Die häufigsten Irrtümer beim Fahrradfahren

Die häufigsten Irrtümer beim Fahrradfahren Hier und heute 20.05.2021 07:17 Min. Verfügbar bis 20.05.2022 WDR

Die häufigsten Irrtümer beim Fahrradfahren

Ob für den Weg zur Arbeit oder den Ausflug am Wochenende – im Frühling sind besonders viele Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. Was sind die häufigsten Irrtümer beim Fahrradfahren? Wir klären die Rechtslage mit dem Anwalt Kay P. Rodegra.

Der Radweg

Viele denken: Als Fahrradfahrer muss man immer einen vorhandenen Radweg benutzen. „Nicht unbedingt“, sagt Kay Rodegra. „Nur, weil er baulich angelegt und farbig markiert ist, bedeutet das nicht, dass man auch darauf fahren muss.“

Pflicht den Radweg zu benutzen nur bei blauem Schild

Eine Pflicht den Radweg zu benutzen bestehe nur, wenn ein blaues Schild mit weißem Fahrrad dies anordne. Wer allerdings in diesem Fall auf Straße statt auf dem Radweg fährt, dem droht sogar ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro. Das gleiche kostet es, wenn man auf dem Radweg in falscher Richtung fährt – oder nebeneinander und andere behindert.

Auch Rennräder dürfen nicht immer auf der Straße fahren

Radfahrer fahren über eine Straße

Rennräder und E-Bikes dürfen und sollen auf Radwegen fahren.

Ein verbreiteter Irrtum sei auch, dass man mit dem Rennrad immer auf der Straße fahren dürfe, auch wenn ein Radweg vorhanden ist. Das sei genauso falsch wie der Glaube, dass E-Bikes nicht auf dem Radweg fahren dürfen. Denn dabei müsse man unterscheiden: Mit den sogenannten normalen Pedelecs darf man auch auf dem Radweg fahren. Verboten ist das nur mit stärkeren E-Bikes mit Motor – welche auch ein Kennzeichen haben müssen.

Knifflige Regeln: Was dürfen Radfahrer, was nicht?

Mit dem Fahrrad durch die Stadt, das ist gesund und oft sehr praktisch. Hat aber Konfliktpotenzial - mit Fußgängern und Autofahrern. Eine Übersicht über Tempolimits und andere Regeln.

Kind mit Schulranzen und Helm steht mit dem Fahrrad an einem Zebrastreifen.

Kinder auf dem Gehweg
Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Daher müssen sie bis zum Alter von acht Jahren auf dem Gehweg fahren. Begleitet sie dabei ein Erwachsener, darf auch er auf dem Gehweg fahren. Spätestens mit zehn Jahren ist aber Schluss: Ab dann müssen sie - wie die Großen auch - auf der Straße oder dem Radweg fahren.

Kinder auf dem Gehweg
Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Daher müssen sie bis zum Alter von acht Jahren auf dem Gehweg fahren. Begleitet sie dabei ein Erwachsener, darf auch er auf dem Gehweg fahren. Spätestens mit zehn Jahren ist aber Schluss: Ab dann müssen sie - wie die Großen auch - auf der Straße oder dem Radweg fahren.

Ampeln
Verwirrung über die Rechte und Pflichten von Radfahren gibt es oft an Ampeln. Grundsätzlich gilt hier entweder das Fahrradsymbol, oder, wenn es keines gibt, meist die Auto-Ampel. Die Fußgängerampel ist für Radfahrer nur relevant, wenn sie absteigen und das Rad über die Straße schieben. Übrigens: Wer mit dem Rad bei Rot über die Ampel fährt, kann dafür einen Punkt in Flensburg bekommen.

Einbahnstraße
Radfahrer haben in Einbahnstraßen oft Stress mit Autos. Der Grund: Autofahrer übersehen oft das Schild, das den Radfahrern die Benutzung der Straße in beide Richtungen erlaubt. Hier sind die Radler dann gleichberechtigt und nicht nur geduldet. Es gelten die üblichen Vorfahrtsregeln wie "rechts vor links" oder das Ausweichen und Warten, wenn in der eigenen Fahrtrichtung ein Hindernis ist.

Nebeneinander
Nette Neuerung: Radfahrer dürfen seit Änderung der Straßenverkehrsordnung 2020 auch nebeneinander fahren, statt wie bislang nur hintereinander. Bedingung ist, dass sie niemanden behindern.

Beleuchtung
Ein Fahrrad muss "verkehrssicher" sein. Dazu gehört neben zwei guten Bremsen, einer Klingel und Reflektoren vor allem ein gutes Licht. Ein Dynamo ist nicht mehr Pflicht, auch batteriebetriebene Scheinwerfer sind zugelassen. Das Frontlicht muss aber mindestens 10 Lux erreichen. Eine Verstoß gegen die Beleuchtungsvorschrift kann bis zu 35 Euro kosten.

Kinder und Begleitperson auf Gehweg

Kinder unter acht Jahren müssen auf dem Gehweg fahren, zwischen acht und zehn Jahren dürfen sie es. Eine erwachsene Person darf sie dann begleiten. „Allerdings nur eine Person, und nicht die ganze Familie“, sagt Rodegra.

Handy am Lenker

Wer mit dem Handy am Lenker erwischt wird, muss 55 Euro Bußgeld zahlen. Das gilt allerdings nicht, wenn man mit Freisprechanlage oder Kopfhörern telefoniert. Dann darf man auch Musik hören. „Allerdings nur so laut, dass man von seiner Umwelt noch alles mitbekommt“, sagt Rodegra.

Jedes Fahrrad muss der Straßenverkehrsordnung entsprechen

Fahrradfahren in der Stadt

Auch Fahrradfahrer müssen sich an die Straßenverkehrsordnung halten.

Ein weiterer Irrtum: Mountainbikes brauchen kein Licht. „Das stimmt nicht, jedes Fahrrad muss der Straßenverkehrsordnung entsprechen“, sagt Rodegra. Und das bedeutet: Es braucht Klingel, Rückstrahler und Licht. Andernfalls kann es ein Bußgeld geben. Wer etwa keine Klingel am Fahrrad hat, zahlt 15 Euro.

Fahrradlicht muss immer funktionieren

Die Licht-Pflicht gilt im Übrigen auch tagsüber, wenn es draußen noch hell ist. Allerdings darf man inzwischen auch abnehmbare Leuchten benutzten. Das Wichtige aber ist, dass man diese immer dabei hat.

Radler: Alkohol kann Autoführerschein kosten

Was viele fälschlicherweise glauben: Auf dem Fahrrad gibt es keine Promillegrenze. „Auch das ist ein Irrtum“, sagt Rodegra. „Ab 1,6 Promille gilt die absolute Fahruntüchtigkeit.“ Wer sich dann aufs Rad setze, begehe sogar eine Straftat. Dann besteht auch die Möglichkeit, seinen Auto-Führerschein zu verlieren. Denn die Behörde kann in solchen Fällen eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anordnen – „Wenn ich die dann nicht bestehe, ist der Führerschein weg.“

Punkte in Flensburg

Gesetzliche Einführung der Verkehrssünderdatei in der BRD

Fahrradfahrer können auch Punkte in Flensburg sammeln.

Und so könne man für Vergehen auf dem Fahrrad auch Punkte in Flensburg bekommen, sagt Rodegra. Zum Beispiel, wenn man mit dem Rad über eine rote Ampel fährt. Dafür werde auch ein Bußgeld von mindestens 60 Euro fällig.

Tempolimit

Auch für Fahrradfahrer gilt ein Tempolimit. Zwar gelte für Radfahrer in der Tat nicht, dass sie innerhalb geschlossener Ortschaften nicht schneller als 50 Km/h fahren dürfen. Das gilt aber nur dann, wenn kein anderes Schild ein Tempolimit anzeigt. Sobald das irgendwo steht, müssen sich auch Radfahrer daran halten. Und auch in verkehrsberuhigten Zonen müssen sie Schrittgeschwindigkeit fahren.

Informationen und Wissenswertes rund um Fahrräder