Livestream-Shopping

Livestream-Shopping Hier und heute 12.04.2021 06:00 Min. Verfügbar bis 12.04.2022 WDR

Livestream-Shopping

Die Pandemie trifft den Einzelhandel schwer. Immer mehr Geschäfte und Läden setzen daher auf neue Verkaufswege. Über das Phänomen „Livestream-Shopping“ sprechen wir mit Eva Stüber vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln.

Laut Handelsforscherin Eva Stüber hat das „Livestream-Shopping“ gerade im Laufe des vergangenen Jahres „extrem an Bedeutung gewonnen“. Ob Shopping per Livestream, Kaufberatung über WhatsApp oder Produktpräsentation via Instagram – der Einzelhandel setzt vermehrt auf neue Online-Verkaufswege. „Das wäre so oder so gekommen“, vermutet Stüber. Corona aber habe diese Entwicklung extrem beschleunigt. So bieten verschiedene Geschäfte zu festen Zeiten Livestreams auf ihren Websites an. Vorstellen könne man sich das ein bisschen wie modernes Teleshopping – allerdings mit Interaktion. So werden Produkte präsentiert und die Nutzer können per Chat Fragen stellen, Anregungen geben und die Ware direkt über das Anklicken von Links kaufen.

Dr. Eva Stüber, Handelsforscherin aus Köln, redet über Blumen am Valentinstag.

Handelsforscherin Eva Stüber ist keineswegs überrascht über die neuen Online-Verkaufswege.

Insbesondere kleinere Läden wie Mode-Boutiquen wiederum nutzen verstärkt die sozialen Medien: So gehen die einen auf ihrem Instagram-Account live, andere machen Produktpräsentationsvideos oder führen Kunden im Eins-zu-Eins-Termin per Video-Telefonie durch ihren Laden. Große Unternehmen arbeiten mit Bloggern zusammen, die dann eine Auswahl ihrer Produkte im Netz präsentieren. Auch Geschäfte mit Produkten für den Nachwuchs oder Fahrradhändler hätten mit dieser neuen Art des Shoppings schon gute Erfahrungen gemacht. Bei vielen Kunden kommt das Angebot offenbar gut an. Es seien der soziale Austausch und die persönliche Komponente, die diese Art des Einkaufens so interessant mache, sagt Eva Stüber. „Sie können zum Beispiel in den Chat schreiben: Dreh Dich mal mit dem Kleid, ich möchte sehen, wie der Rock fliegt. Oder: Wie kann ich das kombinieren?“ Und das alles unabhängig von den normalen Öffnungszeiten. Weiterer Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Teleshopping: „Die Präsentation ist nicht krass einstudiert“, sagt Stüber. „Das machen oft Menschen, die selbst in dem Laden arbeiten.“ Dadurch seien diese sehr nahbar.

 

Blick nach vorn

Online-Shopping

Auch kleine Einzelhändler bieten mittlerweile einen Online-Shop an.

Gerade im Laufe des vergangenen Jahres habe das Ganze „extrem an Bedeutung gewonnen“. Und der Blick in andere Länder zeige, dass das voraussichtlich erst der Anfang ist. Einer der Gründe: „Das herkömmliche Einkaufen hat an Attraktivität verloren“, sagt Stüber. Stattdessen werde das Shoppen immer mehr in den Alltag integriert. „Früher bin ich in ein Geschäft gegangen, dann in den Online-Shop und mittlerweile kauft man dort, wo man sich gerade befindet – etwa in den sozialen Medien. So habe Instagram etwa inzwischen ein eigenes Shop-Modul. Wie bei allem, was am Anfang neu ist, gebe es derzeit in Deutschland zum Teil noch eine gewisse Skepsis.

Doch Stüber rät Händlern wie Konsumenten gleichermaßen, das Ganze einfach mal auszuprobieren. „Die Händler, die so etwas anbieten, machen in der Regel Ankündigungen, etwa bei Facebook oder Instagram“, sagt Stüber. Wenn man etwas Bestimmtes suche, könne man das auch einfach mal bei Google eingeben. Und klar: Insbesondere bei kleineren Läden könne man auch „einfach mal nachfragen“, ob sie so etwas anbieten. Das habe dann wahrscheinlich noch einen weiteren Vorteil: „Falls nicht, kommen sie dann vielleicht auf die Idee, so ein Angebot zu machen.“ Denn auch die Händler, die ja in den vergangenen Monaten zum Teil stark unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten haben, würden von diesen neuen Verkaufswegen profitieren. „Für den Einzelhandel ist das eine Riesenchance“, so Eva Stüber.

Stand: 12.04.2021, 06:00

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