Die richtigen Kopfhörer

Stand: 03.03.2021, 06:00 Uhr

Überall nutzt man sie, überall braucht man sie – Kopfhörer werden mehr denn je genutzt. Beim Homeschooling, Homeoffice, beim Jogging oder Videotelefonat. Worin unterscheiden sie sich und worauf sollte man beim Kauf achten? Christian van de Sand von der Stiftung Warentest gibt Tipps.

Die verschiedenen Modelle

Stiftung Warentest hat die besten Bluetooth-Kopfhörer der vergangenen zwei Jahre gekürt. Bei den Modellen unterscheidet man im Grunde zwischen zwei Typen: Klassische „Bügelkopfhörer“ und „In-Ear-Kopfhörer“ – also solche, die man sich ins Ohr steckt. 

Bei den Bügelkopfhörern gibt es dann wiederum Modelle, die auf dem Ohr aufliegen und welche die das Ohr umschließen. Bei den In-Ear-Modellen wird zwischen solchen mit Verbindungskabel und „True-Wireless-Kopfhörern“ – ohne jegliche Kabel – unterschieden. 

Vor- und Nachteile

Was für die Bügelkopfhörer spricht: „Sie haben längere Akkulaufzeiten“, sagt Christian van de Sand von Stiftung Warentest. Außerdem punkten sie zum Teil mit höherem Tragekomfort.

Weiterer Vorteil der Bügel-Modelle: Die meisten haben neben der Bluetooth-Verbindung noch ein zusätzliches Kabel. Das heißt: Man kann sie auch noch benutzen, wenn der Akku leer ist. 

Eine Frau hört Musik mit Kopfhörer und mp3-Player

Kopfhörer mit Kabel geraten außer Mode.

Es gibt natürlich auch noch rein kabelgebundene Kopfhörer. „Das Verbraucherinteresse geht aber ganz stark zu den Bluetooth-Modellen“, sagt van de Sand. Dass diese klanglich nicht so gut seien wie die Kabel-Kopfhörer, hätten ihre Vergleichstests mit geschulten Experten nicht bestätigt. 

Vorteile der In-Ear-Modelle: Sie sind kleiner und leichter – und eigenen sich daher besser für Sport. Nachteile: Sie müssen zum Träger passen. Denn Klangqualität und Geräuschreduzierung sind immer davon abhängig, wie gut die Knöpfe im Ohr sitzen. „Und das ist eine sehr individuelle Sache“, sagt van de Sand. 

Dass Bügelkopfhörer besser klingen als In-Ear-Modelle, sei ebenfalls ein Vorurteil.

Geräuschunterdrückung

Es gibt solche mit – und welche ohne aktive Geräuschunterdrückung. Dabei nehmen Mikrophone im Kopfhörer die Umgebungsgeräusche auf – und neutralisieren sie mit Hilfe von Gegenschall. 

Ein Frau lehnt an einem Baum und genießt die Natur mit Musik auf ihrem Kopfhörer.

Geräuschunterdrückung verschafft ein ungestörtes Hörerlebnis.

 „Gerade bei monotonen Geräuschen klappt das sehr gut.“ Wunder dürfe man aber nicht erwarten. Auf plötzliches Kindergeschrei etwa könnten die Kopfhörer nicht so schnell reagieren. Aber trotzdem: „Allein durch die Bauform wird das Ohr ja schon abgeschirmt, dass gar nicht der komplette Schall ankommt“, sagt der Warentester. 

Darauf sollte man achten

Vor dem Kauf gilt: „Unbedingt vorher ausprobieren“, sagt Christian van de Sand. So sollte man nach Möglichkeit den Kopfhörer zum Test eine Weile tragen. Denn der Bügel oder In-Ear-Knopf können zum Beispiel nach einer Zeit drücken. Beim In-Ear Kopfhörer könne man dann gegebenenfalls das Pass-Stück ändern. Alternativen werden meist direkt mitgeliefert. 

Zudem empfiehlt Christian van de Sand einen Hörtest: „Man sollte ruhig auch mal die Lieblingsmusik hören und schauen, ob einem das gefällt.“ Schließlich sei das immer auch eine Geschmacksfrage und abhängig von der Art der Musik. 

Für Menschen mit Hörgeräten kommen im Grunde nur Bügel-Modelle in Frage. Wichtig ist dabei aber, dass es nicht zur „Interferenz“ (Wellenüberschneidung) zwischen dem Kopfhörer und dem Hörgerät kommt. Das müsse vor dem Kauf immer individuell abgeklärt werden. 

Gehörschäden vermeiden

Um Gehörschäden zu vermeiden, sollte die Lautstärke 85 Dezibel nicht überschreiten. „Neben dem Kopfhörer ist auch das Zuspielgerät entscheidend für die Lautstärke“, sagt van de Sand. „Smartphones und andere Zuspieler müssen mittlerweile eine Warnung abgeben, wenn die Lautstärke zu hoch eingestellt wird und der Nutzer muss extra bestätigen, dass er wirklich so laut hören will.“

Grundsätzlich könne sich das Ohr von einer temporären lauten Beschallung, etwa bei einem Konzert oder ähnliches, auch wieder erholen, wenn es danach eine ausreichend lange Hörpause bekommt. Bei dauerhafter Beschallung drohen aber bleibende Hörschäden. „In-Ear-Kopfhörer sind hier noch etwas kritischer, weil der Schall sehr direkt in den Gehörgang geleitet wird.“

Die Kosten

„So richtig gut wird es ab 100 Euro“, sagt van de Sand. Die kabellosen In-Ear-Kopfhörer seien in der Regel teurer. Je nach Modell müsse man da zwischen 150 Euro und 250 Euro einplanen. Gute mit Verbindungskabel gebe es dafür schon ab 100 Euro. Wer hingegen Wert auf eine zusätzliche aktive Geräuschunterdrückung lege, liege „eher im Bereich 200 bis 300 Euro“.