Abwassergebühren im Vergleich

Abwassergebühren im Vergleich Hier und heute 13.08.2020 09:54 Min. Verfügbar bis 13.08.2021 WDR

Abwassergebühren im Vergleich

Nicht nur der Verbrauch, auch der Wohnort entscheidet über die Kosten der Abwassergebühren. Wie groß die Unterschiede unter den Städten in Nordrhein-Westfalen sind, woran das liegt und wie wir Kosten sparen können – das erfahren wir von Rik Steinheuer vom Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen.

Ungerechte Abwassergebühren

Der Bund der Steuerzahler hat die Abfall- und Abwassergebühren in den verschiedenen Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen verglichen – und kommt zu dem Schluss: Die Spannbreite ist enorm. 

Woher kommen die unterschiedlichen Kosten?

„Das hat zum einen mit der Topographie zu tun“, sagt Rik Steinheuer vom Bund der Steuerzahler (BdSt). „In einer bergigen Region ist ein Kanalnetz teurer, oder auch wo wenige Menschen auf großer Fläche wohnen.“ 

Das sei aber nur ein Teil der Wahrheit, sagt Steinheuer. Denn es gebe noch einen weiteren Grund für die großen Preisunterschiede: „Die Kommunen haben Spielräume bei der Kalkulation“, sagt Steinheuer. Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kalkulationsmodelle – ein für die Bürger teures und ein günstiges. 

Kritik an der Berechnung

Die Kritik des BdSt: Rund die Hälfte der Städte und Gemeinden in NRW berechne die Abwassergebühren auf Grundlage des für die Bürger teureren Modells – ohne, dass es dafür eine Notwendigkeit gebe. 

Das müsse sich ändern, fordert der Bund der Steuerzahler – und hat daher eine Musterklage beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht. „Davon erhoffen wir uns, dass dem ein Riegel vorgeschoben wird.“ 

Was können Verbraucher tun

Betroffenen Bürgern rät Rik Steinheuer, gegen den nächsten Abwassergebühren-Bescheid Widerspruch einzulegen. „Der Bescheid kommt immer so um den Jahreswechsel.“ Im Anschluss sollten sie dann versuchen, „sich an den Musterprozess mit dranzuhängen.“ 

Außerdem können Verbraucher auch selbst die Höhe ihrer Abwasser-Rechnung zu einem gewissen Teil beeinflussen. Hierfür muss man zunächst wissen, wie die Abwassergebühren berechnet werden: „In der Regel wird mir die Menge, die ich an Frischwasser beziehe, automatisch auch als Abwasser in Rechnung gestellt“, erklärt Steinheuer. „Es wird also unterstellt, dass das ganze Wasser auch anschließend in der Kanalisation landet.“ 

Wasseruhr an Wasseranschluss im Garten

Eine Frau gießt mit dem Gartenschlauch einen Rhododendron

Tipp: Wasseruhr an den Wasseranschluss anbringen.

Das sei aber häufig nicht der Fall. Wenn jemand mit dem Wasser etwa seine Blumen im Garten gieße, dann werde dafür ja gar nicht die Kanalisation in Anspruch genommen. Sein Tipp: „Man kann am Wasseranschluss im Garten eine zusätzliche Wasseruhr anbringen.“

Mit dieser lasse sich dann nachweisen, wie viel Wasser gar nicht in die Kanalisation geflossen ist – und dafür müsse man dann auch keine Abwasser-Gebühren bezahlen. 

Wasserverbrauch verringern

Und klar – wer seinen Verbrauch verringere, der spare natürlich doppelt. „Da packt man das Problem an der Wurzel“, sagt Steinheuer. „Denn dann zahlt man zum einen weniger fürs Frischwasser und gleichzeitig weniger fürs Abwasser.“ 

Glas wird mit Leitungswasser aufgefüllt.

Gegen Abwassergebühren kann Widerspruch eingelegt werden.

So könne man zum Beispiel das Wasser aus dem Kinder-Planschbecken anschließend zum Blumen-Gießen benutzen. „In einem langen trockenen Sommer kann sich das schon lohnen“, sagt Steinheuer. Oder auch eine Regentonne oder eine Toiletten-Spartaste bringe schon etwas. 

Und eine gute Nachricht gibt es dann doch für alle, die in einer Stadt oder Gemeinde mit hohen Abwassergebühren leben: „Je höher die Gebühren, desto größer ist auch das Einsparpotenzial.“

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Stand: 13.08.2020, 06:00

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