Verschollene Obstsorten

Verschollene Obstsorten

Im Zuge großflächiger Rodungen sind in den 60er Jahren viele Streuobstwiesen und damit verbunden auch ganze Obstsorten verschwunden. Dabei gelten einige der alten Obstsorten als deutlich resistenter und gesünder. Barbara Bouillon von der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis versucht, diese verschollenen Obstsorten wieder zu finden. Wir haben ein paar Beispiele zusammengestellt. Vielleicht können mit Ihrer Hilfe ein paar der Sorten wiederentdeckt werden.

Cardorfer Frühe

Cardorfer Frühe (Süßkirsche)
Reifezeit: 2. Kirschwoche (im Bonner Raum etwa 5.-10. Juni)
Frucht: groß, breit herzförmig, leicht abgestumpft, Fruchtseiten etwas abgeflacht, Fruchtstiel mittellang
Fruchtschale: dunkelbraunrot – schwarzbraun, glänzend
Fruchtfleisch: braunrot, saftig, ziemlich fest, Saft dunkelrot
Stein: klein, rundlich, meist ohne Spitze
Blüte: früh – mittelfrüh, oft mit dem Laub erscheinend
Baum: starkwüchsig, zunächst aufrecht, später breiter wachsend
Frühere Verbreitung: v. a. an den Vorgebirgshängen zwischen Köln und Bonn, um 1910 etwa ein Viertel des Süßkirschbestandes ausmachend

Cardorfer Frühe (Süßkirsche)
Reifezeit: 2. Kirschwoche (im Bonner Raum etwa 5.-10. Juni)
Frucht: groß, breit herzförmig, leicht abgestumpft, Fruchtseiten etwas abgeflacht, Fruchtstiel mittellang
Fruchtschale: dunkelbraunrot – schwarzbraun, glänzend
Fruchtfleisch: braunrot, saftig, ziemlich fest, Saft dunkelrot
Stein: klein, rundlich, meist ohne Spitze
Blüte: früh – mittelfrüh, oft mit dem Laub erscheinend
Baum: starkwüchsig, zunächst aufrecht, später breiter wachsend
Frühere Verbreitung: v. a. an den Vorgebirgshängen zwischen Köln und Bonn, um 1910 etwa ein Viertel des Süßkirschbestandes ausmachend

Boitzeburger (Süßkirsche)
Reifezeit: 2. – 3. Kirschwoche (im Bonner Raum etwa ab 10. Juni)
Frucht: groß, flachgedrückt, breit herzförmig mit abgeflachter Spitze, Fruchtstiel lang
Fruchtschale: tief schwarzbraun, glänzend
Fruchtfleisch: dunkelrot bis schwarzrot, saftig, fest, Saft dunkelrot
Stein: mittelgroß, etwas länglich
Blüte: mittelfrüh, oft mit dem Laub erscheinend, lang andauernd
Baum: mittelstark wachsend, mit breiter Krone
Frühere Verbreitung: als Handelssorte zwischen Köln und Bonn (Vorgebirgshänge) und am Niederrhein angebaut

Perle von Muffendorf (Pfirsich)
Kernecht, d.h. die Sämlinge zeigen die sortentypischen Merkmale.
Reifezeit: Ende August – Anfang September
Frucht: mittelgroß – groß, rund
Fruchtschale: gerötet
Fruchtfleisch: weißfleischig, um den Stein etwas rötlich, saftreich, wohlschmeckend, gut steinlösend, zum Einmachen geeignet
Baum: ausdauernd, wüchsig, sehr reichtragend
Frühere Verbreitung: an den Hängen von Muffendorf (heute ein Ortsteil im Süden von Bonn) und in der Umgebung angebaut, vereinzelt auch in anderen Teilen Deutschlands und Österreichs
Ähnliche Früchte hat die ebenfalls verschollene Sorte Reghs Liebling, die etwa 10 Tage später reift

Oberpräsident von Schorlemer (Pfirsich)
Reifezeit: Mitte August
Frucht: mittelgroß – groß, rund – oval, mit ungleichen Fruchthälften
Fruchtschale: gerötet, Schattenseite blasser
Fruchtfleisch: saftreich, wohlschmeckend, gut steinlösend, zum Einmachen geeignet
Baum: gedrungener Wuchs
Frühere Verbreitung: an den Hängen von Muffendorf (heute ein Ortsteil im Süden von Bonn) und in der Umgebung angebaut, vereinzelt auch in anderen Teilen Deutschlands und Österreichs

Arbeitsname: Bölkumer Zwerg (Birne)
Reifezeit: Anfang – Mitte September, fällt bei Vollreife
Frucht: klein, etwa 2 – 3 cm im Durchmesser, rundlich - birnenförmig
Fruchtschale: hellgrün, bei Reife nach gelb umschlagend, mit rötlich-oranger Backe, Schalenpunkte gut sichtbar
Fruchtfleisch: hocharomatisch gewürzt, Geschmack ähnlich Williams Christ, gelblich-weiß, mit Steinzellen durchsetzt
Kern: mittelbraun, rundlich 5 x 7 mm, mit seitlich aufsitzender Nase
Blüte: mittelfrüh
Baum: schwach - mittelstark wachsend, mit hochovaler Krone
Fundort: bisher 2 Bäume bei Ruppichteroth-Bölkum, wahrscheinlich zur Herstellung von Birnenkraut oder Birnenbrand genutzt
Der „Bölkumer Zwerg“ ist ein Arbeitstitel. Die Sorte existiert zwar, jedoch kann man den Baum bzw. die Früchte keinem passenden Birnbaum in der Literatur zuordnen. Hier suchen wir also keinen Baum, sondern einen offiziellen Namen!

Und jetzt sind Sie gefragt
Wenn Sie eine der in dieser Galerie abgebildeten Sorten erkannt haben sollten oder wissen, wo ein ähnlicher Baum zu finden ist, dann melden Sie sich bei uns oder direkt bei der Biologischen Station Rhein-Sieg. Haben Sie selbst einen Baum im Garten stehen, den Sie nicht zuordnen können, oder kommen Sie beim Spazierengehen immer an einer unbekannten Obstsorte vorbei? Auch diese Funde können Sie bei Barbara Bouillon melden.

Adresse:
Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V.
Robert-Rösgen-Platz 1
53783 Eitorf

E-Mail: info@biostation-rhein-sieg.de

Stand: 13.09.2019, 13:31 Uhr