Insektenstiche – lästig oder lebensbedrohlich?

Insektenstiche – lästig oder lebensbedrohlich? Hier und heute 01.07.2020 04:53 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 WDR

Insektenstiche – lästig oder lebensbedrohlich?

Für einige Menschen sind Insektenstiche nicht nur schmerzhaft und lästig. Wenn der Körper allergisch reagiert, können sie lebensgefährlich sein. Mit Prof. Stephan Meller, leitender Allergologe an der Uniklinik Düsseldorf, sprechen wir über Insektenallergien und Notfallsets.

Gefahr durch Insektenstiche?

„In Mitteleuropa sind es die Wespen- und Bienenstiche, die Probleme machen“, sagt Dr. Stephan Meller. „Solange Reaktionen wie Schwellungen, Rötungen und Juckreiz nur an der Stichstelle auftreten, ist das nicht tragisch“, erklärt der Allergologe. Anders ist das bei jemandem, der allergisch gegen das Insektengift ist. „Dann reagiert der Körper nicht nur an der Stelle, wo man gestochen wurde“, sagt Meller. „In der Regel geht es nach etwa zehn Minuten los, spätestens nach 30 Minuten.“ 

Eine Wespe nascht Erdbeerkonfitüre auf einem Brötchen.

Insektenstiche können allergische Schocks auslösen.

Die Symptome reichten von Quaddeln am ganzen Körper und Kribbeln bis zu Atemnot, Kreislaufproblemen oder sogar Bewusstlosigkeit. Im schlimmsten Fall kommt es zum allergischen Schock. Betroffene brauchen dann sofort medizinische Hilfe – andernfalls kann so ein Insektenstich tödlich enden.

Allergischer Schock

Wie sinnvoll sind Notfallsets?

Kinderhand mit Notfall-Pen.

Adrenalin, Cortison und ein Antiallergikum helfen in der Notsituation.

Die Sets bestehen aus drei Medikamenten: Adrenalin, Cortison und einem Antiallergikum. „Das Adrenalin stabilisiert den Kreislauf, das Antiallergikum ist gegen Allergiesymptome wie den Juckreiz, und das Cortison hilft, das Schockgeschehen zu unterbrechen.“ Allergiker sollten daher immer ein solches Notfallset bei sich tragen, rät Stephan Meller.

Wer nach einem Stich allergisch reagiert, sollte aber auch trotz Notfallset einen Arzt rufen. Dieser könne dann entscheiden, ob eine weitere Überwachung nötig sei. Und ob es sich tatsächlich um eine allergische Reaktion handelt und gegebenenfalls eine Therapie sinnvoll wäre. 

Notfallsets Insektenallergie

Insektenallergie-Notfallsets

WDR 2 Servicezeit 22.06.2020 04:20 Min. Verfügbar bis 22.06.2021 WDR 2

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Was können Betroffene tun?

Wer allergisch auf Insektenstiche reagiert, kann etwas dagegen tun. Mit einer sogenannten Hyposensibilisierung „Das würde ich jedem Allergiker empfehlen“, sagt Meller. Betroffene bekommen dabei über drei bis fünf Jahre kleine Giftmengen – die stetig gesteigert werden. So kann sich der Körper an das Gift gewöhnen und reagiert dann nicht mehr so heftig.

„Das klappt nicht bei jedem“, sagt Prof. Meller. „Aber insbesondere bei Wespen funktioniert das sehr gut.“ Betroffene erhielten so einen Schutz vor einem allergischen Schock.

Rentner mit Krueckstock

Besonders im Alter ist eine Hyposensibilisierung wichtig.

Insbesondere ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, wie etwa Herz- Kreislauf- oder Lungenerkrankungen sollten eine Hyposensibilisierung in Betracht ziehen – vorausgesetzt natürlich, sie sind allergisch gegen Insektenstiche. „Bei ihnen kann das Schockgeschehen sehr viel schwerer sein, im Vergleich zum sportlichen 20-Jährigen.“ 

Betroffen sein kann im Grunde jeder. „Eine Allergie lernt der Körper“, sagt Dr. Meller. Voraussetzung dafür sei der wiederholte Kontakt mit dem Allergen. Doch ob jemand eine Allergie entwickle, dies nach zwei oder zehn Stichen passiere – das sei individuell unterschiedlich. 

Aber ob nun Allergiker oder nicht – am besten ist natürlich, erst gar nicht gestochen zu werden. Daher betont Dr. Meller noch einmal die wichtigste Regel: „Vorsichtig sein und nicht nach den Tieren schlagen.“ 

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