Reisen und Rechte im Quarantänefall

Rechte im Quarantänefall: Anwalt Arndt Kempgens beantwortet die wichtigsten Fragen Hier und heute 06.04.2021 08:06 Min. Verfügbar bis 06.04.2022 WDR

Reisen und Rechte im Quarantänefall

Wer in diesen Zeiten verreist, muss vor dem Abflug im Urlaubsland einen Corona-Test machen. Ist dieser positiv, müssen Reisende vor Ort in Quarantäne. Doch wer trägt die Kosten? Gibt es Probleme mit dem Arbeitgeber? Und was sollte man bei der Buchung für den nächsten Urlaub beachten? Antworten von Rechtsanwalt Arndt Kempgens.

Rechtsanwalt Arndt Kempgens

Rechtsanwalt Arndt Kempgens warnt vor einer möglichen Quarantäne.

Das Problem: „Ist der Test positiv, greifen die örtlichen Bestimmungen“, sagt Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Diese könnten sehr unterschiedlich sein. In den meisten Fällen heißt das aber wohl erst mal: Quarantäne. Und das nicht in Deutschland, sondern im Urlaubsland. Die Betroffenen müssen dann in ein Hotel oder eine Ferienwohnung und sich dort isolieren, bis die Quarantänezeit vorbei ist. Die Kosten dafür müssen sie in aller Regel selbst tragen. Es gibt allerdings Ausnahmen: So stellt Mallorca etwa positiv getesteten Touristen kostenlose Hotelzimmer zur Verfügung.

Unter Umständen springen auch die Auslandskrankenversicherung oder die Reiserücktrittsversicherung ein – vorausgesetzt, man hat einen solchen Fall damit abgesichert. Darüber hinaus bieten einige Reiseveranstalter eigene Corona-Versicherungen an – die im Fall einer Quarantäne die Kosten für den Aufenthalt im Hotel und die Umbuchung der Rückreise übernehmen. 

Im Urlaub in Quarantäne – und dann? 

Ihre Rückreise nach der Quarantäne müssen Individualreisende selbst organisieren. Bei Pauschalreisen hilft dabei der Veranstalter. Die Kosten für den neuen Rückflug müssen aber in der Regel alle Reisenden selbst tragen – es sei denn, sie haben im Vorfeld eine entsprechende Versicherung abgeschlossen. 

Durch den ungewollt verlängerten Urlaub können die Reisenden zudem in der Regel nicht pünktlich zur Arbeit erscheinen. „Arbeitsrechtlich ist das aber kein Problem“, sagt Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Schließlich sei der Arbeitnehmer unverschuldet krank – eine Pflichtverletzung könne man ihm daher nicht vorwerfen. Das sei nur der Fall, wenn jemand bewusst in ein Risikogebiet geflogen sei. „Aber momentan haben ja fast alle anderen Länder niedrigere Inzidenzen als Deutschland“, sagt Arndt Kempgens. „Letztes Jahr konnten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern diesen Vorwurf noch machen – heute geht das nicht mehr.“ 

Arbeitnehmer bekommen im Quarantänefall auch weiterhin ihr Gehalt. Und auch Selbstständige erhalten nach dem „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten“ einen Verdienstausfall. Wie viel sie bekommen, hängt ab von den Einnahmen des vorangegangenen Jahres. 

Aber auch wenn es arbeitsrechtlich kein Problem ist und man weiter Geld bekommt: „Man muss immer davon ausgehen, dass es in einem solchen Fall Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber gibt.“ 

Das sollten Sie bei der Buchung beachten

Mit Blick auf die nächste Urlaubsplanung rät Arndt Kempgens daher: „Man sollte immer einen Plan B haben.“ Zum einen solle man bei der Buchung beachten, dass man eine kostenlose Rücktrittsmöglichkeit habe – sollte die Corona-Lage die Reise beeinträchtigen oder unmöglich machen. 

Bessere Absicherung bei Pauschalreisen

Ein Flugzeug über den Wolken

Bei Reisen ins Ausland sollte eine mögliche Quarantäne mit eingeplant werden.

Pauschalreisende seien da immer besser gestellt als Individualtouristen. Grundsätzlich sei das nicht mehr so einfach wie im vergangenen Jahr. Und so ein Sorglos-Paket sei auch verhältnismäßig teuer, sagt Kempgens. Um späteren Ärger zu vermeiden, sollte man so etwas aber trotzdem immer abschließen. Zum anderen könne es immer passieren, dass das Urlaubsland plötzlich hochgestuft werde – zum Risiko- oder sogar Hochinzidenzgebiet. Wer dann aus dem Urlaub zurückkehre, müsse zehn Tage in Quarantäne und könne sich nicht nach fünf Tagen wieder „freitesten“.

Verzögerungen einplanen

„Man sollte also bei der Buchung berücksichtigen, dass es unter Umständen länger dauern kann, bis man wieder arbeiten kann.“ Und eine solche Karenzzeit könne ein Arbeitgeber auch durchaus verlangen, sagt Kempgens. So könne auch ein Arbeitnehmer in diesem Jahr nicht mehr sagen: „Ich wusste nicht, dass so etwas passieren kann.“ 

Wer also jetzt zum Beispiel einen Sommerurlaub im Ausland buche, sollte nach Möglichkeit im Anschluss noch genügend Urlaubstage für den Quarantänefall einplanen. Darüber hinaus rät Arndt Kempgens, sich möglichst frühzeitig mit dem Arbeitgeber über mögliche Auslandsreisen abzusprechen. „Sonst ist der Streit vorprogrammiert.“ 

Stand: 06.04.2021, 06:00

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