Reha-Antrag abgelehnt – was tun?

Stand: 05.10.2020, 06:00 Uhr

Ob nach einer Operation oder um den Umgang mit einer chronischen Krankheit zu erlernen, als Mutter-Kind-Kur oder um Kraft zu schöpfen, weil man Angehörige pflegt  – es gibt viele Arten von Reha-Maßnahmen. Doch was, wenn der Antrag dafür abgelehnt wird? Antworten hat Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Noch relativ neu und unbekannt sei die Reha für pflegende Angehörige, sagt Verena Querling. „Dabei kann jemand, der einen anderen Menschen pflegt, in Reha fahren – auch wenn er keine Krankheitssymptome hat”, sagt Rechtsanwältin Querling. Das solle verhindern, dass jemand „unter der Last der Pflege zerbricht”.

Das Problem: Nur 70 Prozent der Reha-Anträge werden bewilligt. Tatsächlich werde eine hohe Zahl von den Krankenkassen abgelehnt, bestätigt Verena Querling – bei der Verbraucherzentrale NRW ist sie Ansprechpartnerin in Sachen „Gesundheit und Pflege.

Manchmal geschehe das mit unzureichender Begründung. So könne es zum Beispiel schon reichen, dass ein Punkt im Antragsformular nicht ordentlich ausgefüllt ist. „Das wäre mit einer kurzen Rückfrage zu klären”, sagt Querling. Doch stattdessen werde der Antrag häufig einfach abgelehnt.

 

Was kann ich tun?

Betroffene sollten Widerspruch einlegen, rät Verbraucherschützerin Verena Querling. Dafür haben sie einen Monat lang Zeit.

Ganz wichtig: Nicht per Mail, sondern schriftlich Widerspruch einlegen – am besten mit Rückschein. „Denn ich muss den Zugang nachweisen”, sagt Querling. Alternativ ginge das auch per Fax mit entsprechender Bestätigung oder das Schreiben persönlich bei der Krankenkasse abgeben. 

Daraufhin bekommt man das entsprechende Gutachten vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen zugeschickt. Dort steht dann genau drin, warum der Antrag abgelehnt wurde. 

Eine zusätzliche Beratung ist immer hilfreich. Das geht etwa beim Sozialverband VDK oder den Verbraucherzentralen. Unter Umständen macht es auch Sinn, sich Hilfe bei einem Mediziner und/oder Juristen zu holen. 

Im Anschluss sollte man dann einen neuen Antrag stellen – mit den entsprechenden Unterlagen und der Begründung. Sollte auch dieser abgelehnt werden, bleibt noch der Weg zum Sozialgericht. „Dort wird dann eventuell ein Gerichtsgutachten erstellt und anhand dessen noch einmal entschieden”, sagt Querling. „So hat man die Chance, dass es doch noch klappt.”  

Antrag auf Reha

Zuständig für die Bewilligung von Reha-Anträgen sind in der Regel die gesetzliche Kranken- oder Rentenversicherung, welche auch die Kosten dafür übernehmen. Wer von beiden zuständig ist, hängt davon ab: „Wenn ich die Reha mache, um wieder erwerbstätig zu werden, ist die Rentenversicherung zuständig”, sagt Verena Querling. „Wenn es um die Beseitigung von Krankheiten, die Nachsorge nach einer OP oder die Vorsorge wie etwa Kuren geht, die Krankenkasse.” 

Auch vor einem Antrag auf Reha kann man sich beraten lassen. Eine Liste von Beratungsstellen findet man etwa auf der Internetseite: www.pflegewegweiser-nrw.de . Beim Ausfüllen des Antrags hilft dann auch der Hausarzt. „Ganz wichtig ist, dass die Fragen alle akkurat beantwortet werden und mit den medizinischen Unterlagen hinterlegt sind”, sagt Querling. „So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er abgelehnt wird.”