Pfandhäuser: Wie mache ich was zu Geld und worauf muss ich achten?

Hier und heute 22.06.2022 08:12 Min. Verfügbar bis 22.06.2023 WDR

Pfandhäuser - Wie mache ich was zu Geld und worauf muss ich achten?

Stand: 22.06.2022, 06:00 Uhr

Hohe Preise und Kosten belasten zurzeit viele Menschen. Die Nachfrage bei Pfandhäusern steigt an. Wie das System der Pfandhäuser funktioniert und worauf man dabei achten sollte,  darüber sprechen wir mit Hermann-Josef Tenhagen vom Online-Ratgeber „Finanztip“.

Das Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell der Pfandhäuser ist schnell erklärt: „Ich gebe etwas beim Pfandhaus ab und bekomme dafür Geld“, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Online-Ratgeber „Finanztip“. „Wenn ich das Geld rechtzeitig zurückzahle, bekomme ich es wieder.“ Andernfalls dürfe das Pfandhaus den Gegenstand „verwerten“.

Zum einen verdient das Pfandhaus an den Zinsen, die es für das Verleihen des Geldes nimmt – und die in der Regel höher sind als bei der Bank. Zum anderen profitiert das Pfandhaus, wenn der Schuldner das Geld nicht rechtzeitig zurückzahlt.

Schmuck auf einer Waage im Pfandhaus

Im Pfandhaus bekommt man meist weniger Geld, als der Gegenstand wert ist.

Denn die Gegenstände werden in diesem Fall vom Pfandhaus versteigert. Und das mache damit in der Regel Gewinn: „Man bekommt ja weniger Geld für den betreffenden Gegenstand, als dieser Wert ist“, sagt Tenhagen. Daher hätten die Pfandhäuser auch ein gewisses Interesse daran, dass die Kunden die Gegenstände nicht wieder abholen. „Das ist ja die Kernidee des Pfandhauses und Teil des Geschäftsmodells.“

Hinzu komme, dass die Pfandhäuser in den vergangenen Jahren aufgrund der niedrigen Zinsen kaum an diesen verdienen konnten. Das allerdings könne sich durch die Inflation künftig wieder ändern.

Die Vorteile des Pfandhauses

Einen kurzfristigen Kredit zu besseren Konditionen gibt es womöglich bei der Bank. Weshalb trotzdem einige das Pfandhaus vorziehen:

Die persönliche Bonität spielt keine Rolle und wird nicht überprüft. Es ist also egal, ob jemand etwa einen negativen Schufa-Eintrag oder Schulden hat. Denn als Gegenwert hat der Kunde den Pfandgegenstand hinterlegt.

Das bringt dem Kunden zwei große Vorteile:

Euro-Münzen und -Banknoten liegen auf einer Tischplatte

Durch das Pfandhaus erhält man auch kurzfristig Geld.

Zum einen kommt er in jedem Fall kurzfristig an Geld. Zum anderen bekommt niemand außer dem Pfandhaus mit, dass man in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Bei der Bank kann das anders sein. Stellt man dabei nämlich keine Kreditanfrage, sondern einen Kreditantrag, wird das bei der Schufa vermerkt. Ein abgelehnter Kreditantrag in der Schufa-Auskunft lässt die eigene Bonität für andere auch künftig in keinem guten Licht dastehen.

Für wen macht das Sinn?

 „Wenn man keinen kurzfristigen Kredit bei der Bank bekommen würde oder einem das zu umständlich ist, dann kann das Pfandhaus schon eine Alternative sein“, sagt Hermann-Josef Tenhagen. Allerdings sollte man dabei einiges beachten:

Zunächst: Der Pfandkredit sollte wirklich nur zur Überbrückung eines kurzen finanziellen Engpasses genutzt werden. „Man sollte sich also sicher sein, dass man das Geld in jedem Fall innerhalb des vereinbarten Zeitraums wieder zurückzahlen kann“, sagt Tenhagen. „Wenn ich zum Beispiel weiß: In vier Wochen bekomme ich wieder Geld, dann ist das völlig in Ordnung.“

Auf der anderen Seite sollte man sich des Risikos bewusst sein – für den Fall, dass es mit dem Zurückzahlen nicht klappt. Denn dann macht man nicht nur ein großes finanzielles Minusgeschäft. Auch die verpfändete Ware ist dann weg. Und die ist häufig nicht nur von hohem materiellen Wert, sondern hat für die Betroffenen mitunter auch eine emotionale Bedeutung. Und wenn dann auf einmal nicht nur das Geld, sondern auch der Ring der Oma oder die Uhr des Opas weg sind – dann ist das natürlich doppelt tragisch.

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