

Hunde können darauf trainiert werden, ihre Beute zum*r Besitzer*in zu bringen.

Hundeschulen bieten so genannte Anti-Giftköder-Trainings an. „Die laufen nach dem Prinzip ,Beute-Tausch‘“, erklärt Dr. Ralf Unna. Sie basierten auf der Konditionierung des Hundes, alles Interessante, was er findet, zunächst seinem Besitzer zu bringen, statt es sofort zu vertilgen. Dort bekomme er dann ein Leckerchen.

Wer den Verdacht hat, sein Tier könnte sich vergiftet haben, kann außerdem die Nummer Informationszentrale gegen Vergiftungen für Nordrhein-Westfalen in Bonn anrufen:

Tel.: 0228/ 19 240. Einen eigenen Giftnotruf nur für Tiere gibt es bisher nicht.