Bußgeld

Stinkefinger, Vollpfosten und Co. – teure Beleidigungen

Stand: 22.02.2022, 06:00 Uhr

Statt der fälligen 20 Euro für zu schnelles Fahren, muss ein Autofahrer in Ratingen 1200 Euro zahlen, weil er dem Polizisten am Blitzer den Stinkefinger zeigte. Wie teuer Beleidigungen werden können, klären wir mit Rechtsanwalt Arndt Kempgens.

Beleidigungen gegenüber Polizeibeamt: innen nehmen stark zu – das bestätigt auch Arndt Kempgens. Doch schon vermeintlich harmlose Äußerungen können Konsequenzen haben. So gebe es etwa ein Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts, bei dem jemand 200 Euro Strafe zahlen musste, weil er zu einer Polizistin „Du Mädchen“, gesagt hatte.

Teuer „Vollpfosten“

 Ein anderer bekam 1500 Euro aufgebrummt, weil er einen Polizisten als „begnadeten Vollpfosten“ bezeichnet hatte. Auch Fingerzeichen können teure Folgen haben – wie das Beispiel des Autofahrers in Ratingen zeigt.

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Empfindliche Strafen drohen auch dem, der Fremde, Nachbarn oder andere Verkehrsteilnehmer beleidigt. Für Schimpfwörter wie „Arschloch“ werden Strafen von 500 bis 5000 Euro fällig. Bei Beleidigungen mit sexistischem oder rassistischem Hintergrund verdoppeln beziehungsweise vervierfachen sich die Strafen, laut Arndt Kempgens. In extremen Fällen drohen gar Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren.

Wie hoch die Strafe ausfällt, richtet sich zudem nach den Vermögensverhältnissen der Angeklagten. „Für Beleidigung gibt es in der Regel zwischen zehn und 30 Tagessätze“, erklärt Arndt Kempgens. Bei einem Fußballprofi könnte die Strafe daher auch bei 30 000 Euro liegen. „Das wird so gemacht, damit so eine Strafe für jeden gleich spürbar ist.“

Stinkefinger und Co.: Wann Ausraster teuer werden

Hier und heute 22.02.2022 07:22 Min. Verfügbar bis 22.02.2023 WDR

Öffentliche Beleidigung

Außerdem gilt: Je mehr Menschen die Beleidigung mitbekommen, desto höher die Strafe. Jemanden bei Facebook zu beleidigen sei also im Grunde viel schlimmer als es ihm das auf der Straße ins Gesicht zu sagen, so Rechtsanwalt Kempgens. Es gelte dann nämlich als „öffentliche Beleidigung.“. So zahle die Einzelperson für eine Beleidigung im Netz vielleicht 500 Euro. „Beim Influencer mit 100 000 Followern können das für die selbe Beleidigung aber schon 5000 Euro sein.“  

Was bestraft wird – und was nicht

Ob es überhaupt eine Strafe gibt oder nicht, hängt davon ab, ob es sich dabei tatsächlich um eine Beleidigung oder lediglich um eine Unhöflichkeit handelt, sagt Kempgens. Dabei gilt: „Alles, was andere herabwürdigt, zählt als Beleidigung.“

Die Grenzen seien allerdings häufig fließend, denn auch das Umfeld spiele eine wichtige Rolle: „So kann beispielsweise im Fußballstadion oder unter Arbeitskollegen auf der Baustelle die ruppige Bezeichnung als 'Lusche' oder 'Idiot' straflos sein“, sagt Kempgens. „In Bank oder Büro hingegen wäre die gleiche Äußerung strafbar.“

Bei den Fingerzeichen gilt: „Der Mittefinger ist in der Regel strafbar", sagt Kempgens. „Der Zeigefinger hingegen ist in der Regel ok." Denn das gelte häufig nur als eine angedeutete Beschwerde. Allerdings gibt Kempgens zu bedenken: „Das kann man im Einzelfall aber auch beides anders sehen."

Und schließlich komme es auf die Reaktion des Gegenübers an. So können wechselseitige Beleidigungen straffrei sein. Wenn sich Zwei gegenseitig beleidigen, bekomme keiner eine Strafe. „Das ist die einzige Straftat, bei der es so etwas gibt.“

Wer sicher gehen will, sollte einfach nett zu seinen Mitmenschen sein.

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